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Freizeit:Langlaufen bis ins Alpenvorland

Nach den neuerlichen Schneefällen ist Langlauf auch im nördlicheren Alpenvorland möglich: Zum Beispiel auf der Loipe in Walchstadt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Weil es in den vergangenen Tagen viel geschneit hat, sind selbst im nördlichen Landkreis Loipen gespurt. Schilder weisen die Sportler auf Abstandsregeln hin. Nur die Blomberger Höhenloipe muss warten, weil der Liftbetrieb weiterhin verboten ist.

Von Benjamin Engel, Bad Tölz-Wolfratshausen

Die Unterlage hat im Vorjahr gefehlt, heuer macht die Pandemie die Premiere zunichte: Zum Jahreswechsel des Vorwinters wollten die Stadt und der Skiclub Bad Tölz erstmals eine Höhenloipe auf dem Blomberg spuren. Doch selbst auf 1300 Metern Meereshöhe blieb genug Schnee aus, um die Idee des Vereinsvorsitzenden und im vergangenen Frühjahr zum Tölzer Bürgermeister gewählten Ingo Mehner (CSU) umsetzen zu können. Heuer wird es keine Loipe geben, weil unklar ist, wann und ob der im Lockdown geschlossene Blomberg-Sessellift wieder in Betrieb gehen darf. Damit sollen die Langläufer nach oben kommen.

Solange das nicht funktioniert, kann es für Brita Hohenreiter keine Höhenloipe am Berg geben. "Der Aufwand muss sich lohnen", sagt die Tölzer Kur- und Tourismusdirektorin. Der im Vorjahr angedachte viertägige Probebetrieb hätte klären sollen, ob das Angebot bei den Sportlern ankommt. Damals hatte Hohenreiter von einer "Win-Win-Situation" und einem "Mehrwert für den Tourismus" gesprochen.

Obwohl inzwischen im Alpenvorland genug Schnee zum Langlaufen liegt, sieht Hohenreiter kaum eine Chance, die zwei Kilometer lange Höhenloipe heuer zu spuren. Je mehr der Winter Richtung Frühjahr fortschreite, umso weniger Menschen hätten Lust auf Schneeaktivitäten. Ein Pilotversuch sei dann wenig sinnvoll. "Wir haben das Projekt aber im Hinterkopf", sagt sie.

Für Alpinskifahrer stehen die Lifte am Lenggrieser Hausberg Brauneck während des Lockdowns bis mindestens Ende Januar still. Doch im bekanntesten Wintersportort der Region sind die Loipen gespurt. Die Gemeinde verlangt zwei Euro Gebühr. Die Leiterin der Tourist-Information, Ursula Dinter-Adolf, kann gut nachvollziehen, dass Ausflügler aus der Stadt im Winter in der Natur unterwegs sein wollen. Mehr gehe es aber darum, den Einheimischen Sportmöglichkeiten zu geben, sagt Dinter-Adolf.

Von "perfekten Bedingungen" auf der 17,5 Kilometer lange Loipe zwischen Bad Tölz und dem Kloster Reutberg spricht dagegen Josef Mayr vom Tölzer Bauhof. Nach den jüngst ergiebigen Schneefällen war er am Montagvormittag erneut auf der Strecke unterwegs, um nachzuspuren. Etwa zwei Stunden braucht er dafür, sagt er. Zusätzliche Schilder würden auf die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln hinweisen. Ebenso hat der Skiclub Bad Tölz die etwas mehr als vier Kilometer lange Loipe bei Ellbach präpariert.

Weil die Gastronomie zu ist, fehlt es an öffentlichen Toiletten - die Lösung sind Dixi-Klos

In der Jachenau hat es so stark geschneit, dass das ausgedehnte Loipennetz am Montag ganztätig geschlossen bleiben musste. Um die schöne Winterlandschaft zu genießen, sind heuer bereits viele Ausflügler ins Tal gekommen. "Die Parkplätze sind voll", sagte Bürgermeister Nikolaus Rauchenberger schon in der Vorwoche. Die Gemeinde hat inzwischen die 40 Kilometer lange Strecke für klassische Technik und 35 Kilometer für Skater angelegt. Das dauere circa acht Stunden, schätzt der Bürgermeister, und gehe bei mindestens 30 Zentimetern Unterlage. Das helfe, die Wintersportler zu kanalisieren, die bislang kreuz und quer über die Wiesen unterwegs gewesen seien. Damit werde auch das Wild weniger gestört.

Selbst an ausreichend Toiletten ist gedacht. Die Gemeinde habe zusätzliche Dixi-Klos bestellt, berichtet Rauchenberger. Ein beauftragtes Unternehmen werde die mobilen Anlagen an den Einstiegsparkplätzen zur Loipe aufstellen und reinigen. Somit schaffe die Gemeinde Ersatz, weil die Gastronomie und Hotellerie im Lockdown geschlossen hätten und damit öffentliche Toiletten fehlten.

Um genügend Abstand zwischen den Sportlern zu gewährleisten, plant die Gemeinde Jachenau, auch die Laufrichtung auf der Loipe vorzugeben. Darauf und auf alle weiteren Pandemie-Regeln sollen laut Rauchenberger Hinweistafeln aufmerksam machen. Die Kommune verlangt eine Loipengebühr von vier Euro.

Daran, heuer eine Loipe gar nicht erst anzulegen und so womöglich Ausflügler abzuhalten, hat Rauchenberger nie gedacht. "Die sind sowieso da", sagt er. Jetzt freut er sich, dass es auch im Flachland weiter nördlich so viel geschneit hat, um auch dort Langlaufen zu können. Damit, so hofft er, konzentriere sich der Andrang der nordischen Sportler nicht allein auf die Jachenau.

Wer ganz im Norden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen zum Langlaufen will, muss spontan sein. In vielen Wintern ist das dort gar nicht oder wenn nur kurze Zeit möglich. Am Montag meldete der Wintersportverein Isartal-Icking (WSVI) auf der Homepage, dass die Loipen bei Walchstadt und Dorfen gespurt sind. Genauso wie am westlichen Hochufer der Isar spuren auch zwischen Thanning (Gemeinde Egling) und dem Kloster Dietramszell Ehrenamtliche die Strecken. Daher freut sich Georg Hodolitsch, der Vorsitzende des SC Moosham, wenn Sportler bei der Nutzung der 20 Kilometer langen Loipe in den aufgestellten Boxen Geld spenden. Denn bis zum Spurgerät finanziere der Verein alles selbst, sagt er.

Auf der Böhmwiese bei Geretsried ist derzeit noch kein Loipenbetrieb. Bis vergangene Woche habe es zu wenig geschneit und gefroren, um das Spurgerät ohne Flurschäden einsetzen zu können, sagt Stadtsprecher Thomas Loibl. Sobald Langlaufsport möglich sei, werde dies auf der Geretsrieder Homepage gemeldet.

© SZ vom 19.01.2021
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