Leben in Bad Tölz:Wohnungsnot, Sitzbänke und neues Pflegeheim

Leben in Bad Tölz: Die Tage des Alten- und Pflegeheims Josefstift an der Bahnhofstraße sind gezählt. Auf der Flinthöhe plant die Stadt Bad Tölz einen Neubau.

Die Tage des Alten- und Pflegeheims Josefstift an der Bahnhofstraße sind gezählt. Auf der Flinthöhe plant die Stadt Bad Tölz einen Neubau.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadt Bad Tölz und der Seniorenbeirat des Landkreises diskutieren über Projekte für ältere Menschen in der Kurstadt

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Ute Reuter vom Seniorenbeirat des Landkreises bekam unlängst einen Anruf von einer Nachbarin. Die betagte Frau erzählte verzweifelt, dass ihr die Mietwohnung gekündigt worden sei - und was sie denn nun machen solle. Ein Problem, mit dem sie der Beirätin zufolge nicht alleine dasteht. Alte Menschen seien zunehmend von Wohnungsnot betroffen, vor allem nach Kündigungen wegen Eigenbedarfs. "Sie finden auf dem Markt keine Wohnung mehr", erzählte Ute Reuter in der jüngsten Sitzung des Seniorenbeirats. "Oft heißt es: Nein danke, Sie sind zu alt."

Um die Seniorenpolitik in Bad Tölz drehte sich das Treffen des Beirats im großen Saal des Tölzer Rathauses. Mit Blick auf ihre Nachbarin wollte Reuter wissen, ob beim Bau eines Seniorenzentrums auf dem Gelände des Josefistifts auch Wohnungen für ältere Menschen entstehen. Dabei könne man sich kleine Apartments und WGs, mit Küche und Gemeinschaftsräumen, vorstellen, sagte die Beirätin. "Das wäre eine große Bereicherung auch für die Stadtentwicklung." Dem pflichtete Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) bei. Allerdings wies er darauf hin, dass das Thema Wohnen nicht nur die ältere Generation betreffe. Junge Leute, Familien, sozial Schwache, Menschen mit Behinderung, Haustierbesitzer: "Es gibt keine Gruppe in Bad Tölz, die nicht dieses Problem hat", sagte Mehner. Deshalb sei in dem neuen Seniorenzentrum auch an Domizile für Mitarbeiter gedacht, also für Pflegekräfte. Die Stadt habe im Übrigen bezahlbare Wohnungen an der Osterleite und der Königsdorfer Straße errichtet. "Wir packen an, aber wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass wir das Wohnungsproblem alleine und in fünf Jahren lösen."

Was den geplanten Neubau des Pflegeheims auf der Flinthöhe anbelangt, unterstrich der Tölzer Bürgermeister, dass die Stadt dafür einen Investor und einen Betreiber suche. Die Ausschreibung sei nicht so einfach, da man sie mit "qualitativen Auflagen" verknüpfe, sagte er: "Wir suchen nach einem freien gemeinnützigen Träger mit sozialem Hintergrund." Wichtig sei, sich gegen ein Ausfallrisiko bei den Pflegekräften abzusichern. Für die Bewohner solle der Wechsel des Trägers nicht spürbar sein. Das Josefistift gehört der Josefispitalstiftung, die auch Trägerin ist, die Stadt fungiert quasi als Geschäftsführerin. Beide sind bei einem Neubau nicht mehr im Boot. Wie lange das Verfahren für das neue Heim auf der Flinthöhe denn daure, wollte Mechthild Felsch vom Seniorenbeirat wissen. Die Frage könne er zurzeit nicht seriös beantworten, erwiderte Mehner. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran."

Die Seniorenpolitik in Bad Tölz bezeichnete der Rathauschef als zum einen leicht, zum anderen schwer. Leicht deshalb, weil die Stadt unter anderem eine integrierte Sozialplanung, Einrichtungen wie "Alt & Selbständig" (Caritas), Computersenioren und rührige Vereine hat. "Das sind wunderbare Strukturen." Schwer aber auch, weil Bad Tölz wie das gesamte Voralpenland eine Zuzugsregion für Senioren sei. Manche von ihnen integrierten sich rasch, andere fänden kaum Kontakt. Ihm sei es wichtig, "dass wir in allen Stadtteilen eine gute Durchmischung haben", betonte Mehner.

Das Miteinander als Leitmotiv hob auch Franz Späth hervor. "Senioren wollen nicht nur betreut werden, sie wollen mitmachen und mitgestalten, sie sollen ein normaler Teil der Gesellschaft sein", betonte der kommunale Sozialplaner. Er führte zahlreiche Beispiele auf, wo dies in Tölz möglich sei: das Projekt Mehrgenerationenwohnen, der AK Senioren, "Buntes Bad Tölz" und "Winterzauber", die Angebote im "Weltraum" am Vichyplatz, und so fort. Die Corona-Zeit habe gezeigt, dass das soziale Netzwerk in der Kurstadt funktioniere: "Da war ganz viel Hilfsbereitschaft, vor allem von Vereinen."

Anrufe von Senioren erhält auch Ulrike Bomhard (FWG). Manche wollten wissen, wie sie an Lebensmittel kommen, andere fragten, wo das Mehrgenerationenhaus sei, sagte die Seniorenbeauftragte des Stadtrats. Von einer Sportgruppe für Hochbetagte, die sie selbst leitet, bis zu den Offerten für Senioren in der Reihe "Stadt mit der besonderen Note" biete Tölz manch Außergewöhnliches. Gefreut hat sich Bomhard über die Sitzbänke, die Bürgermeister Mehner in der Marktstraße aufstellen ließ. Darum hatte sie lange gekämpft. Späth sagte: "Das Echo darauf war auch bei mir gewaltig."

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