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Lenggries:Spielen, wohnen, arbeiten

Der ehemalige Gasthof Post an der Marktstraße in Lenggries wird derzeit umgebaut. Die Kita im Erdgeschoss ist schon fertig.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im einstigen Gasthof Post in Lenggries gibt es jetzt eine Kita. Darüber sollen Büros und Wohnungen entstehen

Von Petra Schneider, Lenggries

Seit März 2019 laufen die Umbauarbeiten im ehemaligen Gasthof Post in der Lenggrieser Marktstraße. Der neue Kindergarten St. Jakobus im Erdgeschoss wurde am 1. September eröffnet. Die Bauarbeiten im Mehrzwecksaal im ersten Stock, wo voraussichtlich von November an die Gemeinderatssitzungen stattfinden sollen, laufen. Im Dachgeschoss sind zwei Mietwohnungen für Familien im kommunalen Wohnungsbau geplant, die noch in diesem Jahr fertig werden sollen. Auch die Büros und Geschäftsräume im zweiten Stock stehen kurz vor der Fertigstellung und sollen vermietet werden.

Im Gemeinderat hat sich über die Nutzung dieser Räume in der jüngsten Sitzung eine lebhafte Diskussion entwickelt. Vor allem neue Gemeinderatsmitglieder waren der Meinung, dass über bezahlbaren Wohnraum in den betreffenden Räumen nachgedacht werden sollte. Am Ende blieb man jedoch bei dem ursprünglichen Nutzungskonzept: Mit 21 zu drei Stimmen wurde entschieden, die Räume wie geplant als Büros zur Vermietung auszuschreiben.

Die Gemeinde hat das denkmalgeschützte Gebäude im Jahr 2013 gekauft, um zu verhindern, dass dort nur Wohnungen gebaut werden und die Marktstraße dann verödet, so die Befürchtung. Eine gemischte Nutzung mit Wohnungen, Saal und Gewerbe wurde angestrebt. Statt der gewünschten Gastwirtschaft im Erdgeschoss, für die sich kein Pächter fand, kam der Kindergarten. Im zweiten Stock stehen nun vier Büroeinheiten mit jeweils 36 Quadratmetern zur Verfügung, insgesamt beträgt die Fläche dort 290 Quadratmeter. Überlegungen, Teile der Verwaltung in diese Räume auszulagern, sind vom Tisch, nachdem der Gemeinderat den Umbau des Rathausdachgeschosses beschlossen hat, um dort mehr Platz zu schaffen.

Die neuen Räume im ehemaligen Gasthof Post können nun einzeln oder im Gesamten vermietet werden, sagte Karl Ertl vom technischen Bauamt. Ausreichend Parkplätze stünden auch bei einer Einzelvermietung zur Verfügung, angesetzt werde die "ortsübliche Miete". Günter Haubner (FWG) sprach sich dafür aus, an dem "stimmigen Konzept" festzuhalten. Wohnungen seien aus Lärmschutzgründen nur im Dachgeschoss vorgesehen, um für die Mieter Belästigungen durch den Mehrzwecksaal im ersten Stock zu vermeiden. "Ich weiß nicht, warum wir das Rad in Bezug auf die Post-Nutzung jetzt neu erfinden sollen."

Haubner plädierte dafür, wie geplant in die Ausschreibung zu gehen. "Sollte das verquer laufen, dann muss man sich was Anderes überlegen, Wohnungen nicht ausgeschlossen." Die Grünen wollten generell über bezahlbaren Wohnraum im zweiten Stock nachdenken. "Wenn wir die Möglichkeit hätten, sollte man sich das zumindest vorbehalten", sagte Nadia Tretter. Auch bei den Freien Wählern gab es Befürworter von günstigen Wohnungen für Personal. "Denn Kindergärtnerinnen sind nicht leicht zu finden", argumentierte Eberhard Pichler. Josef Wasensteiner (CSU) verteidigte hingegen ebenfalls das beschlossene Nutzungskonzept. Es sei nicht nur Aufgabe einer Gemeinde, bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Ziel sei gewesen, "Leben in die Dorfmitte zu bringen". Wasensteiner regte an, sich im Gemeinderat gesondert über das Thema sozialer Wohnungsbau Gedanken zu machen - ein Vorschlag, der Unterstützung fand.

Die Gemeinde Lenggries investiert einiges in den Umbau des ehemaligen Gasthofs Post: Aktuell liegen die Kosten für das Projekt bei 7,9 Millionen Euro. Aus verschiedenen Förderprogrammen fließen insgesamt drei Millionen Euro an Zuschüssen.

© SZ vom 25.09.2020

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