Listenmandate ausgewertet Aus zwei mach vier

Hans im Glück: Biobauer Urban hat ein Listenmandat der Grünen im Landtag erhalten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Stimmkreis Tölz-Wolfratshausen-Garmisch ist künftig nicht mehr nur mit Martin Bachhuber (CSU) und Floran Streibl (FW) im Landtag vertreten. Auch Hans Urban (Grüne) und Anne Cyron (AfD) erhalten ein Mandat

Von Konstantin Kaip und Klaus Schieder

Der Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-Garmisch stellt im Landtag künftig vier Abgeordnete: Neben Martin Bachhuber von der CSU und Florian Streibl von den Freien Wählern haben Hans Urban (Grüne) und Anne Cyron (AfD) Listenmandate erhalten. Bachhuber und Streibl treten ihre dritte Legislaturperiode in Folge an. Die vier werden sich spätestens am 5. November im Münchner Maximilianeum bei der konstituierenden Sitzung des Landtags zum ersten Mal begegnen.

Hans Urban, der im Stimmkreis 20,8 Prozent der Erststimmen erhielt, rutschte auf der Liste seiner Partei von Platz 36 auf Rang 16 vor und bekommt so eines der insgesamt 17 Mandate, das den Grünen für Oberbayern zusteht (fünf Direkt- und zwölf Listenmandate). Am Dienstagabend, als im Landeswahlausschuss noch die Sitzvergabe errechnet werden musste, war Urban gelassen. "Es fiebern alle mehr als ich", sagte er über die anderen Listenkandidaten der Grünen. Er selbst habe den Abend auf seinem Packlhof in Oberherrnhausen verbracht. "Ich war draußen unterwegs, habe die Tiere gefüttert und meine ganz normale Arbeit gemacht." Per Anruf seiner Parteikollegen erfuhr er gegen 18.30 Uhr, dass er zwischenzeitlich auf der Liste deutlich vorgerückt war. Dass er eine gute Chance auf eine Mandat hat, habe er schon am Montag an seinen Erststimmen gesehen, sagt Urban. "Wir haben ein Ergebnis auf Münchner Stadtniveau eingefahren. Das prädestiniert einen schon."

Insgesamt konnte Urban 22.028 Gesamtstimmen erzielen, darunter 3047 Zweitstimmen aus anderen Stimmkreisen. "Bei so was hilft ein guter Stimmkreis und eine gute Verwandtschaft", sagt er dazu. Nach der finalen Auszählung des Landeswahlleiters am späten Dienstagabend sei der Dritte Landrat und Parteifreund Klaus Koch der erste gewesen, der ihm einen Gratulationsbesuch abgestattet habe, so Urban.

Mit einem Sitz im Maximilianeum hatte er am Sonntag auf der Wahlparty der Grünen in seinem Heimatort noch nicht gerechnet. "Statt Landtag gibt's immer was anderes", hatte der Eurasburger Gemeinderat erklärt. Vielleicht werde er Zither lernen oder den Jagdschein machen. "Den Jagdschein werde ich hinten anstellen müssen", sagt er nun. Auf der Zither, die er von seinen drei Söhnen geschenkt bekommen habe, wolle er jedoch zumindest im Winter ein bisschen üben.

Martin Bachhuber, der für die CSU zum dritten Mal per Direktmandat in den Landtag zieht, erzielte 37.335 Gesamtstimmen. Mit drei Tagen Abstand bezeichnet er das Wahlergebnis zwar immer noch als ernüchternd, aber er sieht inzwischen auch Tröstliches darin. Unter den oberbayerischen Kandidaten der CSU fuhr er das fünftbeste Ergebnis ein, "obwohl fünf Minister, wie ich glaube, vor mir lagen", der Stimmkreis habe mit etwa 74.500 Stimmen für die CSU am besten abgeschnitten. "Wir sind mit einem großen blauen Auge davongekommen", resümiert Bachhuber. Dennoch müsse das Ergebnis nun genau analysiert werden, unter anderem auf die Wählerwanderungen hin. Die Arbeit im Landtag dürfte schwieriger werden, weil die CSU jetzt einen Koalitionspartner hat, voraussichtlich die Freien Wähler. "Ob wir Entscheidungen schneller über die Bühne bekommen, bleibt abzuwarten", sagt Bachhuber. Zum einen ist er überzeugt, dass die Koalition in Bayern von einem "besseren und gedeihlicheren Miteinander" geprägt sein wird als die Große Koalition in Berlin. Dabei dürfe die CSU allerdings nicht um des lieben Friedens willen ihr eigenes Programm aus den Augen verlieren.

Die mit Abstand meisten Stimmen holte jedoch Florian Streibl von den Freien Wählern. Er kommt auf 73.095 Gesamtstimmen, 59.908 davon sind Zweitstimmen aus anderen Stimmkreisen. Der Oberammergauer nahm am Mittwoch an den Sondierungsgesprächen mit der CSU teil, als einer von sieben Delegierten der Freien Wähler. Wie da gerade der Stand der Dinge sei? "Dazu darf ich nichts sagen", erwidert Streibl in einer Pause und lacht. Dem 55-Jährigen, der als bodenständig gilt, werden durchaus Chancen auf einen Ministerposten nachgesagt. Aber auch dazu mag er sich nicht äußern. In den nächsten Tangen entscheide sich ja überhaupt erst, ob es zu Koalitionsverhandlungen kommt, sagt er.

Und selbst wenn, seien noch viele Hürden zu nehmen wie etwa Parteitage. "Wir sind erst mal froh, dass wir im Landtag drin sind", sagt Streibl. Mit acht Abgeordneten hätten die Freien Wähler in Oberbayern ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

Anne Cyron rückte mit 15.141 Gesamtstimmen (davon 6993 Zweitstimmen) vom 22. auf den sechsten Platz ihrer Liste vor und bekommt so eines von sechs oberbayerischen Mandaten für die AfD. Sie war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen.

Insgesamt bekommt die CSU im Landtag 85 Sitze, 38 bekommen die Grünen, 27 die Freien Wähler; je 22 gehen an SPD und AfD, die FDP erhält elf. Kommentar