Kunsthandwerk:Gut in Form

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Kunsthandwerk: Markus Pollingers "Gefäß 2020".

Markus Pollingers "Gefäß 2020".

(Foto: privat/oh)

Der Lenggrieser Silberschmied Markus Pollinger wird mit dem Hauptpreis der Silbertriennale ausgezeichnet.

Von Stephanie Schwaderer

Das Gefäß hat Witz, ist ästhetisch und gibt zugleich Rätsel auf: Wozu die beiden Trichter? Und dieser Griff aus Stahl? Soll man da die Finger hindurchstecken? Wer jemals den Lenggrieser Silberschmied Markus Pollinger in seiner Werkstatt besucht hat, erkennt auf den ersten Blick, dass das "Gefäß 2020" aus seinen Händen stammt. Derzeit ist es sein wohl prominentestes Objekt. Die Jury der internationalen Silbertriennale hat Pollinger dafür mit einem ersten Preis ausgezeichnet.

Seit 1965 richten die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. und das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau den internationalen Wettbewerb zur Förderung der zeitgenössischen Silberschmiedekunst aus. Es geht um Gestaltungsideen für Silbergerät, Silberobjekte und Besteck. "Durch die Präsentationen im In- und Ausland ist die Silbertriennale zu einer weltweit anerkannten Ausstellungsreihe geworden", teilt die Gesellschaft für Goldschmiedekunst mit.

121 Silberschmiede und Silberschmiedinnen aus 21 Ländern haben sich an der 20. Ausschreibung beteiligt. Eine Vielzahl der Stücke sei durch einen "gesellschaftskritischen und zeithistorischen Hintergrund" aufgefallen, so die Veranstalter. Zur Jury gehörten der Kunstbuch-Verleger Dirk Allgaier, die Kunsthistorikerin und Museumskuratorin Claudia Banz und die koreanische Silberschmiedin JaKyung Shin. Sie wählten die 67 "innovativsten und durch eine meisterhafte Ausführung überzeugenden Einsendungen" für die Ausstellung aus und entschieden in einem Haupt- und Nachwuchsförderwettbewerb über insgesamt acht Preise im Wert von 20 000 Euro. Markus Pollinger erhielt mit dem Ebbe-Weiss-Weingart-Preis den ersten Preis im Hauptwettbewerb.

Die Juroren lobten den "freien, ironischen Umgang mit dem Werkstoff Silber, der mit Stahl kontrastiert wird". Im Detail zeige sich die "handwerkliche Virtuosität, wie etwa in der Ausarbeitung des Gefäßkörpers und der Sichtbarmachung der Schweißnähte".

Kunsthandwerk: Markus Pollinger mit Gefäßobjekten in der Lenggrieser Angerschmiede.

Markus Pollinger mit Gefäßobjekten in der Lenggrieser Angerschmiede.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Grundelement des Gefäßes stamme aus der Industrie und werde in Fahrzeugen als funktionelles Bauteil verwendet, erklärt Pollinger. "Ich erschaffe eine Möglichkeit, diese Formen sichtbar zu machen und in einen anderen Kontext zu stellen." Wie bei vielen seiner Gefäßobjekte hat er auch in diesem Fall der gegebenen Form Rohre, Stege und Blechteile hinzugefügt, sie geöffnet und auf diese Weise einen einzigartigen Körper entstehen lassen, der zur Reflexion einlädt. Sein Credo: "Aus einem Massen-Form-Produkt kann Kunst entstehen."

Die Internationale Silbertriennale findet von Sonntag, 30. Oktober, bis 30. Dezember, im Deutschen Goldschmiedehaus in Hanau statt; Infos zu Markus Pollinger unter markus-pollinger.de

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