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Mein Tag:Schutz durch Kräuter

Annelies Stockinger

Die Kräuterpädagogin Anneliese Stockinger.

(Foto: Lisa Bahnmüller/oh)

Anneliese Stockinger gibt einen Kurs in Buschenbinden

Wermut, Salbei und Kamille sind nur einige der aromatisch duftenden Kräuter, die in den Kräuterbuschen gehören und über die die Kräuterpädagogin Anneliese Stockinger viel zu erzählen weiß. Was es noch alles Erfahrenwertes über die Kräuter und die Tradition des Kräuterbuschenbindens zu wissen gibt, das bekommen die Kursteilnehmer an diesem Mittwoch direkt von der 63-Jährigen gezeigt. Von 10 Uhr an lädt sie im Bad Heilbrunner Kurpark zum Sammeln und Binden der Kräuterbuschen ein. Wer indes nicht teilnehmen kann, dem erklärt Stockinger hier kurz die Hintergründe.

"Die Kräuterbuschenweihe hat eine Tradition, die bis ins zehnte Jahrhundert zurückreicht und auch dieses Jahr wird der Brauch weitergeführt. Als ausgebildete Kräuterpädagogin gebe ich am Mittwoch einen Kurs zum Sammeln und Binden der Kräuter. Der Kräuterbuschen hat den Hintergrund, dass die Kräuter um die Zeit von Maria Himmelfahrt reif werden und es damals bei der Graböffnung Marias offenbar nach Kräutern gerochen hatte. Nun wird ihr zu Ehren der Kräuterbuschen gebunden und geweiht. Im Anschluss wird er meist unter den Dachfirst oder in den Herrgottswinkel gehängt, um das Haus und seine Bewohner zu beschützen. Er sollte allgemein vor Gefahren jeder Art schützen. Wurde etwa ein Vieh krank, so wurde ihm früher von dem geweihten Kräuterbuschen gegeben oder bei Gewitter wurde er geräuchert oder im Holzofen verbrannt, um Schäden abzuhalten. In den Kräuterbuschen kommen mindestens sieben verschiedene Kräuter und er kann auf beliebig viele erweitert werden, solange es eine ungerade Zahl bleibt. Die Basiskräuter sind in der Regel Wermut, Kamille, Johanniskraut, Salbei, Spitzwegerich, Arnika und als wichtigste Zutat in der Mitte, die Königskerze. Von den sieben Basiskräuter kann aber auch abgewichen werden. Arnika aber zählt zu den besonders geschützten Arten und darf in der Natur nicht gepflückt werden. Der Sonnenhut wird seiner statt zum Beispiel gerne verwendet. Die Kräuter werden wir am Mittwoch im Kurpark sammeln, wobei ich die Königskerze vom Feld mitnehmen werden, da diese im Kurpark nicht zu finden ist. Ich persönlich habe als Kind schon gerne Kräuter gesammelt und interessiere mich bis heute sehr für die Pflanzenkunde. Besonderes Augenmerk lege ich auf deren Inhaltsstoffe und ihre Verwendung in der Küche und Medizin. An Laien aber meine Botschaft, nur die Kräuter zu konsumieren, bei denen man sich zu hundert Prozent sicher ist, sie zu kennen. Die Kurse zum Kräutersammeln- und binden zu Maria Himmelfahrt gebe ich inzwischen seit sieben Jahren und die Nachfrage ist konstant hoch. Vielen geht es um den Spaß und darum ihr Wissen in der Kräuterkunde zu erweitern. Aber die meisten von ihnen treffe ich auch am nächsten Tag zur Weihe in der Kirche."