Tölzer Bauausschuss:Votum gegen Mitfahrerbank

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Stadträte lehnen Vorschlag von Matthias Winter für die Strecke von Bad Tölz nach Ellbach wegen Sicherheitsbedenken ab.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Zwei Mitfahrbänke auf der Strecke zwischen Bad Tölz und Ellbach soll es nicht geben. Der Bauausschuss des Stadtrats lehnte einen entsprechenden Antrag von Matthias Winter (CSU) ab, der damit auf eine Initiative des Behindertenbeauftragten Ralph Seifert auf Landkreisebene rekurrierte. Die zwei Bänke sollten am städtischen Bauhof und in Ellbach aufgestellt werden. Winter zufolge wären sie "eine Art Nachbarschaftshilfe für Ellbach", nachdem der öffentliche Nahverkehr in diesem Ortsteil nur morgens und abends funktioniere. Der Ausschuss sprach sich aber vor allem wegen Sicherheitsbedenken gegen diesen Vorstoß aus.

Falko Wiesenhütter stimmte zwar zu, dass die Buslinien zwischen Bad Tölz und Ellbach derzeit nicht ausreichen. Es gebe keine eng getaktete ÖPNV-Verbindung, sagte der Geschäftsleiter der Stadt. Die für Mitfahrerbänke nötige, eindeutig definierte Verkehrsbeziehung biete die Strecke hingegen durchaus: "Es ist klar, wer wo hin will." Und die Kosten seien mit weniger als 5000 Euro auch sehr überschaubar. Dann jedoch führte Wiesenhütter eine ganze Reihe von Gegenargumenten ins Feld. Der verkehrliche Nutzen sei gering, sagte er. Dies zeigten Selbstversuche von Journalisten, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen. "Viele dieser Bänke sind reine Bänke", so Wiesenhütter. Im Grunde handle es sich um eine "Feigenblatt-Mobilität". Dazu kommt das Sicherheitsrisiko. Die Stadt wolle nicht dazu animieren, bei irgendwem mitzufahren, den man nicht kenne, sagte der Geschäftsleiter. Darin sei sie sich mit der Polizei einig. Überwachungskameras, wie sie Stadtrat Winter beispielsweise am Bauhof vorschlug, oder eine Art Vorab-Registrierung wären sehr aufwendig.

Die meisten Stadträte teilten diese Bedenken. "Ich als Frau würde nie trampen", sagte Julia Dostthaler (CSU). Den Wunsch nach einer Mitfahrerbank bezeichnete Michael Lindmair (FWG) als verständlich, aber unrealistisch. Sollte einem Mitfahrenden etwas passieren, könnte man hernach kaum feststellen, wer der Täter war. Auch Überwachungskameras seien da keine Lösung. Besser wäre es für Lindmair, "darauf zu pochen, dass der ÖPNV nach Ellbach verbessert wird". Die Überlegung von Winter, dass etwa Kinder das Autokennzeichen mit dem Smartphone fotografieren und ihren Müttern senden, wies der Zweite Bürgermeister zurück. Dann wäre es für ihn schon ratsamer, eine Schülergruppe via Handy zu organisieren, die von Eltern abgeholt wird. Am Ende stimmte neben Winter nur Moritz Saumweber (Grüne) für die Mitfahrerbänke.

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