bedeckt München 17°
vgwortpixel

Mein Fernweh:Ein Eiland der Lebensfreude

Michaela Gampenrieder

Michaela Gampenrieder.

(Foto: privat/oh)

Michaela Gampenrieder erinnert sich an ihren Sansibar-Urlaub

Ob es dieses Jahr noch einmal was mit einem richtigen Urlaub wird? Zumindest bei Fernreisen ist das derzeit noch fraglich. Und aktuell gilt ja auch noch eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Damit man aber auch in der Corona-Krise die Gedanken ein bisschen in die Ferne schweifen lassen kann, erzählt Michaela Gampenrieder an dieser Stelle von ihrem aufregendsten Urlaub. Die Leiterin des Wolfratshauser Reisebüros Wolftravel war im Mai 2016 auf Sansibar.

"Ich kann mich gut erinnern: Nach der Landung sind wir im Taxi Richtung Nungwi gefahren - ganz in den Norden der Insel. Auf der von kleinen Verkaufsständen gesäumten Straße herrscht reges Treiben. Frauen in bunten Kleidern tragen Reissäcke auf dem Kopf, Kinder sind mit dem Fahrrad unterwegs - und dazwischen stehen Kühe und Ziegen am Straßenrand. Am Ziel angekommen eröffnete sich ein großartiger Blick auf das hellgrün-türkisfarbene Meer. Ein bilderbuchartigen Puderzuckerstrand. Der Himmel färbte sich gerade in allen möglichen Farbschattierungen, von orange bis rosarot.

Am nächsten Tag schipperten wir mit dem Segelboot an der Küste entlang. Es war Regenzeit, der Himmel bedeckt und nur drei andere Personen waren mit uns an Bord. Raza, der Skipper, ein junger Mann aus Sansibar und ein Professor für afrikanische Politik aus Ghana. Die drei hatten sehr unterschiedliche Biografien: Raza besuchte nur eine einfache Schule, sein Bruder brachte ihm ein bisschen Englisch bei; der Professor hatte eine behütete Kindheit, mit seinen etwa 30 Jahren hatte er es mit einem Lehrauftrag an einer Universität in den USA geschafft. In Afrika ist das jedoch kein normaler Werdegang. Derlei Kontraste auf dieser Fahrt zu erleben, das war unheimlich spannend und bereichernd zugleich.

Nach drei Tagen sind wir an die Ostküste weitergefahren, nach Stonetown, dem ältesten Viertel von Sansibar-Stadt. Stonetown gehört zum Weltkulturerbe. Die Gebäude dort hatten orientalischen Charme. Die Altstadt mit seinen engen, verwirrenden Gassen, die arabischen Paläste und der historische Sklavenmarkt erinnerten mich etwas an die morgenländische Erzählung "1000 und eine Nacht". Und auch die letzte Station unserer Reise, die Insel Pemba, blieb mir besonders im Gedächtnis. Ein altes Propellerflugzeug brachte uns auf das Eiland. Das Flugzeug war klein und eng und nur wenige Passagiere fanden darin Platz. Während des Flugs konnten wir dem Piloten über die Schulter blicken. Die Aussicht war atemberaubend!

"Pemba, Pemba, welcome to Pemba!" So begrüßte uns unser junger Fahrer, der uns zu unserem Hotel bringen sollte. Durch enge Gassen und über holprige Schotterstraßen durchquerten wir die grüne Insel. Affen kreuzten unseren Weg und der Taxifahrer kaufte für uns Bananen am Straßenrand. Wir sahen Arbeiter auf den Feldern und Kinder beim Fußballspielen. Und dazwischen standen die einfachen Häuschen und Lehmhütten der Inselbewohner. Nach fast zwei Stunden erreichten wir das Endziel unserer Reise. So verbrachten wir die letzten Tage zwischen Palmen und hörten dem Rauschen des Meeres zu. Der gesamte Urlaub war pure Exotik. Die Lebensfreude der Afrikaner ist etwas, an das sich mein Mann und ich bis heute gerne zurückerinnern. Ein stückweit ist das sicherlich auch etwas, was wir aus diesem Urlaub mit nach Hause genommen haben."

© SZ vom 23.05.2020
Zur SZ-Startseite