WolfratshausenStadträte kritisieren Kanal-Sanierung

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Baustelle Loisach-Isar-Kanal: Die Sanierungsarbeiten der Firma Uniper gehen voran, missfallen jedoch vielen Kommunalpolitikern und Anwohnern.
Baustelle Loisach-Isar-Kanal: Die Sanierungsarbeiten der Firma Uniper gehen voran, missfallen jedoch vielen Kommunalpolitikern und Anwohnern. (Foto: Manfred Neubauer)
  • Das Unternehmen Uniper saniert den Loisach-Isar-Kanal nach Überschwemmungen 2023 und hat dafür viele Bäume gefällt, was Anwohner schockiert.
  • Statt hoher Bäume sollen künftig Magerwiesen und nur 1,50 Meter hohe Hainbuchen-Hecken das Landschaftsbild prägen.
  • Wolfratshauser Stadträte befürchten den Verlust des Naherholungsgebiets und massive Schäden an Flora und Fauna.
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Das Unternehmen Uniper lässt den Loisach-Isar-Kanal erneuern. Das Landschaftsbild wird sich ändern, soll aber mithilfe von Magerrasenflächen artenreicher werden. Wolfratshauser Stadträte befürchten den Verlust eines Naherholungsgebiets.

Von Benjamin Engel, Wolfratshausen

Der zwischen 1921 und 1924 errichtete Loisach-Isar-Kanal (LIK) reicht mehr als zehn Kilometer von Beuerberg über Gelting sowie die Wolfratshauser Stadtteile Waldram und Farchet, ehe er in die Isar mündet. Mit seinem Baumbestand und den entlang des Ufers führenden Fuß- und Radwegen zählt der künstlich errichtete Wasserlauf zu den schnell erreichbaren Erholungsgebieten der Flößerkommune.

Als das Betreiber-Unternehmen Uniper im Frühjahr begann, den Bau im Bereich der Geltinger Kurve zu sanieren und dafür viele Bäume fällte, waren viele Anwohner schockiert. Es gründete sich eine Interessengemeinschaft Loisachkanal. Was im folgenden zweiten Bauabschnitt östlich und kanalabwärts der Geltinger Kurve geplant ist, berichteten zwei Projektverantwortliche im Wolfratshauser Stadtrat. Die Befürchtung massiver Schäden an Flora und Fauna konnte das Duo, so sehr es sich bemühte, kaum zerstreuen.

Hintergrund der Sanierungsarbeiten sind starke Überschwemmungen, die im Jahr 2023 auftraten, weil der Kanal undicht geworden war. Laut Roman Töpler von der Sparte Wasserkraft Engineering bei Uniper ist der hundert Jahre alte Kanal sanierungsbedürftig. Im Bereich der Geltinger Kurve seien die entsprechenden Arbeiten weit fortgeschritten. „Wir werden voraussichtlich im nächsten Quartal fertig“, so Töpler.

Der zweite Bauabschnitt folgt von der Geltinger Kurve in östlicher Richtung bis auf Höhe der Bundesstraße 11. Laut Töpler ist geplant, den Kanal mit geotextilen Tondichtungsbahnen auszukleiden und so wasserundurchlässig zu machen. Weil dafür Gebüsch und Bäume gefällt sowie Tiere gestört werden, braucht es einen landschaftspflegerischen Begleitplan. Der Freisinger Landschaftsarchitekt Michael Schober ist mit dieser Arbeit beauftragt.

Seine Aufgabe war es etwa, am Kanal vorkommende Tierarten zu untersuchen – von Reptilien wie der Zauneidechse bis zu Insekten wie Bläulings-Schmetterlingen und brütenden Vögeln – und dann Maßnahmen auszuarbeiten, um die Eingriffe durch die Sanierungsarbeiten zu kompensieren.

