Leben im Alter:Neues Pflegeheim ohne eigene Küche

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Pflegeheim Lenggries

Der Entwurf für das Lenggrieser Pflegeheim wurde etwas geändert. Zwischen den beiden Hauptgebäuden gibt es nun einen Mittelbau.

(Foto: Sweco/oh)

Der Lenggrieser Gemeinderat stimmt dem geänderten Konzept mit zehn Prozent weniger Kosten zu. Das alte Gebäude soll abgerissen und durch neue Personalwohnungen ersetzt werden

Von Petra Schneider, Lenggries

Seit im vergangenen Oktober die ersten Kalkulationen für das neue Pflegeheim an der Karwendelstraße bekannt wurden, gab es diverse Gespräche zwischen Caritas und Gemeinde: Die Kosten von rund 20 Millionen Euro brutto plus rund zwei Millionen für die Küche, welche die Caritas hätte zahlen müssen, sollten verringert werden. Denn die Gesamtkosten werden letztlich auf die Bewohner umgelegt. Im Mai stimmte der Gemeinderat zähneknirschend zu, die Küche zu streichen und Bewohner und Personal stattdessen mit Mahlzeiten zu beliefern, die nur noch fertig zubereitet werden müssen. Das Küchenpersonal soll weiter beschäftigt werden. Diese Entscheidung machte eine Umplanung nötig, die am Montag im Gemeinderat vorgestellt wurde. Demnach soll das neue Pflegeheim statt drei Gebäudeteilen nur noch einen Ost- und einen Westflügel bekommen, in dem vorrangig die Bewohnerzimmer untergebracht sind.

In einem Mittelbau sind die Gemeinschafts- und Speiseräume geplant. Auf drei Geschossen sollen je zwei Pflegegruppen mit insgesamt 90 Plätzen zur Verfügung stehen. Insgesamt werde das Gebäude etwas kleiner, erklärte Architektin Claudia Specht vom Planungsbüro Sweco. Die "schlichte Formensprache" der ursprünglichen Vorplanung soll beibehalten werden. Durch die Änderung ergebe sich eine Einsparung von zehn Prozent; dies entspricht im wesentlichen dem Anteil für die Küche. Die Kosten für die Gemeinde verringern sich nicht. Sie bleiben bei 20 Millionen Euro und sollen durch Pachtzahlungen der Caritas refinanziert werden.

Nach längerer Beratung wurde am Montag auch über die Zukunft des Bestandsgebäudes auf dem Gelände entschieden. Mit 19 zu fünf Stimmen votierten die Gemeinderäte für einen Abriss, weil ein Umbau zu Personalwohnungen nicht wirtschaftlich und auch von den räumlichen Gegebenheiten her nicht sinnvoll sei. Dass bezahlbarer Wohnraum für Pflegekräfte gebraucht werde, war unbestritten; diese will man aber lieber neu bauen, weil es dafür "Fördermodelle gebe, die die Gemeindekasse nicht so stark belasten", wie Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) sagte.

Bei der Caritas ist man mit den neuen Planungen zufrieden. "Dem Projekt sollte jetzt nichts mehr im Weg stehen", sagte Doris Schneider, Geschäftsführerin für den Bereich Caritas-Altenheime. Man habe wochenlang gerungen und "viel Hirnschmalz" investiert. Nun habe auch der Aufsichtsrat der Caritas ein "gutes Bauchgefühl". Dennoch müssten die Kosten weiter fest im Blick gehalten werden, warnte Schneider. "Denn letztendlich zahlen das nicht die Caritas und nicht die Gemeinde, sondern die Bewohner."

Das neue Pflegeheim, das sich in dem L-förmigen Grundstück an das Bestandsgebäude anschließt, das dann abgerissen werden soll, wird von der Karwendelstraße aus erschlossen. Der Haupteingang ist im Osten geplant und soll das Gebäude über eine Promenade mit dem Haus der Senioren verbinden. Beheizt wird das neue Pflegeheim über das Fernwärmenetz bei der Schule. Die neue Vorplanung wurde mit 22 zu zwei Stimmen gebilligt. Sie soll nun als Genehmigungsplanung eingereicht werden.

Länger diskutiert wurde über das Bestandsgebäude, genauer über den Anbau an das alte Krankenhaus, dessen Abriss bereits länger feststeht. Dass man den Anbau zu günstigen Personalwohnungen umbauen könnte, wurde von einigen Gemeinderäten als sinnvoll erachtet. Am Ende entschied sich die Mehrheit aber doch für einen Abriss, der mit rund einer halben Millionen Euro veranschlagt wird. Wie Architektin Specht erklärte, würde eine Generalsanierung 80 Prozent der Kosten eines Neubaus verursachen. Ob ein Umbau zu Wohnungen in einem Gebäude, das als Pflegeheim konzipiert ist, sinnvoll ist, wurde bezweifelt. Der vorhandene Bau sei eigentlich zu groß. Zudem lege dessen Kubatur nötigen Umplanungen ein Korsett an. Und das Haus bleibe, auch nach einer teuren Generalsanierung, "ein altes Gebäude", gab Günter Haubner (FWG) zu bedenken.

Der Gemeinderat folgte mehrheitlich diesen Argumenten, zumal man sich einig war, dass man nicht auf Personalwohnungen verzichten, sondern diese neu bauen will. Roman Haehl (Grüne) regte an, dann auch gleich einen Spielplatz auf dem Gelände einzuplanen. Anlass für den Vorschlag sei die Unterschriftenaktion der neunjährigen Lisa Simon gewesen, sagte Haehl. Sie hatte bei der Gemeinde 147 Unterschriften abgegeben, die sich für die Kastanie an der Feuerwehrzufahrt beim Trampelpfad einsetzen. Der Baum muss gefällt werden, weil er mitten im geplanten Baukörper stünde. Sie wünsche sich aber "einen Ort zum Austoben für uns Kinder", hatte die Neunjährige in einem Brief geschrieben, den der Gemeinderat am Montag zur Kenntnis nahm.

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