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Lebensräume:Nutzen für Wirtschaft und Natur

Förster Sebastian Schlenz (mit seinem Wachtelhund "Ringo") erklärt, dass im Wald keine Ordnung herrschen muss: "Totes Holz - lebendiger Wald".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Geretsrieder Stadtwald soll in den kommenden Jahren die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie gehalten werden

Wer mit Sebastian Schlenz im Geretsrieder Stadtwald unterwegs ist, lernt schnell dazu: "Die Kiefer da vorn ist schon tot, sie weiß es nur noch nicht." Die Krone ist grün, aber die Rinde, das hat der Revierförster mit kundigem Auge sofort gesehen, löst sich ab. Schlenz vermutet, dass hier der Kiefernprachtkäfer zugeschlagen hat. Dass diese Art nicht mehr nur in wärmeren Gegenden wie Franken anzutreffen sei, habe mit dem Klimawandel zu tun.

Schlenz und sein Chef Christian Webert, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen, haben am Dienstag dem Umweltausschuss des Geretsrieder Stadtrats einen Bericht über den 146 Hektar großen Stadtwald gegeben. Am Ende stimmten die Räte den Zielen zu, die mit dem neuen Forstwirtschaftsplan erreicht werden sollen. Dieser wird alle 20 Jahre neu erstellt. Die Forstfachmänner zeigten sich erfreut darüber, dass die Stadträte eindeutig signalisierten: Der Stadtwald, der als Wirtschaftswald geführt wird, soll dennoch in jeder nur möglichen Weise auch dem Natur- und Klimaschutz dienen. Das bedeutet einerseits - Stichwort "nachhaltige Bewirtschaftung" -, dass die Nutzung immer unterhalb des Zuwachses bleibt, der im Geretsrieder Stadtwald bei zehn Festmetern pro Hektar und Jahr liege. Andererseits werden gezielt Maßnahmen ergriffen, um den Wald umzubauen. "Die Mischung macht's", sagte Webert. Man müsse den Anteil von Fichten, die für den Klimawandel anfälliger sind, reduzieren und vielerlei Laub-, aber auch Nadelholzarten stärken.

Schlenz erinnerte daran, dass es in den vergangenen drei Jahren einen Überschuss an Schadholz gegeben habe, das aus dem Wald rausmusste: "Fast 3000 Festmeter Käferholz", sagte er, womit er die vom Borkenkäfer befallenen Bäume meinte. Da sich dies allerorten so entwickelt hatte, sei der Holzmarkt derzeit sehr angespannt.

Der Revierförster betonte, dass im Forstwirtschaftsplan der Naturschutz weiter verankert werden soll. Außer einem bereits begonnenen Fledermausprojekt laufe jetzt eine Kartierung an, die ein Forstanwärter vornehme. Im Wald erklärte Schlenz tags darauf an einem Beispiel, was getan - oder besser: gelassen werden kann, um die Natur zu unterstützen. An einer Stelle sind dort zwei große Buchen, die der Förster auf 120 bis 140 Jahre schätzt, vom Wind umgeworfen worden. Sie bleiben liegen, denn es gelte die Devise: "Totes Holz - lebendiger Wald." Für viele Käferarten seien tote Bäume Lebensräume. Im besten Fall, so Schlenz, lockten sie den Hirschkäfer an, der "eine Riesenkette an Arten" nach sich ziehe.

Im Umweltausschuss wurden solche Maßnahmen begrüßt, auch wenn manche Bürger dann von einem "schlampig" aussehenden Wald sprächen. Der Stadtwald sei ein wichtiges Refugium der Natur, sagte Sabine Gus-Mayer (CSU). Webert stimmte zu: "Ihr habt einen tollen Wald, dazu kann man nur gratulieren.