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Landschaften und Lichtstimmungen:Hinaus, hinaus

Annette Girke (links) und Carolin Ehret zeigen ihre Werke in der "Galerie 29" in der Starnberger Hauptstraße.

(Foto: Arlet Ulfers)

Carolin Ehret und Annette Girke in der Galerie 29

Von Katja Sebald

Lockdown und Home-Office. Keine Ausstellungen, kein Theater, kein Kino. In diesem Sommer haben viele Menschen die Natur entdeckt. Spazierengehen und Wandern sind wieder in Mode gekommen. Auch die beiden Starnberger Malerinnen Carolin Ehret und Annette Girke waren draußen unterwegs und haben danach Landschaften und Lichtstimmungen gemalt, ein einsames Zelt mitten im Wald oder einfach nur üppige Vegetation: "Nature Flash" heißt ihre gemeinsame Ausstellung, für die sie die "Galerie 29" in der Starnberger Hauptstraße gemietet haben.

Annette Girke, Jahrgang 1965, ist die amtierende Kunstpreisträgerin der Stadt Starnberg, sie arbeitet derzeit im historischen Atelier in der Paul-Thiem-Villa. Sie studierte ursprünglich Textilwirtschaft und fand erst später zur Kunst. 2001 begann sie zunächst als Schülerin des Bildhauers Max Wagner zu modellieren, von 2013 bis 2016 absolvierte sie ein Studium der Malerei bei Markus Lüpertz an der privaten Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor.

Eine eher naturalistisch-gegenständliche Herangehensweise verbindet ihre bildhauerischen und malerischen Arbeiten - und eine ganz konkrete Verbindung gibt es in dieser Ausstellung: So malte sie etwa die kleinformatige Skulptur eines Gorillas, die sie zwischen den Zimmerpflanzen auf dem Fensterbrett im Atelier platziert hatte. Auf der Leinwand erscheint der Gorilla allerdings fast in Lebensgröße und aus der Zimmerpflanze wird ein Dschungel oder zumindest ein Gehege im Tierpark. In gleicher Weise hat es ein Kamel auf die Leinwand geschafft, auch einer der uralten Bäume im sommerlich schattigen Park der Thiem-Villa ist auf einem Gemälde zu sehen. Manche der mit leichter Hand gemalten stimmungsvollen Landschaftsbilder entstanden hingegen aus der Erinnerung oder sie sind der Fantasie entsprungen. Nach diesem merkwürdigen Sommer, dem nun wohl ein merkwürdiger Winter folgen wird, gibt es auch Leinwände, die von Fernweh, Sehnsucht und Wunschvorstellungen erzählen: Es gibt "Mädchen am Strand" und Skifahrer als "Aussterbende Spezies".

Carolin Ehret, 1970 in Heidelberg geboren, ist ausgebildete Grafikdesignerin, auch sie besuchte einen Bildhauerkurs bei Max Wagner, bevor sie von 2016 bis 2019 an der Privatakademie in Kolbermoor bei Markus Lüpertz studierte. In der aktuellen Ausstellung zeigt sie die kleine, grün gestrichene Gipsfigur "Jägerin", ansonsten hat sie sich jedoch ganz der Malerei verschrieben. Ihre Bilder, für die sie Acryl- und Ölfarbe kombiniert, entstehen in einem großzügigen Duktus. Ein sicheres Farbgespür und die Fähigkeit, auch größere Formate souverän zu gestalten, verraten die Grafikerin. Hinsichtlich der Bildinhalte und ihrer Umsetzung lässt sich die Malerin nicht - oder noch nicht - festlegen: Es gibt figürliche Darstellungen, etwa eine Gruppe von Frauen in Strandkleidung in Rot und Rosé vor ockergelbem Sand und türkisgrünem Meer, der Bildtitel "Comporta" verweist auf den Urlaubsort in Portugal. Auf einer zweiten, dritten und vierten Leinwand werden dann aus dem ursprünglichen Motiv drei Farbfelder in eben jenem warmen Rosa der Sommerkleider, dem Sandton des Strandes und dem Türkis des Meeres, die sich zu durchaus überzeugenden Farbklängen fügen. Es gibt aber auch Bilder, die eindrucksvoll zeigen, dass es auch ohne die gegenständliche "Hilfskonstruktion" gehen könnte - und es ist wohl kein Zufall, dass sie alle das Wort "Flash" im Titel haben.

Galerie 29: "Nature Flash", bis 30. Oktober, montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr, Künstlerinnen sind an diesem Wochenende von 14 bis 16 Uhr anwesend, Hauptstraße 29, Starnberg, Telefon 08151/99 82 52, www.galerie29.com

© SZ vom 23.10.2020
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