Lenggries:Kaum Chancen für Radweg am Sylvensteinsee

Das Staatliche Bauamt führt hohe Baukosten und Naturschutzbelange gegen eine Verlängerung bis Vorderriß und zum Achenpass ins Feld

Von Petra Schneider, Lenggries

Mit der Verlängerung des Radwegs ab dem Sylvensteindamm in Richtung Vorderriß und Achenpass sieht es schlecht aus. "Die Antwort des Staatlichen Bauamts Weilheim ist ziemlich eindeutig, da wird die nächsten Jahre nicht viel passieren", sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) am Montagabend im Gemeinderat Lenggries.

Aufgeben will die Gemeinde aber nicht. Klaffenbacher kündigte an, dass er sich bei der Regierung um Unterstützung bemühen will. In der Stellungnahme des Staatlichen Bauamts Weilheim wird ein Radweg ab dem Sylvensteindamm zwar grundsätzlich begrüßt, allerdings führt die Behörde auch einige Gegenargumente auf: So sei das Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 307 laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 nicht hoch genug - in Richtung Vorderriß seien 1909 Fahrzeuge pro Tag registriert worden, in Richtung Achenpass 2870. Der Durchschnitt auf bayerischen Bundesstraßen liege aber bei etwa 10 000 Fahrzeugen täglich. Allerdings sei an Wochenenden und Feiertagen ein deutlicher Anstieg des touristischen Verkehrs festzustellen, räumt der zuständige Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt, Martin Herda, ein.

Was den Bau eines Radwegs am Sylvensteinsee aber tatsächlich schwierig macht, sind die Topografie sowie naturschutzrechtliche Gründe. Denn weite Teile der Strecke führten durch ein FFH-Gebiet. Vor allem der Abschnitt Fall-Kaiserwacht würde den Bau von vielen Durchlässen und Stützwänden erforderlich machen. Der technische Aufwand und die Baukosten wären entsprechend hoch. Außerdem sei die Faller Klammbrücke über den Sylvensteinsee für einen Radweg zu schmal, erklärte Herda. Zudem stünden vorwiegend touristisch genutzte Radwege, wie dies am Sylvenstein der Fall sei, nicht an oberster Stelle. Denn das Landratsamt räume "Alltagsverbindungen" Vorrang ein. Dazu gehöre der sechs Kilometer lange Radweg an der Bundesstraße 13 zwischen Lenggries und Bad Tölz, mit dessen Bau spätestens Anfang nächsten Jahres begonnen werden soll.

Eine Geschwindigkeitsbeschränkung aus Lärmschutzgründen, die im Gemeinderat vor allem in Hinblick auf die vielen Motorradfahrer angeregt worden war, hält Herda für wenig realistisch. Die Grenzwerte seien recht hoch. Für "reine Geschwindigkeitsbeschränkungen" sei zudem das Landratsamt zuständig. "Grundsätzlich stimmen wir Ihnen voll und ganz zu, dass ein Radweg entlang der gesamten B 307 sowohl östlich als auch westlich des Sylvensteindamms aus Verkehrssicherheitsgründen ausdrücklich zu begrüßen ist", erklärt Herda. Sollte die Gemeinde Lenggries die Planungen selbst forcieren wollen, stehe das Staatliche Bauamt Weilheim dem "aufgeschlossen gegenüber." Auch eine Übernahme der Baukosten aus dem Bundeshaushalt sei "durchaus denkbar". Das sei eine "verständnisvoll formulierte, aber eigentlich klare Absage", bedauerte Roman Haehl (Grüne). Die Gemeinde müsse bei der Regierung "Druck machen." Christine Rinner (CSU) kritisierte, dass die zugrunde gelegte Verkehrszählung sechs Jahre alt sei. Der Verkehr habe seitdem zugenommen, auch eine "explosionsartige Vermehrung von E-Bikes" lasse sich feststellen. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde Lenggries, den Radweg zu bauen, so Rinner. Bürgermeister Klaffenbacher, der Umweltminister Thorsten Glauber (FW) bei dessen Besuch in Vorderriß vor vier Wochen bereits auf die Dringlichkeit des Radwegs hingewiesen hatte, versprach, sich in einem Schreiben an die Regierung zu wenden. "Wir werden mit Nachdruck dranbleiben."

© SZ vom 22.07.2021
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