Pandemie sticht Tradition:Leonhardifahrten fallen erneut aus

Leonhardifahrt Bad Tölz 2018

Im Jahr 2018 trabten die Pferde noch: ein Wagen bei der damaligen Leonhardifahrt in Bad Tölz.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Bad Tölz und Benediktbeuern sagen die Prozessionen in diesem Jahr ab. Der Grund ist wieder die Corona-Pandemie.

Von Klaus Schieder

Die Leonhardifahrt in Bad Tölz fällt auch heuer wegen der Corona-Pandemie aus. Abgesagt ist ebenso die Pferdewallfahrt in Benediktbeuern. Zu diesem Entschluss kamen die Leonhardi-Ausschüsse der Kurstadt und des Klosterdorfs in ihren jeweiligen Sitzungen. Der Grund: Durch die 14. Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung (BayIfSMV) des Freistaats vom 1. September gibt es keine Möglichkeit, die Prozessionen mit Ross und Reitern, Truhen- und Tafelwagen zu veranstalten. Demnach bleiben Leonhardifahrten in ihrer typischen Form untersagt.

Zu dieser juristischen Einschätzung gelangte das Tölzer Landratsamt nach Rücksprache mit der Regierung von Oberbayern. Aber auch ohne das Verbot wäre es "nur schwer vorstellbar gewesen, wie die rechtlich geforderte 3-G-Regelung praktisch hätte umgesetzt werden sollen", erklärt Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt Bad Tölz. Allein in Kurstadt hätte man circa 15 000 Gäste zu der Leonhardifahrt erwartet. Alle Besucher müssten geimpft, genesen oder getestet sein, was jedoch kaum überprüft werden kann. Dazu müsste es Zugangskontrollen geben, sagt Otterbach. "Bei den nach außen nicht abgeschirmten Veranstaltungen und den zu erwartenden hohen Besucherzahlen am Wochenende des 6. Novembers ist dies nicht realistisch." Insofern sahen sich die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Benediktbeuern zu der abermaligen Absage gezwungen. Beide Kommunen hätten keinen Ausweg, um eine andere Ermessensentscheidung zu treffen, so die Pressesprecherin.

Die beiden Bürgermeister bedauern diesen Schritt. "Außenstehende können wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, was das für die Leonhardifahrer und für die Tölzerinnen und Tölzer bedeutet", meint der Tölzer Rathauschef Ingo Mehner (CSU). "Die erneute Absage trifft uns alle hart." Ähnlich äußert sich auch sein Amtskollege Anton Ortlieb (Bürgervereinigung Benediktbeuern). "Dass eine der wichtigsten Veranstaltungen in der Gemeinde im Jahreslauf jetzt bereits zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden muss, tut uns, besonders auch im Namen der zahlreichen Helfer, Gespanne und Rosserer, sehr leid", erklärt der Bürgermeister.

© SZ vom 22.09.2021 / sci/kml
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