Die Bepflanzung mit Magerrasen und Kiesflächen soll das Kanalumfeld artenreicher machen

Das Landschaftsbild am Kanal wird sich ändern. An den Böschungen wollen die Betreiber verschiedene Magerwiesenarten ansäen. Dadurch siedeln sich laut Schober künftig mehr spezialisierte Arten dort an als auf dem viel nährstoffreicheren, einstigen Oberboden mit seinem hochaufschießenden Gras. „Wir meinen, damit einen naturschutzfachlichen Gewinn verzeichnen zu können“, so der Landschaftsarchitekt. Die Wiesen böten auch Lebensraum für Bläulingsarten. Am Rande der Böschungen sollen Kiesflächen angelegt werden, auf denen sich wieder Zauneidechsen ansiedeln können. So bilde sich ein natürliches Gleichgewicht zwischen Reptilien und Insekten, so Schober.

Innerhalb der bestehenden Gehölzflächen brüten im Frühjahr auch viele Vögel. Oberhalb des südlichen Kanalufers wird Uniper laut Schober als Ersatz für die erforderlichen Fällungen Hainbuchen-Heister mit Ästen bis an den Boden in Zweier- oder Dreier-Gruppen pflanzen lassen. „Daraus ergibt sich sofort ein sehr dichter Gehölzbestand“, so der Landschaftsarchitekt. Zugleich könne man in den Hainbuchen eine Gliederung erkennen, anders als bei der früheren durchgehenden Baumreihe. „Das ist ein attraktives Landschaftsbild.“

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Die Kritik zu zerstreuen, gelang Schober im Stadtrat jedoch nicht. Von einer „Heimsuchung“ für Natur und Landschaft sprach Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste). „Den Leuten, die hier wohnen, schmerzen Herz, Augen und Seele, wenn sie sehen, was geschehen ist.“ Unter den dort ansässigen Vögeln und Tieren herrsche Aufregung. Sie seien weiter kanalabwärts geflüchtet. Entsprechend hoch sei dort der Populationsdruck. Dass der Biber die undichten Stellen am Damm mitverursacht haben soll, wie Schober dargestellt hatte, stellte Fleischer infrage. Für ihn habe das Verhalten des Betreibers, den Kanal sehr lange ziemlich trocken fallen zulassen, eher dazu beigetragen.

Befürchtungen mehrerer Stadträte nach ebenso massiven Sanierungsarbeiten im angrenzenden Abschnitt zwischen Waldram und Farchet trat Töpler entgegen. „Dort wird es auf keinen Fall eine große Baumaßnahme geben“, sagte er. Um den Kanal dort abdichten zu können, werde Betonitpulver eingebracht. Das sollte ausreichen.

Nur 1,50 Meter hohe Hainbuchen seien wenig ansehnlich, findet Stadtrat Schmidt

Dass die angepflanzten Hainbuchen-Heister laut Schober brust- beziehungsweise kopfhoch geschnitten sein sollen, damit sich die Magerwiesen mit einem Mäharm besser pflegen lassen, erregte zusätzliche Kritik. Statt zehn bis elf Meter hohe Bäume werde nur noch eine um die 1,50 Meter hohe Hecke wachsen, sagte Grünen-Stadtrat und Umweltreferent Hans Schmidt. Das sei einfach nicht ansehnlich. „Das hat nicht einmal Alleecharakter.“ Seine Fraktionskollegin Jennifer Leyton mahnte an, dass die Bäume wichtige Schattenspender für die Wege entlang des Kanals seien, auf denen es im Frühjahr und Sommer heiß werde.

Noch offen ist, ob wegen der geringen Niederschläge in diesem Jahr mögliche Eingriffe im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet der Pupplinger Au nötig werden. Laut Schober ist dort wenig Wasser angekommen, das bedrohe die dort vorkommenden Fischarten. Um genügend Wasser hinzubringen, müssten Schreitbagger kleine Linien aufgraben. Er hoffe, dass wegen der neuerlichen Niederschläge keine Eingriffe in die Kiesflächen mehr nötig seien.

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