Die massive Kritik an der geplanten Deichsanierung und damit zusammenhängenden Baumfällungen am westlichen Wolfratshauser Loisachufer hat Wirkung gezeigt. „Die Frage des Stadtbilds ist zu kurz gekommen“, räumte Andrea Kröner in der Ferienausschusssitzung des Wolfratshauser Stadtrats ein. „Wir müssen nacharbeiten“, so die für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zuständige Abteilungsleiterin im Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Ihre Behörde werde genau prüfen, welche Bäume aufgrund der Sanierung tatsächlich zu fällen seien und welche erhalten werden könnten. Die Kritik an der unzureichenden Kommunikation über die Maßnahme sei gerechtfertigt, sagte Kröner.
Zeitgleich mit dem Bau des Sebastiani-Stegs ließ die Stadt Wolfratshausen gegen Ende der 1980er-Jahre die Deichanlage zwischen der Andreas- und der Johannisbrücke errichten. Auf der 300 Meter langen Strecke stellte das Weilheimer Wasserwirtschaftsamt bei Kontrollen im Herbst 2025 unter anderem Schäden durch Bibergänge fest. Dadurch könnte der Deich bei Hochwasser leckschlagen, was eine Sanierung notwendig macht.
Am davon betroffenen Abschnitt des Loisachufers stehen laut Kröner 41 Bäume. Bislang sollten nach den Planungen des Wasserwirtschaftsamts auf der Strecke zwischen der Andreasbrücke und dem Seilergassl alle gefällt werden. Die Behörden wollten aus Gründen der Standsicherheit und heutiger Norm-Vorgaben nur noch Rasen ansäen. Nur im südlichen Teil waren Nachpflanzungen vorgesehen. Erst Anfang August hatte das Wasserwirtschaftsamt öffentlich informiert und Anwohnern Flyer in den Briefkasten werfen lassen.
Das Wasserwirtschaftsamt werde insbesondere die Auswirkungen auf das Landschafts- und Stadtbild prüfen lassen, sagte Kröner jetzt im Ausschuss des Stadtrats. Zudem werde die Behörde untersuchen, ob sich Bäume auf der Deichkrone nachpflanzen ließen. Denn der Deich sei höher gebaut, als es nach aktuellen DIN-Anforderungen erforderlich sei. In jedem Fall plant das Wasserwirtschaftsamt am westlichen Loisachufer große Steine zu setzen, die etwa 40 Zentimeter aus der Wasserlinie herausragen werden. So soll die Böschung auf der Flussseite dicht bleiben und der Biber keine Chance mehr haben, sich einzunisten.
„Wir wünschen uns, dass die ökologische Seite Priorität hat“
Unstrittig ist, dass die Sanierungen erforderlich sind, um die Standfestigkeit des Deichs zu erhalten. Nur der geplante Umfang steht in der Kritik. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) sieht einen „Zielkonflikt“ zwischen dem Erhalt der Altstadt-Silhouette, dem Natur- und Hitzeschutz und den Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamts, wie er in der Sitzung sagte. „Wir wünschen uns, dass die ökologische Seite Priorität hat“, so der Stadtrat. Es dürfe kein Baum mehr als notwendig fallen und keinen Wasserbau aus dem 19. Jahrhundert geben, als mäandernde Flüsse in enge Betten gezwängt wurden. In München hätten die Behörden mit der Umgestaltung der Isar die Neuzeit betreten; das brauche es auch in Wolfratshausen, so Fleischer. Seinen Vorschlag einer abschnittsweise naturnäheren Hochwasserschutzsicherung versprach Kröner zu prüfen. Eingeschlossen werden soll auch die Errichtung von Sitzstufen.
Anhand alter Unterlagen – einem Bebauungsplan für die Altstadt von 1972 und zum Bau des Sebastiani-Stegs – verwies der Dritte Bürgermeister René Beysel (Grüne) auf den Willen der Stadt, den ortsbildprägenden Baumbestand zu erhalten und zu pflegen. Seine Überlegung, wonach der Damm womöglich kein offiziell definierter Deich ist, für den die Vorgaben nicht gelten, verneinte Kröner.
Wann das Wasserwirtschaftsamt wen über welchen Umfang an Maßnahmen informiert habe, wollte Patrick Lechner (FDP) von der Behördenvertreterin wissen. Laut Kröner hat die Behörde im Herbst 2025 die Stadt Wolfratshausen nur darüber informiert, dass der Deich Schäden aufweist. Art und Umfang von Sanierungsmaßnahmen seien damals kein Thema gewesen.
„Der Hochwasserschutz ist alternativlos“, sagte Ulrike Krischke, Fraktionssprecherin der Bürgervereinigung. Gleichzeitig habe das Loisachufer einen hohen Stellenwert als Naherholungsfläche für die Wolfratshauser Bevölkerung. Das Wasserwirtschaftsamt müsse dies bei seinen Planungen genauso wie den Hitzeschutz mitdenken. Die kurzfristige Informationspolitik habe das Vertrauen in die Behörde und die Stadtpolitik nicht gestärkt. Kröner räumte ein, dass das Wasserwirtschaftsamt die Planungen im Stadtbereich offensiver kommunizieren müsse.


