Penzberger PolitikAufgeklärter Stadtrat

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Auf Einladung von Bürgermeister Stefan Korpan schätzen Experten das Vorhaben von Marvel Fusion ein - das Startup aus München will sich in Penzberg niederlassen.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

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"Marvel Fusion: Stellungnahme und Beantwortung von Fragen durch Sachverständige", so nennt sich der Tagesordnungspunkt nüchtern. Noch einmal wird sich der Penzberger Stadtrat in diesem Jahr mit dem Wunsch des Münchner Start-ups beschäftigen, sich im Nonnenwald anzusiedeln. Das Medieninteresse an dem Projekt ist groß. Schließlich spricht die Firma von einer "Technologieführerschaft in Penzberg". Ziel ist, preisgünstige, allzeit verfügbare und vor allem kohlendioxidfreie Energie zu produzieren mittels laserbasierter Kernfusion. Etwas, was noch niemand geschafft hat. Weshalb das Bayerische Fernsehen am Mittwoch, 16. Dezember, in die Stadthalle kommt, wenn Experten das Projekt beurteilen.

Es ist nicht lange her, da war der Klimawandel und die "Fridays for Future"-Bewegung (FFF) in aller Munde. Weltweite Proteste vor allem junger Menschen brachten Politiker zum Schwitzen. Dann kam Corona, die Pandemie überschattet seither alles, der Kampf der Klimaschützer geriet ins Hintertreffen. In Penzberg hat sich inzwischen die FFF-Ortsgruppe aufgelöst. Dennoch bleibt der Klimawandel eines der drängendsten Probleme. Einen Beitrag zur Lösung leisten möchte Marvel Fusion. Geforscht werden soll im Nonnenwald. Dort möchten die Münchner die letzte Industriefläche in städtischem Besitz kaufen. Dem Vernehmen nach für gut sieben Millionen Euro. Geplant sind zwei Bauabschnitte: Erster Schritt ist die Errichtung einer Laserversuchsanlage mit Namen Proxima. Dort will die Firma so lange mit Hochleistungslasern sogenannte Targets beschießen, bis der Prozess stabil ist und Strom ins Netz eingespeist werden kann. Dann folgt als zweiter Schritt der Bau eines Kraftwerk-Prototyps namens Antares.

Eine Investitionssumme von mehreren Milliarden Euro steht im Raum. Im Mai 2021 sollte Spatenstich für Proxima sein - mit Betonung auf "sollte". Denn in Penzberg ist man noch lange nicht so weit, sich mit den Plänen anzufreunden - zumindest in einigen Kreisen. Marvel Fusion und die Stadt Penzberg hatten angeboten, dass Bürger Fragen zum Projekt stellen können. Zu finden sind sie samt Antworten auf der Homepage Penzbergs. Inzwischen sei es ruhig geworden, teilt Britta Weddeling, Pressesprecherin bei Marvel Fusion, mit. Das bestätigt das Rathaus. Dort warte man noch auf das "Abarbeiten zweier Anfragen", heißt es. Mehr sei nicht mehr reingekommen.

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Anders sieht das unter anderem das Aktionsbündnis Klimaschutz. Es teilt mit, dass seine Mailboxen seit der ersten öffentlichen Präsentation im Oktober volllaufen würden. "Etwa ein Dutzend Bürger tauscht sich hier intensiv aus über die Chancen und Risiken der Ansiedlung des Münchner Start-ups", schreiben Konrad Kürzinger und Klaus Jäger vom Aktionsbündnis. Mehr Zeit bis zu einer Entscheidung fordern die Grünen und Penzberg Miteinander.

Öffentlich ins Spiel brachte die frühere Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) kürzlich den Vorschlag von Dietmar Ahl, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerkreises Oberland, und dem promovierten Quantenphysiker Karsten Kemeter. Beide Penzberger würden ihre berufliche Expertise in den Dienst der Stadt stellen und den Stadtrat beraten. Allerdings sind sie nicht erfreut, dass ihr Engagement in die Öffentlichkeit drang. Sie wollten im Hintergrund bleiben. Man wolle sich nicht in den Dienst einer Person oder einer Partei stellen, sagt Ahl auf Nachfrage. Diese Woche trafen sich die beiden mit Bürgermeister Stefan Korpan (CSU), um ihr Konzept vorzustellen. Korpan möchte den Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung am Mittwoch abstimmen lassen, ob Ahl und Kemeter als Berater ans Werk gehen sollen.

Zur Sitzung hat Korpan Experten eingeladen, die die Entscheidungsfindung erleichtern sollen: Professor Reinhard Kienberger von der TU München. Er leitet seit 2003 den Lehrstuhl für Laser- und Röntgenphysik; Professor Hartmut Zohm vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik; Ursula Kastl, ehemals Strahlenbeauftragte beim Pharmaunternehmen Roche. Sie kommt auf Empfehlung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.

Das Zaudern in Penzberg bringt derweil die Entscheidungsträger bei Marvel Fusion in Bedrängnis. Man brauche Planungssicherheit, sagt Geschäftsführerin Heike Freund. Das möglichst bald. Das Start-up wird sich noch in Geduld üben müssen. Eine endgültige Entscheidung soll es in der Januar-Sitzung geben. Dann ist das Bayerische Fernsehen wieder mit dabei.

© SZ vom 11.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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