Leader-Projekt vor der Vollendung:Sternguckers Freude

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Es ist ein großer Moment für den Verein Isartalsternwarte in Königsdorf: Das Teleskop für die 400 000 Euro teure Anlage wurde am Dienstag eingebaut. Die ersten Führungen sind im August geplant

Von Barbara Szymanski

Nur mühsam können die Mitglieder des Vereins Isartalsternwarte ihre Aufregung unterdrücken. Denn am Dienstag wurde das Herzstück des neuen Königsdorfer Observatoriums in der Nähe der Jugendsiedlung Hochland geliefert und in der Kuppel montiert: das Teleskop mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern, das nebst der sogenannten Montierung gut 250 Kilogramm wiegt. "Das ist ein Wendepunkt", sagt Vereinsvorsitzender Kurt Motl und zückt einmal mehr seinen Fotoapparat.

Im Lieferwagen ist immerhin schon die Montierung zu sehen. Tiefschwarz und mit der Anmutung einer modernen Skulptur. Der Spiegel ruht noch in seiner Verpackung. Elektroingenieur und Vereinsmitglied Martin Brückner weiß, dass das Teleskop auf ein millionstel Millimeter genau als Ellipse geschliffen ist und es auf eine 800- bis 900-fache Vergrößerung bringt wenn es heißt, Sonnenflecken und Protuberanzen zu beobachten. Oder wie derzeit die gut sichtbaren Planeten, den rötlichen Mars und den Saturn mit seinem Ring aus Wassereis und Gesteinsbrocken. Das System hört auf den schönen Namen "Planewave" und wurde in den USA hergestellt.

Alle warten auf den Kran, der das Teleskop in die Kuppel hieven soll. Und alle beobachten sorgenvoll die dunklen Wolken, wovon sich aber nur eine direkt über der Sternwarte entleert. Regen würde den empfindlichen Geräten und dem Kuppelinneren schaden, sagt Teleskopwart Werner Eich ernst. Dann endlich das Geräusch, auf das alle warten: der leistungsstarke Teleskop-Ladekran mit Michael Will von der gleichnamigen Stahlbaufirma aus Königsdorf an den Schalthebeln. Die Vereinsmitglieder überlassen das sichere Vertäuen den Spezialisten aus Mammendorf. Die Monteure und der Kranführer verständigen sich beim Hochwuchten der Montierung lediglich mit Handzeichen und bleiben vollkommen ruhig.

Das ändert sich schlagartig, als das empfindliche Teleskop in die Kuppel transportiert werden muss. Laute Befehle fallen nun wie "Stopp, runter, links, etwas hoch, Stopp!" Irgendjemand stöhnt vor Anspannung. Ein gutes Dutzend Fotoapparate klicken und blitzen. Und dann hat sich das Spiegelsystem in die Montierung eingeklinkt. Es gibt Applaus, und die Monteure lächeln erleichtert.

Wer nun glaubt, es geht gleich los mit Himmelsbeobachtungen, hat sich getäuscht. Motl erklärt, dass die Feinjustierung noch einige Wochen dauert, und die zwölf aktiven Vereinsmitglieder von insgesamt 60 hier in der Rothmühle noch einige Nächte verbringen werden. Diese Feinarbeit ist nicht die einzige, die die Männer von der Isartalsternwarte leisten. Fast den kompletten Innenausbau des Gebäudes sowie dessen Holzverschalung haben sie gestemmt. Das Observatorium kostet insgesamt 400 000 Euro. Vom EU-Förderprogramm Leader hat der Verein die Höchstförderung, nämlich 150 000 Euro, zugesagt bekommen. Dafür hat sich der Verein verpflichtet, die Sternwarte für jedermann zu öffnen und vor allem mit Schulen und der Jugendbildungsstätte Hochland zu kooperieren.

Laut Kurt Motl ist fest eingeplant, die ersten Führungen schon von August an anzubieten. Vorgesehen sind später Vorträge in einem Raum des Gebäudes, in dem gut und gerne eine Schulklasse Platz hat. Dabei ist der Sommer gar nicht die hohe Zeit der Sternengucker. Kurt Motl und seine Freunde freuen sich auf Herbst und Winter, auf lange Nächte und klaren Himmel. "Das ist eben ein Schönwetter-Hobby", stellt Martin Brückner fest.

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