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Leben und Arbeiten in Geretsried:Platz für seelisch kranke Menschen

Coronavirus

Beim Spatenstich (von links): Oliver Gosolits (OLW), Hans Hagleitner (Architekt), Helmut Guggenmos (Lebenshilfe), Bürgermeister Michael Müller und Landrat Josef Niedermaier.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Oberland-Werkstätten schaffen im Auftrag des Bezirks Oberbayern eine für den Landkreis einzigartige neue Betriebsstätte in Geretsried

Von Felicitas Amler

Die Oberland-Werkstätten (OLW) haben am Dienstag den ersten Spatenstich für ein einzigartiges Vorhaben im Landkreis gesetzt: An der Lausitzer Straße in Geretsried errichtet das gemeinnützige Unternehmen einen Betrieb, der 54 Menschen mit psychischen Erkrankungen einen qualifizierten, aber an individuelle Bedürfnisse angepassten Arbeitsplatz gibt. Der Bezirk Oberbayern fördert das Projekt, da damit das Angebot für seelisch erkrankte Menschen im Landkreis erweitert wird.

Die Oberland-Werkstätten unterhalten seit mehr als 45 Jahren Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau. Die Einsatzbereiche umfassen Holz- und Metallbearbeitung, Montage, Wäscherei, Küche, Hauswirtschaft und Logistik. Spezielle Einrichtungen für Personen mit psychischen Erkrankungen haben die OLW bereits in Polling und in Miesbach. Diese firmieren unter "Oberland Impuls", und so wird auch das neue Haus in der Stadt Geretsried heißen.

Der Geretsrieder OLW-Betriebsleiter Raimund Weindl sagt, der Bezirk sei schon vor einigen Jahren an die Oberland-Werkstätten herangetreten mit der Bitte, auch in Bad Tölz-Wolfratshausen einen solchen Standort zu schaffen. Es habe dann aber zwei Jahre gedauert, bis die OLW ein Grundstück gefunden hätten, das in Größe, Lage und Preis passt. An der Lausitzer Straße verfügt das Unternehmen nun über 3000 Quadratmeter Grund, eingebettet in die Infrastruktur rund um die Sudetenstraße, die sowohl eine günstige Bus-Anbindung als auch die Möglichkeit zu Einkauf und Einkehr bietet.

"Oberland Impuls"

Die gesellschaftlichen Veränderungen führten zu einer Zunahme der psychischen Erkrankungen wie Sucht oder Depression, sagt Weindl, daher sei auch der Bedarf an geeigneten Arbeitsplätzen außerhalb des Markts gewachsen. Der "Oberland Impuls" Geretsried soll auf rund 1500 Quadratmetern Fläche in vier Bereiche gegliedert werden. Ein Teil soll Montagearbeiten ermöglichen; für die anderen Abschnitte würden neue Arbeitsangebote entwickelt, sagt Weindl, die spezieller auf die Bedürfnisse seelisch erkrankter Menschen abgestimmt sein sollen. Diese seien im Vergleich zu den geistig behinderten Menschen kognitiv leistungsfähiger, und sie kämen nicht selten schon mit abgeschlossenen Ausbildungen, da sich ihre Erkrankung oft erst im Erwachsenenalter einstelle. Die OLW dächten jedenfalls für den "Impuls" auch an Computerarbeitsplätze.

Das neue Haus wird nach Auskunft des Betriebsleiters fünf bis sechs Millionen Euro kosten. Es hat zusätzlich zum Erdgeschoss mit den Arbeitsplätzen ein kleines Obergeschoss ausschließlich für die Haustechnik.

In Geretsried unterhalten die Werkstätten zusätzlich zum regulären Betrieb bereits eine sogenannte Übergangsgruppe mit 18 psychisch kranken Personen; diese werde komplett in den neuen Betrieb umziehen, sagt Weindl. Interessenten könnten sich auch schon für das neue Haus bewerben. Mit dem "Impuls" in Miesbach hätten die OWL bereits sehr gute Erfahrungen gemacht, erklärt Weindl. Dort gebe es 30 Plätze, aktuelle werde über eine Erweiterung nachgedacht.

An der Lausitzer Straße soll nach derzeitiger Planung im Juni 2022 der Betrieb beginnen können. Bis dahin werde, so das Unternehmen, "ein sehr hochwertiges Arbeitsplatzangebot" geschaffen werden. "Wir unterstützten Menschen mit einer seelischen Erkrankung, die aktuell nicht in der Lage sind, am allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbsfähig zu sein", so die OLW auf ihrer Homepage, "und bieten unterschiedlichste Tätigkeiten in einer stabilen sozialen Gemeinschaft an." Dabei würden berufliche, persönliche und soziale Kompetenzen gefördert. Es gebe verschiedene Anforderungsgrade und Leistungsstufen; die berufliche Neuorientierung werde unterstützt, mögliche Zukunftsperspektiven erarbeitet. "Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen Ziele", so richten sich die Oberland-Werkstätten direkt an Interessenten, "und streben eine dauerhafte Beschäftigung entsprechend Ihrem individuellen Leistungsvermögen an."

www.o-l-w.de

© SZ vom 14.04.2021
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Ein Geschoss für vier Arbeitsbereiche, dazu ein Obergeschoss für die Technik.

(Foto: Quelle: ABH Hagleitner Architekten/oh)

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