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Lenggrieser Politik:Unruhe statt Union

In der Lenggrieser CSU rumort es: Nach dem Rückzug des langjährigen Bürgermeisters Werner Weindl konnte Christine Rinner nicht an alte Erfolge anknüpfen. Nun übernimmt Bernhard Simon den Vorsitz.

Von Petra Schneider

Die Christlich-Soziale Union (CSU) in Lenggries steckt in einer heftigen Krise. Die vormals stärkste Gemeinderatsfraktion, die mit Werner Weindl 24 Jahre lang den Bürgermeister der Brauneckgemeinde gestellt hat, musste bei der jüngsten Kommunalwahl herbe Verluste einstecken: Statt elf nur noch acht Sitze in einem auf 24 vergrößerten Gremium. Bürgermeisterkandidatin Christine Rinner hatte es im März nicht in die Stichwahl geschafft, im September stellte die CSU überhaupt keinen Kandidaten. Bernhard Simon soll es nun richten: Der 56-Jährige wurde kürzlich bei einer "internen Veranstaltung" zum neuen Ortsvorsitzenden gewählt.

"Für uns ist die Situation momentan nicht so erfreulich", räumt Simon ein. Im Hintergrund rumore es gewaltig. Dass die in Lenggries traditionell starke CSU mit 135 Mitgliedern im September keinen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hat, habe für viel Kritik gesorgt. Simon, der seit 30 Jahren bei der CSU ist, 18 Jahre im Gemeinderat war und seit dieser Periode im Kreistag sitzt, übernimmt den Ortsvorsitz von Rinner, die nach sechs Jahren nicht mehr wollte. "Ich habe das lange und gerne gemacht, aber jetzt ist die Luft raus", sagt sie knapp.

Rinner und die CSU - das ist kein ungetrübtes Verhältnis. Es sei "alles offen besprochen worden", und es gebe keine Spannungen, betont indes Simon. Er lobt ihren Mut zur Bürgermeisterkandidatur nach der Ära Weindl, ihre sachkundige Arbeit im Gemeinderat, dem sie nach wie vor angehört, und die informativen Veranstaltungen, die sie als Ortsvorsitzende auf die Beine gestellt habe. Tatsache sei aber: "Als Bürgermeisterin wollten sie zu wenige." Weil sie eine Frau ist? Nein, das sei nicht der Punkt, glaubt Simon. "Eine Frau hätte eine Chance gehabt, wenn es die richtig gewesen wäre".

Bürgermeister Lenggries

Als die CSU Lenggries im August 2019 ihre Vorsitzende Christine Rinner (Mitte) als Bürgermeisterkandidatin vorstellte, lächelten alle noch. Nun tritt sie nach Kritik ab und überlässt Bernhard Simon (2.v.r.) die Position des Ortsvorsitzenden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Dass Rinner es nach dem plötzlichen Tod von Markus Landthaler (FWG) noch einmal versuchen wollte, "ehrt sie", sagt Simon. "Aber wir haben keine Aussicht auf Erfolg gesehen." Im Gespräch waren der Königsdorfer Ex-Bürgermeister und Landratskandidat Anton Demmel sowie Gemeinderat Thomas Murböck. Daraus wurde nichts. Dann lieber gar keinen Kandidaten, "nicht um jeden Preis", sagt Simon. Und auf gar keinen Fall so wie bei den Grünen. Deren Kandidat Klaus Hanus sei doch "eine Lachnummer", ätzt er. Sich erst bei allen Parteien anbieten, bis ihn schließlich die Grünen genommen hätten - "da muss man sich schon fragen, ist das Bürger- meisteramt überhaupt noch was wert".

Bei den Wahlen 2020 sei vieles zusammengekommen, und die CSU habe Fehler gemacht. Die Wähler hätten nach 24 Jahren einen Wechsel gewollt, mit SPD und Grünen seien zwei weitere Parteien zur Wahl gestanden und der Kandidat der Bayernpartei, Wolfgang Morlang, habe Stimmen von "Alt-CSU-Wählern" abgeräumt. Aber vor allem habe man es versäumt, Nachwuchs aufzubauen. Als Weindl im März 2019 auch für seine Parteifreunde überraschend seinen Rückzug angekündigt habe, "da ist ein Vakuum entstanden."

Als neuer Ortsvorsitzender will sich Bernhard Simon nun dafür einsetzen, die CSU in Lenggries "zu alter Stärke und Geschlossenheit" zu führen. Sobald die Corona-Pandemie-Lage dies zulasse, werde es eine "Aussprache" geben, bei der offen diskutiert werden könne. Simon will mehr junge Leute für die Kommunalpolitik gewinnen. In den neuen Vorstand wurden Franz Schöttl und Elisabeth Ertl wiedergewählt, aber mit dem 21-jährigen Benedikt Zastera immerhin ein Junger. Auch die acht Beisitzer bilden nach Angaben von Simon eine "junge Truppe". Die von Christine Rinner eingeführten Veranstaltungen will er fortführen. Die CSU werde politische Entscheidungen kritisch begleiten, "aber nicht mit Gewalt Opposition machen".

© SZ vom 08.03.2021
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