TierbestattungenWenn das geliebte Haustier stirbt

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Susanne und Christian Wolf sind selbst Hundebesitzer. Seit 2016 betreiben sie ein Bestattungsinstitut für Haustiere.
Susanne und Christian Wolf sind selbst Hundebesitzer. Seit 2016 betreiben sie ein Bestattungsinstitut für Haustiere. Harry Wolfsbauer
  • Susanne und Christian Wolf betreiben seit zehn Jahren ein Bestattungsinstitut für Haustiere und haben zur Überbrückung eine Verbrennungsanlage in Tirol gekauft.
  • Das Genehmigungsverfahren für ihr geplantes Krematorium in der Lenggrieser Kaserne zieht sich wegen diverser Vorgaben des Bundesemissionsschutzgesetzes hin.
  • Die Kundenzahl ist auf 2000 bis 3000 gestiegen, wobei vor allem einsame Menschen leiden, denen ihr Tier noch Halt gegeben hatte.
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Susanne und Christian Wolf wollen in der Lenggrieser Kaserne ein Krematorium für Tiere bauen. Weil sich das Genehmigungsverfahren hinzieht, haben sie zur Überbrückung eine kleine Verbrennungsanlage in Tirol gekauft. Die Kunden können ihren Liebling dorthin begleiten.

Von Klaus Schieder, Lenggries

Die Einsamkeit in der Gesellschaft nimmt zu. Das merkt auch Susanne Wolf. Viele ihrer Kunden seien allein, sagt sie. „Es sind einsame Menschen, denen ihr Tier noch einen Halt gegeben hat.“ Aber wenn sie zu „Tiertrauer Wolf“ in die ehemalige Prinz-Heinrich-Kaserne in Lenggries kommen, dann haben sie auch diese Stütze im Leben verloren. Vor allem alte Leute litten unter dem Tod ihres Haustieres, weil sie wüssten, dass sie keinen neuen Hund, keine neue Katze mehr um sich haben werden. „Ihnen wird der Boden unter den Füßen weggezogen, das ist mittlerweile sehr häufig“, sagt Susanne Wolf, die mit ihrem Mann Christian seit zehn Jahren ein Bestattungsinstitut für Tiere führt.

Das Problem für das Ehepaar war bislang, dass sie die Tierkörper in das etwa 130 Kilometer entfernte Waldkraiburg fahren mussten, wo es ein Tierkrematorium gibt. Vor zwei Jahren zogen die Wolfs deshalb von Bad Tölz auf das ehemalige Kasernengelände in Lenggries – mit dem Ziel, dort ein eigenes Krematorium zu bauen.  Ein solches Projekt muss von der Regierung von Oberbayern genehmigt werden, das Verfahren zieht sich hin. Es gebe diverse Vorgaben, die eingehalten werden müssen, sagt Susanne Wolf.

Das Bundesemissionsschutzgesetz, der Hygieneplan, die räumliche Trennung von Annahme und Lagerung der Tiere, beschichtete Wände, Höhe des Kamins, und so fort. Da traf es sich gut, dass ein Stammkunde einen Freund hatte, der mit dem Betreiber eines Kleintierkrematoriums in Itter in Tirol oft musizierte. Der Österreicher wollte seinen Betrieb verkaufen. Die Wolfs schlugen zu. „Glück gehabt“, sagt Susanne Wolf.

Die Verbrennungsanlage im Kleintierkrematorium in Itter/Tirol.
Die Verbrennungsanlage im Kleintierkrematorium in Itter/Tirol. Susanne Wolf

In der kleinen Gemeinde zwischen Kufstein und Kitzbühel, die gut 85 Kilometer von Lenggries entfernt liegt und in einer guten Stunde über den Achensee zu erreichen ist, erwarb das Ehepaar die Verbrennungsanlage und mietete die Halle. Die Tierleichname dürfen dort montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr, freitags bis 12 Uhr verbrannt werden. Auch in Österreich gebe es allerlei Auflagen, sagt die Chefin des Tiertrauer-Instituts. Aber der Umgang mit den Behörden sei um einiges einfacher. „Wenn man dort anruft, dann rufen sie sofort zurück.“ Auch die Banken seien offener und unternehmerfreundlicher.  Dagegen bekomme man hierzulande  „von Stadt- und Gemeinderäten entweder gar keine Antwort oder eine ablehnende oder eine überhebliche“, sagt Susanne Wolf.

