Agrarpolitik in Icking:Nothilfe für die Bauern

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Agrarpolitik in Icking: Bis zu 150 Liter Trinkwasser braucht eine Kuh an einem heißen Tag. Bei hohen Preisen wie in Icking kommt da schnell eine hohe Rechnung auf die Bauern zu.

Bis zu 150 Liter Trinkwasser braucht eine Kuh an einem heißen Tag. Bei hohen Preisen wie in Icking kommt da schnell eine hohe Rechnung auf die Bauern zu.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die hohen Wasserpreise in der Gemeinde gefährden die Existenz der Landwirte. Ihnen soll mit Einmalzahlungen und einem Prämienmodell geholfen werden.

Von Susanne Hauck, Ickking

Anfang des Jahres hatte es in der Gemeinde Icking einen Aufschrei des Entsetzens über die neuen Wasserpreise gegeben. Mit 3,88 Euro für einen Kubikmeter Wasser sind die Gebühren doppelt so hoch wie vorher, so teuer wie nirgendwo sonst. Was der Ickinger Poolbesitzer aber vielleicht achselzuckend aus der Portokasse zahlt und Otto Normalverbraucher aus Sparsamkeitsgründen zum Waschlappen greifen lässt, trifft die Bauern im Dorf umso härter. Mal eben so flatterten ihnen Jahresrechnungen von 10 000 Euro und mehr ins Haus. Für besonders viel Ärger sorgte der Aspekt, dass es ein hausgemachtes Problem war: Die Gemeinde hatte die Sanierung ihrer maroden Wasserleitungen jahrzehntelang verschlafen und war nun gezwungen, die kostspielige Reparatur auf erhöhte Wassergebühren umzulegen.

Wütende Milchviehhalter liefen im Rathaus Sturm. Manche dachten gar daran, alles hinzuschmeißen. Die Gemeinde sah die Zwangslage der Bauern zwar ein, deren Kühe an heißen Tagen bis zu 150 Liter am Tag trinken. Wegen der Hygieneverordnungen müssen die Landwirte ihre Anlage mit wertvollem Trinkwasser spülen. Doch guter Rat war teuer, denn Gebührennachlässe speziell für die Bauern sind aus rechtlichen Gründen verboten. Jedoch versprach die Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI), sich etwas einfallen zu lassen und eine Art Schutzschirm aufzuspannen.

Das hat zwar viele Monate gedauert, doch jetzt wurde das Programm am Donnerstag im Umweltausschuss erstmals vorgestellt. Auch die viehhaltenden Bauern waren eigens eingeladen worden und durften am Sitzungstisch Platz nehmen, um mitzureden. Das A und O der Maßnahmen ist die sogenannte "Nothilfe Tränkewasser". Sie soll vorerst für die Jahre 2022 bis 2024 einmal jährlich gezahlt werden, und zwar gekoppelt an die Großvieheinheiten. Das ist eine Maßeinheit in der Landwirtschaft, die 500 Kilo beträgt - so viel wie ein ausgewachsenes Rind. Wie viel Geld da fließen wird, blieb in der öffentlichen Sitzung allerdings unter Verschluss.

"Die Bauern leisten bei der Wassergebühr ein Sonderopfer", erklärte Reithmann. Die Gemeinde wolle durch das Programm helfen, die hart getroffenen, bäuerlichen Familienbetriebe in Icking zu erhalten. Vor dieser eigenwilligen "Katastrophenhilfe" warnte Otto Güllich (Ickinger Initiative) mit Nachdruck. Die Gemeinde habe kein Mandat dafür, so viel Geld in die Hand nehmen und Einzelne zu bevorzugen. Ohnehin hätten die Bauern in all den Jahrzehnten vom zu billigen Wasserpreis profitiert. Eine Argumentation, mit der er sich keine Freunde machte. Güllich musste sich von den Bauern den Vorwurf gefallen lassen, er wolle ihre Betriebe wohl absichtlich kaputtmachen. Es gehe hier um die Existenz, sagte Landwirtin Manuela Angermüller aus Walchstadt gereizt. "Wir sind nicht mehr konkurrenzfähig." Der Rest der Ausschussmitglieder sah die Kommune klar in der Pflicht, weil die Bauern das ausbaden müssten, was verschleppt worden war. "Die Gemeinde ist nicht unschuldig, deshalb sollte sie es wiedergutmachen", sagte Sabrina Stöhr (Grüne). Am Ende - und nach einer Aussprache mit den Landwirten im Nachhinein - ließ sich auch Güllich umstimmen.

Unumstritten war der zweite Ankerpunkt des Programms, der die Einführung einer Prämie auf Zisternen vorsieht, um Trinkwasser zu sparen - indem Regenwasser gesammelt und als Brauchwasser verwendet werden soll. Drittens will die Gemeinde bei der demnächst anstehenden Neuverpachtung der gemeindlichen Flächen diejenigen Landwirte zum Zuge kommen lassen, die sie besonders nachhaltig bewirtschaften. Dahinter steckt die Idee, Bodengesundheit zu verbessern, zum Beispiel mit mehrjährigen Blühstreifen oder einer naturverträglichen Wiesennutzung mit einer beschränkten Mahd. Die Pacht soll dafür besonders niedrig sein. Weil sich die anschließende Diskussion über den Sinn und Unsinn bestimmter Vergabekriterien zerfaserte, wird sich hier noch der Gemeinderat den Kopf zerbrechen müssen.

Angenommen wurde auch der Vorschlag einer Prämie zur Verschönerung des Ortsbilds. Dabei stellt sich die Bürgermeisterin insbesondere die Neupflanzung von Bäumen vor. "Es wäre eine große Freude, wenn auf den Höfen wieder Bäume für die nächste Generation entstehen würden", sagte sie. Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen bei den anwesenden Bauern der Vorschlag, die Attenhauser Straße, den Radelzhauser Weg oder die Dorfner Straße wieder mit einer Obstbaumallee zu säumen. Das würde zu viel Arbeit machen und zudem die eigenen landwirtschaftliche Flächen wegnehmen, meinte Manuela Angermüller. Ohnehin könne man überall sehen, wie das Fallobst auf der Straße verfaulen würde, weil sich keiner kümmere, war von anderen zu hören. Die Allee fiel als einziger Vorschlag durch. Über die anderen Punkte muss schlussendlich der Gemeinderat im Plenum entscheiden.

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