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Literatur in Geretsried:Leer geliehen

Büchereileiter Björn Rodenwaldt will das Haus an der Adalbert-Stifter-Straße Zug um Zug modernisieren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Stadtbücherei Geretsried gestaltet die Abteilungen für Belletristik und Krimis um. Das Publikum war dazu aufgerufen, so viel wie möglich mitzunehmen - und hat dies weidlich genutzt

Von Felicitas Amler

Handschellen? Pistolen? Ein riesiges Messer, von dem Blut tropft? Noch kann die Kundschaft der Stadtbücherei sich nur ausmalen, wie der Krimi-Bereich des Hauses an der Adalbert-Stifter-Sraße wohl künftig aussehen wird. Büchereileiter Björn Rodenwaldt verrät lediglich soviel: Die Farben Schwarz und Rot werden dominieren, und es werden Piktogramme zu sehen sein, die eindeutige Assoziationen zum Genre wecken. Die Stadtbücherei wird weiter umgestaltet. Aktuell bekommen die Abteilungen Krimis und Belletristik ein neues Aussehen. Die Kosten liegen bei 68 000 Euro; die Hälfte trägt die Stadt, der Rest ist staatliche Förderung.

Rodenwaldt hat die kommunale Bibliothek vor fünf Jahren übernommen und sie seitdem Schritt für Schritt modernisiert. Vom Thekenbereich bis zur meist frequentierten Abteilung, den Kinder- und Jugendbüchern, wurden in einem einheitlichen Stil funktionale und bequeme Möbel angeschafft, Schmökerecken geschaffen und Bestände revidiert. Die 10 000 Kinder- und Jugendbücher wurden Stück für Stück durchgesehen, aussortiert und um Neues erweitert. Im Untergeschoss des 1600 Quadratmeter umfassenden Hauses wurde ein Gaming-Raum mit Spielekonsolen und einer Virtual-Reality-Brille eingerichtet. Es gibt offenes Wlan in der Geretsrieder Bücherei, dazu neben Sitzsäcken und Ohrenbackensessel eine "Sound Shower" zum ungestörten Musikhören, und vor Corona wurden regelmäßig Abende für Karten-, Brett- und Rollenspiele angeboten. Wer sich Bücher ausleihen möchte, ohne direkten Kontakt mit einer Mitarbeiterin zu haben, kann eine Neuerung erproben: die elektronische Selbstverbuchungsanlage. Dort werden Medien mittels Chip eingelesen und automatisch auf der Nutzerkarte registriert. Die Rückgabe funktioniert genauso.

"Treffpunkt für Kultur"

Rodenwaldt möchte die Bücherei "zu einem Treffpunkt für Kultur, Kommunikation und Lebensqualität, möglichst ohne Barrieren jedweder Art" ausbauen. Alle sollen hier willkommen sein, sagt er: "Kinder, Senioren, fremdsprachige Menschen und Auswärtige." Zielgruppe der aktuellen Veränderung in den Bereichen Belletristik und Krimis sind vor allem die Erwachsenen.

Die Belletristik bekommt denselben Look wie die Kinder- und Jugendabteilung - Möbel aus Eiche furniert, weiße Wände mit breiten bordeauxroten Streifen. Der Krimi-Sektor wird mit schwarzen Regalen mit "blutroten Rückwänden" ausgestattet, wie Rodenwaldt erklärt. Die etwa 8000 Bücher aus den beiden Ressorts sind bereits in ökologisch schonende, weil mehrfach verwendbare Leihkisten verstaut, die sich im Gaming-Raum stapeln.

Wie erfolgreich Rodenwaldts Bemühungen um eine attraktive Bücherei sind, zeigt die Zahl der Besucherinnen und Besucher, die stetig steigt. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 57 000. In Ausleihen ausgedrückt heißt das: Es gibt nicht wenige Tage, an denen mehr als tausend Medien über die Theke gehen, 600 bis 700 seien "Standard", so der Leiter. Mit Blick auf die aktuelle Räumaktion hatte die Bücherei dazu aufgerufen, sie leer zu leihen - das sonst geltende Limit war aufgehoben, man konnte bis zu hundert Medien mitnehmen. Das sei durchaus von einigen genutzt worden; mit vierzig, fünfzig Medien seien jedenfalls viele rausgegangen, sagt Rodenwaldt.

Öffnungszeiten während des Umbaus (bis 22. Dezember): Dienstag 10 bis 14 Uhr, Donnerstag 12 bis 16 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr. www.geretsried.de/stadtbuecherei

© SZ vom 24.11.2020
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