Seit knapp zwei Jahren ist „Tiertrauer Wolf“ in der Gebirgsjägerstraße 23e in der ehemaligen Prinz-Heinrich-Kaserne in Lenggies zu finden.
Seit knapp zwei Jahren ist „Tiertrauer Wolf“ in der Gebirgsjägerstraße 23e in der ehemaligen Prinz-Heinrich-Kaserne in Lenggies zu finden. Klaus Schieder

Ohne die Zwischenlösung in Tirol hätte das Ehepaar finanzielle Probleme bekommen. Die Fahrtkosten nach Waldkraiburg, der Zeitaufwand, die Gebühren für Zulieferer des Tierkrematoriums – „es reicht dann nicht“, sagt Wolf. Dabei hat sich die Zahl ihrer Kunden inzwischen auf 2000 bis 3000 erhöht. „Anfangs hatten wir nur ein Tier in sechs Wochen, jetzt haben wir jede Woche zehn bis zwanzig Tiere.“  Nachdem sie in Itter eine eigene Anlage haben, ermöglichen sie ihren Klienten auch, bei der Verbrennung ihres Haustieres dabei zu sein. Allerdings führe dies oftmals nicht dazu, den Schmerz über den Verlust zu bewältigen, warnt Susanne Wolf: „Das macht es nicht besser, denn bis zu diesem Termin vergehen Tage, dann fängt die Trauer von vorn an.“

Die Kunden der Wolfs kommen aus einem weiten Umkreis, von Penzberg bis nach Rosenheim, von Wolfratshausen bis nach Österreich. Sie stammten aus allen Generationen, aus allen sozialen Schichten, wie Susanne Wolf erzählt. Das Ehepaar nimmt Tierarten vom Wellensittich bis zur Katze, vom kleinen Hamster über das Kaninchen bis zum großen Hund an. Kühe, Schweine, Schafe oder Ziegen dürfen sie nicht einäschern, dies untersagt die Verordnung zur Tierkörperbeseitigung für Nutztiere. Pferde hingegen schon, wenn es das Veterinäramt erlaubt. Aber das geht dann nur in Waldkraiburg, nicht in Itter.

Susanne und Christian Wolf bieten ihren Kunden auch verschiedene Urnen an.
Susanne und Christian Wolf bieten ihren Kunden auch verschiedene Urnen an. Klaus Schieder
Außerdem gibt es ein kleines Sortiment an Ascheschmuck.
Außerdem gibt es ein kleines Sortiment an Ascheschmuck. Klaus Schieder

Das Tiertrauer-Institut bietet ausschließlich Einäscherungen an, wobei die Preise nach dem jeweiligen Körpergewicht des Tieres variieren. Am teuersten ist die Einzeleinäscherung mit persönlicher Rückführung der Asche, gefolgt von der Sammeleinäscherung mit dem Verstreuen der Asche, sowie der reinen Tierkörperbeseitigung. Die Kunden entschieden sich meist für die Einzeleinäscherung, so Susanne Wolf. Der technische Ablauf: Das Ehepaar holt das tote Tier vom Besitzer oder vom Tierarzt ab. Jeder Körper wird gewogen und mit einer Nummer auf einem feuerfesten Schamottstein registriert, wodurch die Asche später zweifelsfrei zugeordnet werden kann.

Für jedes Tier, das eingeäschert wird, gibt es eine eigene Nummer auf einem feuerfesten Schamottstein.
Für jedes Tier, das eingeäschert wird, gibt es eine eigene Nummer auf einem feuerfesten Schamottstein. Harry Wolfsbauer

Nicht alle Tierbesitzer benötigen die Dienste von Susanne und Christian Wolf. Wer einen eigenen Garten hat, kann seine Katze oder seinen Hund dort beerdigen. „Allerdings sollte das Grab mehr als einen Meter tief sein, sonst kommt der Fuchs und buddelt es aus“, sagt Susanne Wolf. Außerdem muss die Stelle zumindest drei Meter von einem öffentlichen Weg entfernt sein und darf nicht in einem Natur- oder Wasserschutzgebiet liegen. Das Vergraben in freier Natur, etwa in einem Wald, ist verboten. Ebenso eine grobe Beseitigung per Hausmüll.

In einem Garten auf dem Kasernengelände plant Susanne Wolf eine Sammelurne

Die Wolfs übernehmen nicht nur die Einäscherung, sie sind auch Zuhörer und Tröster. Beide haben selbst schon Tiere verloren, momentan besitzen sie zwei Hunde und zwei Katzen. „Wir haben selber getrauert“, sagt Susanne Wolf. Deshalb wüssten sie, wie es den Menschen gerade gehe, die zu ihnen kommen. Die gestorbenen Tiere seien ja keine Viecher gewesen, sondern vielmehr Familienmitglieder. „Die Leute sind tieftraurig.“ Manche kämen zu ihnen und seien schnell wieder weg, damit niemand sie weinen sehe. Andere ließen ihren Gefühlen freien Lauf und erzählten ihre Lebensgeschichte. „Wir schauen zu, dass wir individuell auf jeden eingehen.“

Außer dem Krematorium, das auf dem Areal in der Prinz-Heinrich- Kaserne entstehen soll, plant Susanne Wolf noch etwas anderes. Im Garten neben dem Tiertrauer-Haus möchte sie eine große Sammelurne aufstellen. „Eine Regentonne, die wie ein Baumstamm aussieht, keine Terrakotta-Vase, denn die ist nicht frostfest“, erzählt sie. Dies könnte dann so eine Art Gedenkstätte sein. „Mit einer Bank, wo die Leute sitzen und sagen können: Hier bin ich mit meinem Tier zusammen.“

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