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Mein Fernweh:Sorglos auf Samos

Mein Fernweh: Hans Behrendt

Hans Behrendt.

(Foto: Privat)

Hans Behrendt erinnert sich an seinen Griechenlandurlaub 1980

Protokoll: Annika Bingger

Für Mitte Juni hat das Auswärtige Amt die europaweite Reisewarnung aufgehoben. Zumindest der Spanien- oder Italienurlaub ist auch in Corona-Zeiten dann wieder möglich. Als kleinen Vorgeschmack erinnern sich Leute an dieser Stelle an ihren schönsten Urlaub. Heute der Dermatologe Hans Behrendt, der im Sommer 1980 in Griechenland war.

"Als ich mich dazu entschlossen habe, mein Physikum um ein weiteres Semester zu verschieben und gemeinsam mit einer damaligen Studienkollegin nach Griechenland zu reisen, wusste ich noch nicht, dass es die schönste und abenteuerlichste Reise meines Lebens werden würde. Mit nur einem Rucksack auf dem Rücken starteten wir vom Münchner Hauptbahnhof aus mit dem Zug Richtung Athen. Die Hinfahrt dauerte zwei ganze Tage. Nach 44 Stunden erreichten wir endlich die griechische Hauptstadt. Während der gesamten Reise schwebte uns zwar immer ein grober Reiseplan im Kopf herum, einen genauen Rückkehrtermin hatten wir damals aber nicht.

Es war ein Gefühl von Unbeschwertheit und bedingungsloser Freiheit, das ich danach selten noch einmal so intensiv wahrgenommen habe. In diesem Urlaub lebten wir einfach ins Blaue hinein. Weil unsere Fähre nach Samos überraschenderweise erst am nächsten Morgen ging, verbrachten wir die erste Nacht zum Beispiel spontan unter freiem Himmel auf einer Grünfläche am Hafen von Piräus. Und auch auf unserer weiteren Reise erlebten wir viele unvorhersehbare Dinge. Bei einer Mofatour auf Samos ging uns auf halbem Weg der Sprit aus, sodass wir viele Stunden später als gedacht zurück in unserer Unterkunft kamen.

Meine Studienkollegin und ich nahmen all diese Erlebnisse mit Humor. Unsere Stimmung konnte all das nicht vermiesen. Und auch, wenn ich es mir heute natürlich absolut nicht mehr vorstellen könnte, so ganz ohne Plan und Ansprüche zu vereisen, diese Unbeschwertheit und auch Sorglosigkeit, die ich auf dieser Reise empfunden habe, das sind Gefühle, die ich mir auch nach mehr als 40 Jahren immer wieder gerne in Erinnerung rufe."

© SZ vom 06.06.2020
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