Süddeutsche Zeitung

Leserbriefe:Schulmediation kann wirklich helfen

Kritik am Sozialausschuss des Geretsrieder Stadtrats.

Zu "Schulmediation braucht mehr Geld" vom 24. November:

Man kann Konflikte unterdrücken, Probleme mit Machtworten vermeintlich lösen. In einer Mediation dagegen werden alle Seiten gehört, es gibt einen fairen, von einem ausgebildeten Mediator begleiteten Prozess, der auf gegenseitigem Respekt aufbauend, eine nachhaltige Regelung auf Augenhöhe ermöglichen kann. Und genau das sollten Schüler lernen und erleben können. Das ist ein Konfliktregelungsmodell, das uns als Gesellschaft gerade in der heutigen Situation mit den vielfältigen Belastungen wirklich helfen kann.

Geretsried hat eine gute Tradition als Integrationsort von vielen Vertriebenen und Flüchtlingen. Geretsried war da einfach anders. Mit dem nun getroffenen Beschluss des Sozialausschusses, den Zuschussantrag für die qualifizierte Mediation der Schulen abzulehnen, versündigt sich die Mehrheit im Ausschuss an dieser bisher erfolgreich gelebten Tradition.

Auf der Homepage der Grünen im Bayerischen Landtag heißt es: "Wir wollen allen Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen ermöglichen - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dabei hat die Kinder- und Jugendarbeit für uns einen hohen Stellenwert. Eine angemessene Finanzierung für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit muss sichergestellt werden." Offensichtlich kennen die Geretsrieder Grünen dieses Programm nicht - oder wie erklärt sich die Ablehnung des Antrags durch sie?

Bernhard Lorenz, Geretsried

Sozialgerecht bauen: München macht's vor

Zu "Ecksteine für ein neues Stadtquartier" vom 29. November:

Dass die Grundsätze der ZoBoN, also der zukunftsorientierten beziehungsweise sozialgerechten Bodennutzung, bei der Entwicklung des Moraltareals zwingend zu befolgen sind, ergibt sich aus der Satzung von 2016: Wenn neues Wohnbauland entsteht, dann erhält die Stadt (mindestens) ein Drittel der Fläche zum Zeitwert vor der Ausweisung als Wohnbauland. Diese Fläche kann die Stadt dann selbst bebauen oder vermarkten, wie z.B. bei der "Zwickerwiese" am Hintersberg. Der Mehrwert fließt der Allgemeinheit zu, zum Beispiel über einen städtischen Wohnungsbaufonds.

Die Stadt kann auf den Eigenerwerb verzichten. Dann soll sie damit aber nicht schlechter fahren als beim Eigenerwerb. Wie das geht, macht die Stadt München vor. Auch dort gibt es zu wenig bezahlbaren Wohnraum und ungenutzte Gewerbeflächen, die umstrukturiert werden. Damit nicht nur die Investoren, sondern auch die einheimische Bevölkerung von der "Umstrukturierung" profitiert, gilt in München das SoBoN-Grundmodell: 60 Prozent geförderter und preisgedämpfter Wohnungsbau mit 40 Jahren Bindungsdauer. Konkret in Mietpreisen gemäß SoBoN 2021: 20 Prozent Wohnraum für zehn Euro pro Quadratmeter Miete, 20 Prozent für 11,50 Euro pro Quadratmeter und 20 Prozent für 14,50 Euro pro Quadratmeter. Zusätzlich bezahlen die Investoren die Planung, die technische und grüne Infrastruktur und einen sozialen Infrastrukturkostenbeitrag von 175 Euro pro Quadratmeter neu geschaffenem Wohnraum.

Gemäß den jetzigen Planungen für den Moraltpark sollen nur 20 Prozent der Wohnungen einen (noch undefinierten) Preisdeckel erhalten. 80 Prozewnt dagegen verbleiben in der freien Vermarktung durch den Investor. Ist (uns) unsere Heimat weniger Wert als in München? Die Tölzer Bevölkerung will Wohnraum - aber zu bezahlbaren Preisen. Das hat sich zuletzt 2018 beim Bürgerentscheid mit mehr als 75 Prozent Zustimmung deutlich gezeigt. Soll sich derselbe Fehler wiederholen? Haben wir nicht schon zu viele hochpreisige Zweitwohn- und Altersruhesitze?

Es gibt keinen Grund, das Münchener Modell - vielleicht mit Mietpreisen, die zwei bis drei Euro pro Quadratmeter niedriger liegen - nicht auch auf Bad Tölz anzuwenden.

Franz Mayer, Bad Tölz

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