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Leben in Wolfratshausen:Auf der Zielgeraden für die Wiederbelebung

Das früher beliebte Rathauscafé steht seit annähernd zwei Jahren leer. Nun soll es bald zur Vertragsunterzeichnung mit einem neuen Pächter kommen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Nach langem Leerstand zeichnet sich ein neuer Pächter für das Wolfratshauser Rathauscafé im Herzen der Stadt ab.

Von Konstantin Kaip

Das Rathauscafé in Wolfratshausen steht seit bald zwei Jahren leer. Dass es einen neuen Pächter bekommt, hat Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) schon im Dezember verkündet. Über dessen Identität aber hüllt er sich in Schweigen, bis der Pachtvertrag unterzeichnet ist. Nun aber zeichnet sich ab, wer das zentrale Café am Loisachufer im Herzen der Stadt übernehmen wird: Wie zu hören ist, soll es sich Hans-Joachim Kunstmann handeln, den Vorsitzenden des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen.

Kunstmann, der seit Frühling 2019 das Restaurant "Da Nonno" in der Pupplinger Au betreibt und zudem mehrere Hotels in Ostdeutschland und München, will das auf Anfrage "nicht dementieren und auch nicht bestätigen". Und auch Heilinglechner hält daran fest, bis zur Vertragsunterzeichnung keine Namen zu nennen. Diese sei aber "auf der Zielgeraden", sagt der Bürgermeister. Es seien lediglich noch Fragen der Übergabe zu klären, die die technischen Voraussetzungen am Gebäude betreffen. Heilinglechner rechnet damit, dass die Unterschriften unter dem Vertrag bis voraussichtlich Ende kommender Woche stehen. Dann wolle die Stadt mit dem neuen Pächter an die Öffentlichkeit treten und auch das Konzept für das neue Rathauscafé vorstellen. Dass es sich bei dem Betreiber, der den Zuschlag vom Stadtrat erhalten hat, um einen "in der Region bekannten erfahrenen Gastronom" handle, hatte Heilinglechner schon im Dezember durchblicken lassen.

Die Zurückhaltung ist wohl auch der jüngsten Historie geschuldet: Weil der Vorpächter Franz Haberzettl keine Schanklizenz hatte und das Café im Frühling 2019 mit Mietschulden räumen musste, hatte es die Stadt neu ausgeschrieben. Der Stadtrat entschied sich daraufhin für die einstige "Ratscherl"-Wirtin Rita Schmid und Barbara Schramm-Kastl als neue Bewerberinnen. Die designierten Pächterinnen wurden im Februar vergangenen Jahres im Rathaus vorgestellt. Dann aber platze der Vertrag: Der Stadtrat lehnte die Pläne der beiden Wolfratshauserinnen ab, die im Keller der städtischen Immobilie eine Backstube wollten. Diese hätte laut der mit der Sanierung beauftragten Städtischen Immobilien- und Verwaltungsgesellschaft (Stäwo) Mehrkosten von mindestens 300 000 Euro verursacht.

Saniert wird nun vor allem das Erdgeschoss mit Gastraum und Küche. Die Kosten für die dringend nötige Ertüchtigung sind im Stadtrat auf mehr als eine halbe Million Euro beziffert worden. Im Keller ist weiterhin lediglich ein Lager vorgesehen. Eine Backstube wird Kunstmann auch nicht brauchen. Schließlich hat der Wolfratshauser mit seiner Ex-Frau und Geschäftspartnerin Michaela Kunstmann eine eigene Bäckerei gegründet, die täglich frische Waren in einer Backstube in Ascholding produziert. "Aehrenwert" nennen sie die Firma, für die sie in der einstigen Weidacher Bäckerei schon eine Verkaufsstelle betreiben und die wohl auch das Rathauscafé mit Brot, Semmeln, Gebäck und Torten versorgen wird.

Dem Vernehmen nach plant Kunstmann am Loisachufer einen Cafébetrieb mit Mittagstisch und Backwarenverkauf. Das Angebot orientiert sich demnach an dem, was die Kunden aus der Zeit der langjährigen Betreiberin Rita Streicher gewöhnt sind. Im Erscheinungsbild soll das Rathauscafé aber moderner werden. Und der neue Pächter will offenbar auch dem Wunsch der Stadt nach längeren Öffnungszeiten nachkommen. Das Rathauscafé, so ist zu hören, soll künftig bis 1 Uhr nachts geöffnet haben.

Mehr Details werden Heilinglechner und Kunstmann vermutlich bald bekanntgeben. Wenn der Umbau beendet ist und das Café im Herzen der Altstadt endlich wieder eröffnet, schließt sich eine gastronomische Lücke, die viele Wolfratshauser als schmerzhaft empfinden. Die schwierige Geschichte um das Rathauscafé könnte ein glückliches Ende nehmen. Schließlich hat Rita Schmid inzwischen in der Kreisklinik, deren Cafeteria sie übernimmt, eine neue Bleibe für ihr "Ratscherl" gefunden. Und Barbara Schramm-Kastl hat in Gelting eine Produktionsstätte für ihre Pralinen aufgemacht.

© SZ vom 04.03.2021
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