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Lenggrieser Politik:Oben leben, unten überweisen

Wegen fehlender Nachfrage will die Sparkasse im Obergeschoss des Gebäudes an der Lenggrieser Karwendelstraße Wohnungen statt Büros vermieten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Gemeinderat billigt die Umnutzung der oberen Sparkassenräume als Wohnungen - allerdings nicht ohne Grundsatzdebatte

Von Petra Schneider, Lenggries

Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist groß, Gewerbeimmobilien sind in Lenggries derzeit dagegen kaum gefragt. Statt Büros also lieber Wohnungen - diese Frage hat den Lenggrieser Gemeinderat jüngst häufig beschäftigt. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gehörte im Wahlkampf zu den Top-Themen. Auf der anderen Seite will man verhindern, dass sich Lenggries zu einer Schlafstadt entwickelt. Im Fall des Gasthofs Post hat der Gemeinderat im September entschieden, an einer "gemischten Nutzung" festzuhalten und Wohnen nur im Dachgeschoss zu ermöglichen. Die 290 Quadratmeter große Fläche im zweiten Obergeschoss will man, wie geplant, gewerblich vermieten. Anders entschieden die Räte beim derzeit laufenden Neubau auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Epp am Bergweg. Kürzlich wurde beschlossen, dort statt zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss nun fünf kleinere Wohnungen zuzulassen und den Bebauungsplan von einem Mischgebiet in ein "allgemeines Wohngebiet" zu ändern.

Am Montag ging es nun im Bauausschuss erneut um das Thema Wohnen versus Gewerbe, diskutiert wurde über das Sparkassengebäude in der Karwendelstraße. Ein Antrag, das Foyer umzubauen und im ersten Obergeschoss Büros zu vermieten, wurde im April vom Gemeinderat gebilligt, der Umbau im Juli abgeschlossen. Bei der Gemeinde ging nun allerdings ein neuerlicher Antrag ein: Wegen fehlender Nachfrage will die Sparkasse im Obergeschoss nun keine Büros, sonder drei Wohnungen vermieten. Der Antrag wurde im Bauausschuss mit zwei Gegenstimmen von Christine Rinner und Benedikt Demmel (beide CSU) gebilligt. Die Verwaltung hatte keine Bedenken; die erforderliche Zahl der Stellplätze sei nachgewiesen, sagte Tanja Bux vom Bauamt. Allerdings sei kein Aufzug vorhanden. Weil aber laut Bayerischer Bauordnung in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen ein Drittel barrierefrei erreichbar sein müssen, sei ein Antrag auf Abweichung gestellt worden.

Im Gemeinderat wurde erneut eine Grundsatzdiskussion geführt. "Wir wandeln überall Gewerbe in Wohnungen um", kritisierte Benedikt Demmel (CSU). Der Umbau sei erst im Juli fertig geworden; große Anstrengungen, Mieter für Büros zu finden, seien in der kurzen Zeit wohl nicht unternommen worden. "Das sollen jetzt gleich Wohnungen werden, weil die lukrativer sind", mutmaßte Demmel. Christine Rinner gab zu bedenken, dass für die Wohnungen sechs Stellplätze nachgewiesen werden müssten, die dann auf dem öffentlichen Sparkassenparklatz fehlten.

Die Mehrheit der Gemeinderäte sah die Umnutzung aber positiv. Peter Gascha (FWG) ärgerte sich über die ständigen Diskussionen zum Thema. Büros seien in Lenggries und Umgebung zurzeit nun einmal nicht gefragt. Das Sparkassengebäude liege im Innenbereich, außerdem seien für drei Wohnungen weniger Stellplätze nötig, als für Büros mit womöglich 20 Mitarbeitern. Ob ein Vorhaben für einen Bauwerber lukrativ sei, das könne in einem Gemeinderat nicht zur Debatte stehen, sagte Andreas Wohlmuth (FWG). Tatsache sei: "Es fehlt Wohnraum."

© SZ vom 11.11.2020
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