Mitten in Bad Tölz:Die Letzten schlägt der Bürgermeister

Baufirmen müsse man derzeit regelrecht auf die Baustellen prügeln, heißt es im Tölzer Rathaus aus Verdruss über den langsamen Fortschritt bei manchen Projekten

Glosse von Klaus Schieder

Mit dem Baugewerbe ist es ungefähr so wie früher in der Schule: Die Hausaufgaben hat man meist auf den allerletzten Drücker erledigt, nicht selten auf den Treppenstufen des Schulhauses, kurz bevor der Gong zum Unterrichtsbeginn ertönte. So eilig hatten es zuletzt auch die Baufirmen, die das Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße in Bad Tölz fertigstellten, das die Stadt für Familien errichten ließ. Monatelang hatte man kaum einen Bauarbeiter in dem Rohbau gesehen, allenfalls huschte drinnen einer an einem Fensterloch vorbei wie ein Geist. Aber kaum war der Einzugstermin bedenklich nahegerückt, herrschte ein Treiben wie auf einem überfüllten Pausenhof.

Maler, Fliesenleger, Elektromonteure, Estrichleger, Trockenbauer, Schreiner, Heizungsbauer parkten ihre Sprinter kreuz und quer und längs auf der viel befahrenen Königsdorfer Straße, bremsten den sonstigen Verkehr aus und krabbelten auf der Baustelle durcheinander wie Ameisen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es drinnen zuging: Vermutlich kam es nicht nur einmal vor, dass sich die Handwerker in die Quere kamen, ihren Schimpfwort-Werkzeugkasten öffneten und . . . Manche Firma, so war noch aus dem Rathaus zu hören, hätte man zuletzt zur Baustelle prügeln müssen, weil sie andernorts tätig war. Das würde man ja als Nachbar gerne sehen: Bürgermeister Ingo Mehner treibt einen verspäteten Putzer höchstselbst über die Straße - unter Anwendung von Zwang. Da hätte man als Lokalreporter aber mal was zu schreiben.

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