Seitdem das Unternehmen Uniper zur Sanierung am Loisach-Isar-Kanal (LIK) Bäume hat roden lassen, dürfte die Stimmung unter manchen Anwohnern und Teilen des Wolfratshauser Stadtrats am Boden sein. An der Sohle der sogenannten Kanalaufweitung östlich angrenzend an die Geltinger Kurve ist nun ein Versuch angelaufen. Uniper hat diesen Teilabschnitt auf Höhe des Wertstoffhofs mit etwas Wasser anfüllen lassen. Darauf kann ein Ponton schwimmen. Die mobile Arbeitsplattform soll zum Einsatz kommen, um die beste Methode zum Abdichten des Kanaluntergrunds mit Bentonit zu testen.
Darauf verweist Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel. Mit dem natürlichen Material aus Tongestein will das Unternehmen die Sohle im letzten Kanalabschnitt, der zwischen den Wolfratshauser Stadtteilen Farchet und Waldram zur Isar führt, auskleiden und so gegen Wasseraustritte abdichten. Dafür, wie das am besten technisch gelingen kann, soll laut Reumschüssel der jetzige Probeversuch östlich der Geltinger Kurve Erkenntnisse liefern.
560 Unterschriften liegen für eine Petition gegen die Naturzerstörung am Kanal vor
Mit Befürchtungen, Uniper werde durch die Sanierungsarbeiten die gesamte Vegetation am Kanal zwischen Farchet und Waldram zerstören, hatte die Wolfratshauser Liste vor der Kommunalwahl Stimmung gemacht. Die Gruppierung warb für eine Petition an den Bayerischen Landtag zum Schutz des Lebens- und Erholungsraums und ließ Flyer verteilen.
„Wir haben mehr als 560 Unterschriften gesammelt“, sagt Manfred Fleischer. Der Stadtrat der Wolfratshauser Liste kündigt an, die Petition mit den Namenslisten demnächst offiziell einreichen zu wollen. Als „pure Demagogie“ hatte der damalige Umwelt- und Klimareferent und Grünen-Stadtrat Hans Schmidt das Vorgehen der Gruppierung kritisiert. Ebenso verweist Uniper-Sprecher Reumschüssel darauf, dass der Petition aus Unternehmenssicht jegliche inhaltliche Grundlage fehle.
Zwischen Farchet und Waldram sind laut Uniper keine Rodungen geplant
„Wir hatten schon damals mehrmals erklärt, dass die gesamte Ufervegetation des Loisach-Isar-Kanals zwischen Farchet und Waldram nicht angegriffen, sondern dass nur die Kanalsohle in diesem Bereich mittels Bentonitpulver abgedichtet wird“, teilt Reumschüssel per E-Mail mit. „Es ist also eine Petition gegen angebliche bzw. unterstellte Rodungen, die nie geplant waren und auch nicht stattfinden werden.“
Unterdessen hat das Unternehmen Uniper seit April den Abschnitt in der Geltinger Kurve bis zu einem Pegelstand von einem Meter wieder mit Wasser befüllen lassen. Dort waren im Jahr 2023 die nahe gelegene Gärtnerei Holzer und der Wertstoffhof überschwemmt worden. Auch der Keller des Möbelhauses XXXLutz stand unter Wasser. Als Ursache hatte Uniper undichte Stellen am mehr als hundert Jahre alten Kanal ausgemacht und mit der Sanierung begonnen.
Das Unternehmen ließ Bäume fällen, Buschwerk und andere Vegetation entfernen, um geotextile Dichtungsbahnen, Vlies und Geogitter installieren zu können. Die Dichtungsbahnen sollen verhindern, dass erneut Wasser aus dem Kanal austreten kann. Das Vlies trennt laut Reumschüssel das Schüttmaterial und die Dichtungsbahnen voneinander und schützt so die Dichtungsschicht. „Das Geogitter sorgt für die Lagestabilität, damit die Dichtung nicht nach unten rutscht“, so der Uniper Sprecher. Das Geogitter liege deswegen nur in der Böschung und dem Einbindegraben.
In der Geltinger Kurve ist die Sanierung mit dieser Methode der Vollauskleidung, die vor allem unter Anwohnern große Kritik hervorrief, abgeschlossen. Ebenso sollen geotextile Dichtungsbahnen die Strecke östlich der Kanalaufweitung und Richtung Brücke über die B11 gegen Wasseraustritte abdichten. Dafür läuft laut Reumschüssel derzeit der Voraushub zum Herstellen des Kanalprofils. Eine solche Vollauskleidung schließt der Uniper-Sprecher für den Abschnitt zwischen Farchet und Waldram ausdrücklich aus.
Unter den Brücken an der B11 würde die Sohle mit Bentonitbahnen abgedichtet, die Ufer sollen mit in Beton verklammerten Wasserbausteinen befestigt werden, so Reumschüssel. Für voraussichtlich Ende des Jahres kündigt er an, den Kanal nach Abschluss der entsprechenden Maßnahmen sehr langsam zu befüllen und über die Auswertung von Grundwassermessstellen, Dammbegehungen und weiteren Monitoringmaßnahmen die Dichtigkeit des Gesamtsystems laufend zu überprüfen.



