Vor 55 Jahren wurde die Isarwelle in Lenggries als Schulschwimmbad gebaut. Die Wasserwacht trainiert dort und bietet Schwimmkurse an, Grund- und Mittelschule sowie die Hohenburger Schulen nutzen das Hallenbad für den Sportunterricht. Außerdem ist das Familienbad, das barrierefrei zugänglich ist und ein 25-Meter- Becken mit fünf Bahnen, ein Kleinkinder- und Außenbecken samt Schwimmkanal, Wildwasserstrudel und Whirlpool bietet, ein wichtiges Angebot für Einheimische und Gäste. Allerdings leidet die Isarwelle schon seit Jahren unter Alterserscheinungen.
Regelmäßig fanden Ausbesserungsarbeiten statt, ein bereits 2016 beschlossenes, umfangreiches Sanierungskonzept wurde verschoben, weil man auf ein geplantes Bundesförderprogramm wartete. Mit den Jahren wuchs freilich nicht nur die Mängelliste, auch die Kosten stiegen. Schätzungen gehen inzwischen von einem Investitionsbedarf von rund 19 Millionen Euro aus. Das aktuelle Sanierungskonzept für die Isarwelle sehe nicht nur „Schadensbegrenzung und Nachattraktivierung in einzelnen Bereichen“ vor, sondern die „komplette Sanierung und energetische Ertüchtigung des Bades“, erklärt Birgit Kirstein, Pressesprecherin der Gemeinde Lenggries.
Beim inzwischen aufgelegten Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“, für das sich Lenggries im vergangenen Dezember beworben hatte, ging man wegen der hohen Mitbewerberzahl leer aus. Die Gemeinde hofft nun, bei einem zusätzlich und speziell für Schwimmbäder aufgelegten Förderprogramm zum Zug zu kommen: Bis zu 45 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal acht Millionen Euro, könnten übernommen werden. Ob und in welcher Höhe Lenggries berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: „Eine Realisierung der Sanierung der Isarwelle ist nur möglich, wenn eine Förderung erfolgt“, erklärt Kirstein.
Aber selbst im besten Fall verbleiben Kosten in Millionenhöhe bei der Gemeinde, die kaum finanzielle Spielräume hat – nicht zuletzt wegen des neuen Pflegeheims, in das sie 21,5 Millionen Euro investiert hat. Da nimmt es nicht wunder, dass man nichts mehr von einer Sauna gehört hat, über die jahrzehntelang diskutiert wurde, um die Attraktivität der Isarwelle zu erhöhen. Immer wieder wurde geplant, aus Kostengründen abgespeckt und wieder vertagt. Noch bei der Kommunalwahl 2020 gehörte eine Sauna in der Isarwelle zu den Top-Themen, alle Parteien und Gruppierungen hatten sich dafür ausgesprochen.
Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es neben dem Hallenbad in Lenggries eines in Bad Tölz, das Trimini in Kochel sowie das interkommunale Hallenbad in Geretsried. Das Ascholdinger Hallenbad wurde vor fünf Jahren geschlossen, weil es einsturzgefährdet war und die Gemeinde die hohen Wartungskosten nicht mehr schultern konnte.

Für die Tourismusgemeinde Lenggries, die auch noch ein Naturfreibad unterhält, ist der Erhalt der Isarwelle wichtig. Im vergangenen Jahr wurden 62 742 Besucher gezählt. Obwohl vor zwei Jahren die Eintrittspreise erhöht wurden – Erwachsene zahlen nun für eineinhalb Stunden 5,50 Euro, Kinder und Jugendliche 3,50 Euro –, bleibt das Defizit hoch. Voraussichtlich rund 691 000 Euro muss die Gemeinde für das vergangene Jahr zuschießen. Sanierungs- und Unterhaltskosten sind das eine, Sorgen macht der Gemeinde auch eine Lücke beim Personal. Seit Monaten sucht sie händeringend einen Leiter für ihre Bäder, respektive eine Bäder-Leiterin, sowie Aufsichtspersonal.
Drängende Probleme in Lengries müssen auf Bundesebene sichtbar werden
Weil die Isarwelle nicht das einzige Problem der Gemeinde ist und sich die Schwierigkeiten nicht ohne die Unterstützung durch die Bundespolitik lösen lassen, hat Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) kürzlich den Stimmkreisabgeordneten Alexander Radwan (CSU) nach Lenggries eingeladen. „Die drängenden Probleme in unserem Ort müssen auf Bundesebene sichtbar werden“, erklärt Klaffenbacher in einer Pressemitteilung. Dazu gehören neben der Isarwelle aus Sicht des Bürgermeisters die Sanierung der Staatsstraße 2072, der drohende Verkehrskollaps durch die Baustelle am Moraltverteiler in Bad Tölz und ein von der Gemeinde geforderter Radweg am Sylvensteindamm. „Uns hilft kein leeres Gerede. Pragmatische und vor allem zeitnahe Lösungen sind gefragt“, so Klaffenbacher. Konkrete Zusagen konnte Radwan nicht machen, der Bundestagsabgeordnete bot aber einen weiteren Termin vor der Sommerpause an.

