Als die Zeiten noch normal waren, also so vor mehr als zwei Jahren, hat man als Eltern seine Kinder morgens aus dem Haus gehen lassen und konnte ziemlich sicher sein, bis mittags seine Ruhe zu haben. Dann kamen Corona und Homeschooling. Seither ist es mit der Gewissheit vorbei. Denn auch jetzt, da am Präsenzunterricht trotz Inzidenzwerten von weit über 1000 festgehalten wird - vor einem Jahr hätte man bei solchen Zahlen noch Schutz im Keller suchen müssen -, dräut täglich eine böse Überraschung.
Läutet kurz nach acht das Telefon und teilt die Schule mit, dass der Schnelltest der Tochter positiv ausgefallen ist? Oder muss sie in Quarantäne, weil die Banknachbarin Corona hat? Kommt mit dem Plop am Abend auf dem Smartphone das positive Pooltestergebnis der ganzen Klasse? So viel ist sicher: Dieses Gefühl der Sicherheit ist passé.
Diese Woche nun kam am Vormittag eine Whatsapp der Tochter aus der Schule: "Es sind 5 Leute aus unserer Klasse positiv. Was soll ich machen?" Die erste Reaktion: Schultasche packen und tschüss. Dann die besonnene Antwort: Ruhig bleiben, Maske auflassen, Abstand halten. Du bist geimpft, geboostert, alles im Griff.
Doch das ungute Gefühl bleibt: Mussten nicht unlängst erst, als es noch nicht das superansteckende Omikron gab, alle Kinder einer Klasse in Quarantäne, wenn nur eines positiv war? Oder zumindest, wenn auch das zweite Corona hatte? Und aktuell nun unmittelbare Kontaktpersonen, die Sitznachbarn? Und wenn fünf von 25 Kindern positiv sind - wie viele bleiben da noch übrig? Oder anders gefragt: Wann steckt sich die eigene Tochter trotz Dreifachimpfung an?
Die Zweifel werden nicht weniger, als die Tochter Details schildert: Der Test der Freundin, neben der sie sitzt, war positiv. Aber der Strich nur schwach zu sehen. Der Kontrolltest auch positiv, wieder nur schwach erkennbar. Die Lehrerin besteht auf einem dritten Test, dasselbe Resultat. Die Lehrerin glaubt das aber nicht und lässt die Schülerin im Sekretariat einen vierten Test machen. Und der ist negativ! Ergebnis: Sie bleibt bis Unterrichtsschluss in der Klasse. Am nächsten Morgen Whatsapp von der Freundin: Der PCR-Kontrolltest ist positiv, sie bleibt daheim. Die eigene Tochter geht in die Schule. Das bange Warten aber geht weiter.