Die Differenzen zwischen der Agenda Kultur und der Kommune schienen geglättet. Doch für Christian Kohn ist der Umgang der Gemeinde mit dem Denkmal für Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, nach wie vor unangemessen: "Es entspricht nicht dem, was er sich selbst gewünscht hat", sagt der Sprecher der Agenda Kultur.
Am Dorfplatz soll eine originalgetreue Replik des Sketchs "Herren im Bad" entstehen. Die 1,60 Meter lange, 95 Zentimeter breite und 76 Zentimeter hohe Badewanne ist aus Granit gefertigt, die Büsten aus Bronze. Aus den Mündern der Figuren soll abwechselnd Wasser spritzen - Symbol für den Dialog zwischen beiden. Offiziell wird die Kommune das Denkmal am Dorfplatz an diesem Sonntag, 30. Juli, einweihen.
Seine Ansicht hat Kohn kürzlich nach einer Sitzung der Agenda Kultur bekräftigt. Schon zu Lebzeiten habe sich der 2011 verstorbene Münsinger Ehrenbürger Loriot Gedanken über ein mögliches Denkmal gemacht. Eine ionische Säule mit einem Knollennasenmännchen an der Spitze sollte es Kohn zufolge sein. Doch der Gemeinderat habe die Idee des Münsings Kämmerers Hubert Kühn mit der Badewanne und dem Sketch "Herren im Bad" aufgegriffen und beschlossen.
Es sei demokratisch entschieden worden. Doch decke sich das eben nicht mit der Intention des zu Ehrenden selbst, erklärt Kohn. Die sei beiseite gewischt worden. "Ich finde schade, dass das nicht in breiterer Diskussion behandelt wurde." Allerdings hat Dritter Bürgermeister Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland) stets betont, bei den Planungen für das Denkmal eng mit der Familie abgestimmt zu haben.
Agenda-Kultur-Mitglied Klaus Ulrich Spiegel hatte das jetzige Denkmal vor rund eineinhalb Jahren als Kitsch kritisiert. Jetzt spricht Kohn obendrein von einer wenig originellen Idee. Denn ein Brunnen mit Bronzebüsten von Dr. Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner in einer Badewanne aus Granit stehe bereits vor einem Auktionshaus in Bernstorf bei Freising. "Das ist also schon ein alter Hut."
In seiner Kritik geht Kohn noch über die Diskussion über das Loriot-Denkmal hinaus. Für ihn stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der Bürgerbeteiligung. Vor mehr als zehn Jahren war Kohn Sprecher der Projektgruppe, die Ideen für die Neugestaltung des Dorfplatzes entwickelte - auch der damalige Bürgermeister Franz Ertl sei Mitglied gewesen. In Abstimmung mit der Kommune habe es einen kleinen Architektenwettbewerb gegeben. Auf der einstigen Brachfläche sei eine Magerwiese angelegt worden. Das Bushäuschen mit Kanal- und Stromanschluss für Vereinsfeste sei gebaut worden. Der Quellstein - dieser wird durch das Loriot-Denkmal nun ersetzt - gehörte ebenso dazu. Doch mit keinem der Mitglieder der damaligen Projektgruppe zur Dorfplatzgestaltung habe die Kommune den Dialog gesucht. "Ich hätte es angemessen gefunden, unsere Meinung einzuholen", sagt Kohn.