Schnell noch das neue Seidentuch zurechtzupfen oder den ziemlich kurzen Rock glätten und die neuen hochhackigen Winterstiefel mit übereinander geschlagenen langen Beinen in Szene setzen. Sitzt die Frisur? Läuft der Lippenstift auch nicht in den Mundwinkeln zusammen? Sieht jeder in der Reihe das neue Täschchen?

Wie die erwartungsvollen Zuschauerinnen, darunter erstaunlich viele junge, in der ausverkauften Loisachhalle bei der Modenschau des Werbekreises später erfahren werden, gehört so ein Tascherl genauso zum "Musthave" in dieser Wintersaison wie Leo und Schlange.
"So voll war die Loisachhalle immer bei Modenschauen", stellt eine betagte Wolfratshauserin zufrieden fest und reckt den Hals, um einen Blick auf Frederik Holthaus bei seiner kurzen Begrüßung zu erhaschen. Schließlich könnte der Werbekreis-Chef wegen seiner ranken Figur und seines perfekten Haarschnitts selbst ohne weiteres modeln. Das tut er aber nicht, sondern verkündet freudestrahlend, dass die an diesem Mode-Event beteiligten Kaufleute eine professionelle Modelagentur beauftragt hätten.
Auch moderiert nicht wie sonst meistens der in der Region omnipräsente Hans Ketelhut, alias Bayern-Hans, sondern "die wunderbare, reizende Natascha Zillner, bekannt aus Funk und Fernsehen", wie Holthaus sie ansagt. Das macht "die liebe Natascha" ganz prima, überlässt die Show aber dem Modelteam aus jungen Frauen und Männern, die auch ganz passabel tanzen können.
Doch über den Laufsteg staksen keine finster schauenden zaundürren und ellenlangen Models, sondern bewegen sich gut gewachsene, junge und frische Kleider-, Schuhe- Taschen- oder Unterwäsche-Vorführerinnen, die Beifall und zustimmendes Nicken bei manchen Outfits mit einem netten Lächeln quittieren und dies auch behalten, wenn eine kurze Beine machende Siebenachtel-Schlabberhose oder eine dick machende mausgraue Strickweste bei vielen Zuschauerinnen Kopfschütteln hervorruft. Sein Urteil über die Mode der Saison gibt ein älterer Wolfratshauser gleich in der ersten halben Stunde allen in seiner Sitzreihe deutlich bekannt: "Grau, Schwarz und Lila - sonst nix?"
Trotzdem steigt die Stimmung. Immer wieder rauscht im Publikum Beifall auf. Unter den geschätzten zwanzig anwesenden männlichen Zuschauern auch Bürgermeister Helmut Forster. Ist er an Mode interessiert? Bei dieser Frage ringt er sich ein verbindliches Lächeln ab und sagt: "Mei, ja, scho." Aber bei der ersten Modenschau in der wiederhergestellten Loisachhalle müsse er sich einfach zeigen, meint Forster. Schließlich handle es sich um ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis. Später verliert sich seine Spur.
Die restlichen männlichen Zuschauer harren aus und entfachen ein Blitzlichtgewitter beim heimlichen Höhepunkt einer jeden Modenschau: Dessous. Und hier kommen Schlange und Leo ins Spiel. Leo steht für das Leopardenmuster, das auf Corsagen und sparsam geschnittene Höschen gedruckt ist sowie auf Nachtwäsche, Taschen oder Tücher. Der Rest ist wirklich grau, schwarz, lila. Nur auf der Skipiste darf's ein wenig bunter zugehen und bei den Abendroben und den Trachtengewändern.
Zehn Euro Eintritt hat der Werbekreis verlangt. Das Geld lässt sich aber einlösen in den 13 beteiligten Geschäften. Und das sind Boodevaar, CBR Companies, Constance Vollmer Wäsche, Festmodenhaus, Friseur Vier Haareszeiten, Fischer-Pflügl, Fotostudio Dörr, Isar-Kaufhaus, Leder Tausend, Maskottchen, Schuhmoden Meiller, Optik Emberger und Sport Dirrigl. Diese 13 Ladenbesitzer teilen sich die Kosten der Show. "Gefällt die aktuelle Kollektion?" fragt die Moderatorin. Ein langgezogenes Ja kommt artig zurück.