Süddeutsche Zeitung

Bad Tölz:Gas geben beim Nahverkehrsplan

Fridays for Future und Grüne Jugend machen vor dem Landratsamt Druck für bessere Bus- und Bahnverbindungen

Von Petra Schneider

Die Jungen wollen dranbleiben: "Die Klimakrise schläft nicht, nur weil wir eine Pandemie haben", sagt Sarina Haushofer. Die 16-jährige Schülerin des Hohenburger Gymnasiums hat deshalb mit ihren Mitstreitern der Tölzer Fridays for Future-Gruppe (FFF) am Montag eine Mahnwache vor dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen organisiert, während die Mitglieder des Umwelt- und Verkehrsausschusses über den Nahverkehrsplan diskutieren. Sie ist ein bisschen enttäuscht, dass nur zehn Leute gekommen sind, darunter auch Mitglieder der Grünen Jugend, mit denen die FFF-Gruppe vernetzt ist. Trotzdem: Sie wollen Druck machen. "Wir hoffen, dass der Nahverkehrsplan umgesetzt wird", sagt Haushofer. Das sei zwar teuer, "aber Geld, das gut investiert ist". Die Akzeptanz des ÖPNV werde nur steigen und die Verkehrswende gelingen, wenn Busse regelmäßiger fahren und sinnvoll angebunden seien, "und zwar nicht nur Richtung München".

Der Nahverkehrsplan sieht unter anderem vor, dass in Ortschaften mit mehr als 900 Einwohnern ein Halbstundentakt gilt, in kleineren immerhin ein Stundentakt. "Das Ziel muss sein, dass Führerschein und eigenes Auto bis 2035 obsolet sind", sagt Jakob Koch, Sprecher der Grünen Jugend und Kreisrat. Die jungen Leute haben Banner vor dem Landratsamt ausgelegt: "Für unsere Zukunft", steht darauf, oder "Verkehrswende jetzt - Bus und Bahn statt Autowahn." Aus einem Lautsprecher ertönt "Wind of Change" von den Scorpions. Die Teilnehmer, manche erst 15, 16 Jahre alt, hoffen, dass die Ausschussmitglieder drinnen den Nahverkehrsplan weiter auf den Weg bringen, der dann im Juli im Kreistag beschlossen werden soll. Denn zurzeit ist die Situation nicht gut; weder für das Klima, noch für Leute ohne Auto auf dem Land. Wenn er von seinem Wohnort Beuerberg nach Tölz wolle, "geht die Reise über München", erzählt Koch. Das Hin- und Rückticket Beuerberg-München kostet jedes Mal 13,40 Euro - zu teuer, findet der 22-jährige Lehramtsstudent. Linus Braun von der FFF-Gruppe findet es gut, dass mit dem Nahverkehrsplan nun endlich konkrete Maßnahmen geplant sind. "Wir wollen mit den Verantwortlichen zusammenarbeiten und nicht nur abstrakte Forderungen stellen", sagt er. Cassian Dietl lobt Landrat Josef Niedermaier (FW), weil der sich für den Nahverkehrsplan einsetze.

Der Landrat schaut vor der Sitzung kurz vorbei. "Schön, dass jemand mal ausnahmsweise nicht wegen Corona demonstriert", sagt er. Über die Fortschreibung des Nahverkehrsplans werde seit fünf Monaten intensiv diskutiert. Die Mittel, die der Landkreis jedes Jahr für den ÖPNV ausgebe, seien von 1,5 Million auf drei Millionen gestiegen und werden wohl, je nachdem, wo welche Taktverdichtung und Erweiterungen gebilligt werden, auf drei bis fünf Millionen steigen. Auch der Freistaat habe "richtig Gas gegeben": Die Schnellbuslinien Starnberg-Wolfratshausen-Deisenhofen und Starnberg-Wolfratshausen-Bad Tölz seien in der Ausschreibung. Der Alpenbus, der die Verbindung in Ost-West Richtung verbessern soll, komme allerdings frühestens in zwei Jahren. Dass der Südlandkreis, bislang RVO-Gebiet, in den MVV aufgenommen wird und dann einheitliche Tarife gelten, sei auf den Weg gebracht.

Zur Mahnwache vor der Kreisbehörde hat sich auch Inge Friedl gestellt. "Aus Solidarität", wie die Oma von zwei der Klimaaktivisten sagt. "Ich finde es wichtig, dass sich die jungen Leute engagieren". Klimaschutz betreffe alle, Junge und Alte, so Friedl.

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Quelle:
SZ vom 27.04.2021
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