Zur laufenden Berichterstattung über ein geplantes Sportgymnasium in Geretsried, darunter „Offene Frage: Wie viel Wald müsste gerodet werden?“ und „Daniel Libeskind entwirft Sportgymnasium für Geretsried“:
Bei den Planungen, Überlegungen und Vor-Entscheidungen zum privaten Sportgymnasium in Geretsried südlich vom Hallenbad hat sich gezeigt, dass viele Bürger und Bürgerinnen dieses Thema und hauptsächlich den vorgesehenen Standort südlich vom Hallenbad offensichtlich anders sehen als die Mehrheit des Stadtrats im Mai dieses Jahres. Mehr als 4700 Bürger und Bürgerinnen – etwa ein Viertel aller Kommunalwahlberechtigten über alle Altersgruppen und gesellschaftliche Schichten verteilt – wollen den Stadtratsbeschluss für diesen Standort stoppen.
Die Unterzeichner des Bürgerbegehrens wollen dabei aber nicht über Quadratmeter gerodete Waldfläche verhandeln oder gar den Erhalt einzelner Bäume diskutieren, sondern diesen gesunden Stadtwald komplett erhalten. Nur wenn er komplett erhalten bleibt, kann er seine vielfältigen Funktionen erfüllen. Das haben auch viele Experten und vor allem der Bund Naturschutz in den vergangenen Wochen immer wieder betont.
Bei der Präsentation des architektonischen Konzepts wurde nun behauptet, die IG Wald hätte im Bürgerbegehren mit falschen Argumenten dramatisiert und zu viel Waldrodung angekündigt. Der für das Sportgymnasium infrage kommende Teil des betreffenden Flurstücks umfasst circa 20 000 bis 22 000 qm oder circa zwei Hektar oder circa drei Fußballfelder. Diese Flächenangaben wurden zur besseren Veranschaulichung in den Medien kommuniziert.
Im Übrigen finde ich es erstaunlich, dass der Architekt zwar Entwürfe erstellt hat, aber nicht sagen kann, wie viel Fläche dafür benötigt wird. Nach meinem Verständnis braucht das Sportgymnasium nicht nur eine Sporthalle, Unterrichtsräume für 9 × 4 Klassen mit circa 700 Schülern, Aufenthaltsräume für circa 60 Lehrkräfte und eine Kantine, sondern auch Verkehrsflächen und Wege zwischen den Gebäuden, Parkplätze und Abstellmöglichkeiten, Zufahrtswege, auch für die Feuerwehr, und nicht zuletzt Sicherheitsabstände zum Baumbestand drum herum – je höher die Bäume, desto größer der erforderliche Abstand. Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, dass man für ein solches Vorhaben mit deutlich weniger Fläche als 20 000 Quadratmetern zurechtkommen kann. Es muss auch einen Grund geben, warum die Stadt dem Initiator genau diesen Standort angeboten hat und keine anderen – die anderen waren vielleicht zu klein …
Genau wegen dieser Debatte ist das Thema Sportgymnasium südlich vom Hallenbad geradezu prädestiniert für einen Bürgerentscheid. Wenn es so viel und so klaren Widerstand gibt, warum soll man dann nicht die Bürger entscheiden lassen? Und wenn der Erste Bürgermeister sagt, dies sei der einzige Standort in Geretsried, der für ein Sportgymnasium geeignet sei, dann macht er den Bürgerentscheid über den Standort zu einem grundsätzlichen Entscheid für oder gegen ein Sportgymnasium in Geretsried.
Thomas Laumont, Sprecher der IG Wald, Geretsried