Öffentlicher PersonennahverkehrDer X-Bus kommt in Fahrt

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Die Expresslinie zwischen Bad Tölz und Starnberg wird von rund 2000 Passagieren täglich genutzt. Als Ersatz für die seit Jahrzehnten erwartete S-Bahn nach Geretsried sieht Bürgermeister Müller sie nicht.

Von Felicitas Amler, Benjamin Engel und Klaus Schieder, Bad Tölz-Wolfratshausen/Starnberg

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Skeptiker der vor einem guten Jahr gestarteten neuen Buslinie X 970 sind inzwischen eines Besseren belehrt: Der Expressbus kommt durchaus in Fahrt. Die Anzahl der durchschnittlichen Passagiere hat sich auf 2000 verdreifacht. Das meldet das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Besonders seit dem vergangenen Sommer sei die zwischen der Kreisstadt Bad Tölz und Starnberg verkehrende Linie deutlich beliebter geworden. Für diese Bilanz wurden die Fahrgastzahlen an einem durchschnittlichen Werktag mit Schulbetrieb ausgewertet.

Ob der X-Bus mittelfristig eine Alternative zum Ausbau der S-Bahnlinie 7 bis Geretsried sein kann, der auf unbestimmte Zeit verschoben wurde? Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU) sagt dazu nach wie vor Nein. Wer den gerade in Geretsried dramatisch angestiegenen Verkehr auf der Straße reduzieren wolle, müsse auf die S-Bahn setzen, so Müller. Allerdings mahnt er dringend eine Entscheidung über die S-7-Verlängerung an. Sein Appell richte sich an die bayerische Staatsregierung und die Deutsche Bahn. Diese müssten gemeinsam die rechtlichen und finanziellen Lösungen schaffen. Und zwar "nicht in Jahren oder Jahrzehnten", so Müller, sondern sehr rasch.

"Entscheidend für gute Mobilität"

Die im Dezember vor einem Jahr neu eingeführte Linie X 970 des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) schließt in Starnberg an das S-Bahn-Netz an. Die Busse fahren über Wolfratshausen und Geretsried nach Bad Tölz und zurück. In der Kreisstadt besteht Anschluss an die Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB). Laut einer Fahrgastnachfrage nutzten im Januar dieses Jahres durchschnittlich 600 Fahrgäste die X 970-Busse. Zwischen September und November seien werktäglich mehr als 1900 Personen damit gefahren. Zur Ferienzeit im August seien sogar mehr als 2000 Menschen an Werktagen mit der Buslinie unterwegs gewesen - der damit nutzungsstärkste Monat bislang. "Dass die X 970 innerhalb des ersten Jahres bei unseren Fahrgästen so gut angenommen wird, freut uns enorm", sagt Landrat Josef Niedermaier (FW). "Gerade bei uns im ländlichen Raum ist der Expressbus mit seiner engen Taktung, den direkten Fahrwegen und dem großen Komfort entscheidend für eine gute Mobilität der Bürgerinnen und Bürger."

Bürgermeister Müller sieht zwar auch die bessere Akzeptanz des X-Busses, drosselt aber euphorische Einschätzungen: "So erfolgreich ist er jetzt auch noch nicht." Der Express sei eine gute Ergänzung der Buslinien, er könne aber die S-Bahn nicht dauerhaft ersetzen. Nur die S-Bahn könne "das Rückgrat" eines künftigen Konzepts für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis sein. Wer die Verkehrswende ernst nehme und "die Straßen leerer kriegen" wolle, könne nicht auf Busse setzen. Der über die Bundesstraße 11 durch Geretsried fließende Verkehr steuere in den nächsten zehn, zwölf Jahren von aktuell 32 000 Fahrzeugen täglich auf 50 000 zu. Es habe schließlich keinen Sinn, so Müller, den X-Bus "durch verstopfte Straßen fahren zu lassen".

Im Pendlerverkehr zwischen Wolfratshausen und Geretsried sieht Klaus Heilinglechner (BVW) den X-Bus als ausgezeichnete Alternative zum Auto. "Gerade für junge Leute ist das super", sagt der Wolfratshauser Bürgermeister. "Das ist eine kurze, direkte Verbindung. Für den ÖPNV-Ausbau ist der X-Bus ein guter Schub." Grundsätzlich habe er stets zu dessen Befürwortern gezählt. Anfangs habe er bedauert, dass die Busse oftmals fast leer unterwegs gewesen seien. Daher freue er sich, dass die Verbindung nun angenommen werde. Von einem Ersatz für den Ausbau der S-Bahnlinie 7 von Wolfratshausen Richtung Geretsried will Heilinglechner aber nicht sprechen. Die S-Bahnverlängerung sei ein "zäher Prozess", sagt er. Das liege auch daran, dass so viele Behörden daran beteiligt seien. Gleichzeitig liefen die Planungen weiter. In der Ausbau-Debatte zeichne man aus seiner Sicht ein zu schwarzes Bild. "Wir waren noch nie so weit wie jetzt."

Auch in Bad Tölz gilt der Expressbus als Erfolgsmodell. Die Linie sei für alle Tölzer wichtig, die sich eine schnelle Verbindung nach Geretsried, Wolfratshausen oder Starnberg wünschen, sagt Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair (FWG). Dies gilt vor allem für die Pendler, die in diesen Nachbarstädten arbeiten - oder im Westen von München, wofür sie den S-Bahn-Anschluss in Wolfratshausen benötigen. Vor der Einführung des Expressbusses hätten sie dort selbst sehen müssen, wie sie heim nach Bad Tölz kommen, so Lindmair. Zu den Fahrgästen der neuen Linie gehörte auch der Zweite Bürgermeister schon häufiger. Er fuhr mit dem neuen Bus zu Kreistagssitzungen in Geretsried oder unternahm mit seiner Familie einen Ausflug nach Starnberg. "Das ist schon praktisch", meint Lindmair. Wegen des engen Fahrplantakts müsse man die Nutzerzahlen zwar ein wenig relativieren, entscheidend sei jedoch, "dass sie ständig steigend sind".

Werktags im Zwanzig-Minuten-Takt

Die Expressbuslinie fährt werktags alle 20 Minuten zwischen 5 und 22 Uhr, sonn- und feiertags im 60-Minuten-Takt. An Wochenenden würden die Busse der Linie X 970 ebenso immer stärker genutzt, so das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Statt bei um die 800 Fahrgästen wie noch im Januar habe der Höchstwert im Juli bei 2600 Personen gelegen. Im November seien durchschnittlich mehr als 2100 Menschen an Wochenenden mit den X-Bussen gefahren.

Dass die Fahrgastzahlen so stark angestiegen sind, liegt laut Landratsamt insbesondere an dem zwischen Juni und August gültigen 9-Euro-Ticket. Doch auch nach dessen Ende sei die Nutzung hoch geblieben. Für Landrat Niedermaier zeigt das neue Angebot, dass die Menschen ihr Auto angesichts hoher Spritpreise und knapper Parkplätze stehen lassen und auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen könnten. Auch sein Starnberger Landratskollege Stefan Frey (CSU) wertet die Linie X 970 als erfolgreich. Nach der Auswertung der Fahrgastzahlen komme das Angebot sowohl bei Pendlern als auch bei Freizeitnutzern gut an. "Das freut mich sehr, weil wir damit bei der Auswahl der Linienführung sowie auch der Angebotstaktung Bestätigung finden", so Frey.

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