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Lenggries:Lenggrieser Pflegeheim wird acht Millionen Euro teurer

Pflegeheim Lenggries

Drei lang gestreckte Baukörper mit 90 Pflegeplätzen: So hat das Architekturbüro Sweco das neue Heim entworfen. Entwurf: Sweco/oh

Gemeinderat nimmt Kostensteigerung unaufgeregt zur Kenntnis. Ob die Caritas als Betreiber bleibt, ist offen

Von Petra Schneider, Lenggries

Der Neubau des Pflegeheims an der Karwendelstraße in Lenggries wird deutlich teurer als geschätzt. Am Montag wurde im Gemeinderat die Vorplanung erneut vorgestellt und eine konkrete Summe genannt: 20 Millionen Euro brutto, plus rund zwei Millionen für die Küche, die von der Caritas übernommen werden muss. Denn die Gemeinde finanziert den Baukörper, für die Einrichtung ist der Betreiber zuständig. Bei ersten Schätzungen im vorigen Jahr war von rund zwölf Millionen Euro die Rede.

Im Gemeinderat wurde die erhebliche Kostensteigerung erstaunlich gelassen aufgenommen; mit zwei Gegenstimmen von Peter Gascha und Martin Willibald (beide FWG) wurde beschlossen, in die Genehmigungsplanung einzusteigen. Ob die Caritas als Betreiberin dabei bleibt, scheint allerdings noch nicht sicher. Doris Schneider, Geschäftsführerin für den Bereich Caritas-Altenheime, sprach am Montag von einer "kritischen Preissteigerung". Die Regierung von Oberbayern und der Caritas-Aufsichtsrat müssten die Kalkulation erst genehmigen.

Sorgen machen sich auch einige Bürger: Sie fordern mit einer Unterschriftenaktion den Erhalt einer Kastanie an der Feuerwehrzufahrt beim Trampelpfad. Auch die Streuobstwiese auf dem Grundstück, die nicht nur eine wichtige ökologische, sondern auch eine soziale Funktion als Spiel- und Erholungsraum erfülle, müsse bleiben. 19 Erwachsene und zehn Kinder und Jugendliche haben die Forderungen unterschrieben. Für die Kastanie gibt es keine Rettung, weil sie "mitten im geplante Baukörper steht", wie Karl Ertl vom technischen Bauamt erklärt. Alle übrigen Bäume bleiben, ebenso ein Großteil der Streuobstwiese. "Das ist uns auch ein großes Anliegen", sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG).

Das neue Pflegeheim, das sich in einem L-förmigen Grundstück an das überalterte Bestandsgebäude anschließt, soll aus drei lang gestreckten, miteinander verbundenen Baukörpern bestehen. Sie sind im Westen des Grundstücks versetzt angeordnet und werden von der Karwendelstraße aus erschlossen. Der Haupteingang befindet sich an der Ostseite in dem zweigeschossige Gebäudeteil mit Cafeteria, Mehrzweckraum, Kapelle und Personalbüros. Im ersten Stock soll die Küche eingerichtet werden, in der frisch gekocht wird.

Die beiden übrigen Baukörper sind dreigeschossig, mit nach Westen ausgerichteten Bewohnerzimmern. 90 Plätze, und damit gut 30 mehr als bisher, sind auf einer Nutzfläche von insgesamt rund 5500 Quadratmetern geplant. Ob das ehemalige Pflegeheim anderweitig genutzt oder abgerissen wird, steht noch nicht fest.

Der Neubau ist nicht höher als die umgebende Wohnbebauung, der Abstand zu den Häuser möglichst groß. Aus Kostengründen und wegen der Hochwassergefahr ist nur eine Teilunterkellerung geplant. "Für uns war es wichtig, uns an der Bebauung in Lenggries zu orientieren", fasste Architektin Claudia Specht vom beauftragten Planungsbüro Sweco zusammen. Die Fassade sei "ruhig" und öffne sich mit den Balkonen an den Stirnseiten in die Landschaft. Geplant ist ein lang gezogenes Satteldach, die Fassade könne verputzt oder in Holz ausgeführt werden. Die Ortsgestaltungssatzung werde eingehalten.

Die Pflegekosten inklusive Verpflegung bleiben relativ gleich, aber durch den Neubau müsse die Caritas mit einer Steigerung pro Pflegeplatz und Monat von 800 bis 900 Euro rechnen, sagte die Geschäftsführerin. Dies müsse erst von den zuständigen Gremien genehmigt werden. Die Kosten für die Bewohner können noch nicht berechnet werden, aber höhere Investitionskosten werden wohl umgelegt. Auf die Frage von Thomas Murböck (CSU), ob die Caritas auch bei weiteren Kostenmehrungen mitmache, antwortete Schneider ausweichend. Man sei in die Planungen eingebunden gewesen, "aber das ist schon eine kritische Preissteigerung".

Franz Schöttl (CSU) betonte, dass es sich um eine von externen Beratern validierte Schätzung handle. Keine "Fantasiezahlen", sondern ein Kostenrahmen, der gehalten werden könne. Christine Rinner (CSU) fand es "bedenklich", dass die Küche "einfach rausgerechnet wird". Die Gemeinde habe beschlossen, das Pflegeheim selbst zu bauen, weil es sonst in Lenggries bald keine solche Einrichtung mehr gäbe, sagte Günter Haubner (FWG). Man habe gemeinsam mit der Caritas geplant, die Kalkulation sei nun konkret. "Selbst wenn die Caritas sagen würde, wir sind nicht mehr im Boot, dann müssten wir uns einen anderen Betreiber suchen."

© SZ vom 28.10.2020
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