Ein wenig ähneln diese Tage dem, was Bill Murray mit dieser zerknautschten Bill-Murray-Miene in "Und täglich grüßt das Murmeltier" erträgt. Alles ist immer gleich. Nicht mal die S-Bahn-Fahrt in die Arbeit ist einem jetzt noch vergönnt. Dafür haben sich wunderliche Dinge normalisiert: Brettspiel-Treffen übers Internet, Video-Anrufe zum Mittagessen, Quizabende per Whatsapp ... Am wunderlichsten aber sind diese kleinen Routinen, bei denen es nicht darum geht, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, sondern so etwas wie psychische Gesundheit zu bewahren. Auch wenn es mit ein bisschen Distanz eher so aussieht, als hätte man seinen Verstand endgültig an der Garderobe abgegeben. Immerhin wäre die dann zu was nütze, Besuch kommt momentan ja nicht.
Was für Bill Murray in seiner Murmeltier-Endlosschleife das allmorgendliche "I Got You Babe" des Radioweckers ist, ist für einen selbst der Blick auf eine dunkelgrüne Plastiktüte. Die hat sich vor einigen Wochen im Baum vor dem Fenster verfangen. Zumindest fiel sie einem da zum ersten Mal auf. Seither weht sie dort wie die inoffizielle Flagge des Corona-Shutdowns. Auf den Ästen drumrum ist es inzwischen Frühling geworden. Solche Dinge fallen einem nun auf. Außerdem auffällig: Plastiktüten zu betrachten, ist willkommener Teil der täglichen Morgenroutine. Plastiktüten. Meine Güte.
Am wunderlichsten aber wird der neugefundene Tagesablauf zur Abenddämmerung. Da leuchtet die untergehende Sonne durch den Tür-Spion und malt einen Kreis aus Licht in die Wohnung. Je röter das Abendrot, desto deutlicher schmückt den Lichtkreis eine rote Umrandung. Woher kennt man das nochmal? Klein, rund, roter Rand? Ach ja, so soll das Coronavirus aussehen. Womit der abendliche Lichtschein an den Grund für die sonderbaren Routinen dieser Wochen erinnert. Und nebenbei doch Hoffnung spendet: Allzu lang ist das Corona-Licht nicht in der Wohnung zu sehen. Schließlich wandert die Sonne weiter.
Und solange Corona nun mal in unser Leben scheint? "Täglich grüßt das Murmeltier" angucken. Und die zerknautschte Bill-Murray-Miene üben. Man wird sie in den kommenden Wochen noch ein paar Mal brauchen können. Und sei es in den Videoanrufen beim Mittagessen.