Wenn man Michael Eckles Bilder anschaut, muss man immer die Alten Meister mitdenken. Denn Eckle selbst hat sie bei allem, was er malt, im Hinterkopf. Das klingt zunächst abwegig, da der Künstler, der in Münsing seine Ateliergalerie „Oltremare“ bespielt, fast ausschließlich abstrakt malt, oft sogar monochrom. Die Farbe, um die bei ihm alles kreist, ist Blau. Nicht irgendein Blau, sondern das Ultramarin aus Lapislazuli, mit dem Fra Angelico den Mantel der Madonna gemalt hat.
Und das ist nicht die einzige Reverenz, die Eckle den großen Malern der Kunstgeschichte erweist. Wie jene verwendet er die raffinierte Lasurtechnik, um Tiefe, Leuchtkraft und feine Übergänge zu erzeugen. Dazu werden transparente Farbschichten übereinander aufgetragen – bei Eckle sind es bis zu 17 Lagen. Das Licht kann durch die oberen Schichten dringen und von den unteren reflektiert werden, was eine lebendige Farbwirkung erzeugt. Um diese Raffinesse zu erkennen, muss man sich freilich einlassen auf Eckles Bilder.
„Das geheimnisvolle Blau“
Dazu gibt es jetzt Gelegenheit im Hollerhaus Irschenhausen. Unter dem Titel „The Power of Color“ kombiniert der „herausragende akademische Maler“, so Hollerhaus-Galeristin Lia Schneider, „das geheimnisvolle Blau mit starken Farben zu großartigen/einzigartigen Gemälden von mystischer Kraft“. Stark sind dieses Gelb, das Orange und das Pink, da Eckle Leuchtfarben verwendet.

Wer den Ausstellungsraum im Hollerhaus betritt, dem fällt zunächst vis-à-vis eine ruhige Blau-in-Blau-Komposition ins Auge, doch schon wird der Blick von links abgelenkt. Dort hängen zwei große Arbeiten, bei denen das Blau nur den coolen Rahmen für heftige, hitzige Farberuptionen gibt, die sich darin abspielen. Orange, Pink und Gelb fließen wie Lavaströme nebeneinanderher, mal horizontal, mal vertikal. „Die Farben des Universums“, wie der Künstler sagt.

„In dieser Wahnsinnswelt vermitteln Farben etwas Positives“
Mit Eckle lässt sich stets gut über Kunst reden, denn er ist ein Kunst-Denker. „Es hat alles immer eine Logik“, sagt er. Zum Beispiel, dass er nach Jahren des Nur-Blau-Malens angefangen hat, seinen Ultramarin-Bildern auf deren Rückseite einen schmalen Neongelb-Rahmen zu geben. Dieses Gelb sei eben die Komplementärfarbe zum Ultramarin, sagt er. Und indem es die blauen Bilder von hinten her beleuchtet, entsteht tatsächlich etwas in sich völlig Harmonisches. „In dieser Wahnsinnswelt vermitteln Farben etwas Positives“, so Eckle.

Bei ihm beginne ein Bild immer zuerst im Kopf, erklärt er. „Einfach nur vor sich hinmalen – darum geht’s nicht.“ Malen sei „eine intellektuelle Sache“, und die Ausgangsfrage sei: „Was will ich ausdrücken?“ Im Hollerhaus habe er „eine kontemplative, meditative Situation“ schaffen wollen. Seine Farben träfen durch ihren intensiven Ausdruck „in die Seele“.
Dergleichen muss man freilich auch inszenieren können. Und eben darin hat Michael Eckle reichlich Erfahrung. Keineswegs nur mit eigenen Werken. Im Münchner Kunstverein war er viele Jahre lang für die Hängung der Ausstellungen bedeutender Künstler verantwortlich. Sein Auge ist geschult, alles wird „auf den Millimeter“ abgestimmt, „jede Blickachse ist genau ausgedacht“.
Der Künstler, der in der klassischen Musik besonders Gustav Mahler liebt, findet, eine Ausstellung müsse wie eine Sinfonie sein, vom Allegro bis zum Presto. Durch das berühmte Adagietto in Mahlers Sinfonie Nr. 5 hat er sich sogar zu einem Werktitel inspirieren lassen: „Blu molto adagio“ – sehr langsames (oder behutsames) Blau. Im Hollerhaus kann man ganz langsam darin eintauchen.
Michael Eckle: „The Power of Color“, Hollerhaus, Neufahrner Weg 3, Irschenhausen, Vernissage am Samstag, 17. Mai, 17 Uhr; bis 1. Juni, Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr und nach persönlicher Vereinbarung, Telefon 08178/4408
