Es ist ein Neuanfang mit 48 Jahren. Seit dem 22. März steht endgültig fest, dass Ludwig Schmid die Nachfolge des scheidenden Landrats Josef Niedermaier (beide Freie Wähler) antritt. Von 1. Mai an ist der Geretsrieder der neue Chef der Kreisbehörde auf der Tölzer Flinthöhe. Eigene Vorstellungen – „natürlich habe ich die“, sagt Schmid im Gespräch mit der SZ. Aber diese mit dem Brecheisen durchzusetzen, das liegt dem Kommunalpolitiker nicht. Auch weil er Respekt vor dem habe, was vor ihm liege, betont der 48-Jährige. Für ihn gehe es in den ersten sechs Jahren vor allem um mehr Kommunikation und Transparenz.
In den vergangenen Wochen hat sich Schmid auf seinen neuen Job intensiv vorbereitet, obwohl er von 4 Uhr früh bis 8 Uhr in der Backstube am Schlesischen Weg in Geretsried steht. Als Chef muss er sich auch im Büro blicken lassen. Dreimal die Woche trifft er sich seit der Stichwahl mit Noch-Landrat Niedermaier. Es gibt vieles zu besprechen. „Ich bekomme Superunterstützung.“
Dabei geht es bei Weitem nicht allein um Politisches. Schmid spricht von „profanen Dingen“. „Ich habe noch nie so viele Personalbögen ausgefüllt wie in den vergangenen zwei Wochen“, erzählt er. Der Wechsel vom selbständigen Unternehmer zum Staatsangestellten geht mit einer Unmenge an Formalien einher. Steuer-ID, Sozialversicherungsnummer, Regelung der Rentenbezüge und nicht zuletzt Eheurkunde und das letzte Arbeitszeugnis. All das muss Schmid bei der Personalabteilung im Landratsamt abgeben. „Mein letztes Arbeitszeugnis stammt aus dem Jahr 2007. An diese Sachen denkt man vorher nicht.“
Pflichttermine stehen schon fest
Seinen Führerschein musste er für die Fahrzeugflotte der Kreisbehörde hinterlegen. „Zum Registrieren und Freischalten“, so Schmid. Pflichttermine seien in seinem künftigen Terminkalender als Landrat bereits eingetragen. „Aber vollen Zugriff darauf habe ich erst vom 1. Mai an.“ Auch der elektronische Türöffner für das Landratsamt wird erst dann freigeschaltet. Wie die Mikrofone und Lautsprecher in den Sitzungssälen zu bedienen sind, hat Niedermaier seinem Nachfolger schon gezeigt.
Schmids erster Bürotag ist der 4. Mai. Doch sollte am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, der Katastrophenfall eintreten, „muss man vorbereitet sein und die Ansprechpartner wissen“, berichtet er. Welche weiteren Ämter und Sitze etwa im Verwaltungsrat der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen der künftige Landrat innehaben wird, ist ebenfalls besprochen worden. Schmid will den Vorsitz im Planungsverband Region Oberland übernehmen.

Duftmarken wolle er anfangs nicht setzen, betont Schmid. Der Kreistag müsse sich erst sortieren und neu zusammenfinden. Wer bildet mit wem Ausschussgemeinschaften, wer erhält wie viele Sitze in den diversen Kreisgremien? Und nicht zuletzt: Wie wird sich die AfD mit sieben Sitzen verhalten? „Ich möchte keinen Radikalbruch“, betont Schmid. Als er 2020 zum ersten Mal in den Kreistag gewählt wurde, bestimmte die Corona-Pandemie den Alltag. „Wir Kreisräte und Kreisrätinnen hatten kaum Kontakt untereinander“, erinnert sich der 48-Jährige. Das hätte sich zwar in den vergangenen sechs Jahren verbessert. „Trotzdem ist für mich der Zusammenhalt ein großes Thema.“
Diesen gegenseitigen Kontakt möchte der künftige Landrat auch mit den Mitgliedern der Stadt- und Gemeinderäte forcieren. Im Juni sind die Rätinnen und Räte der 21 Kommunen im Landkreis zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Ziel ist, dass diejenigen Kommunalpolitiker und -politikerinnen, die nicht im Kreistag sitzen, nicht denken, „dass dort lauter abgehobene Kasperl drin sind“.

Schmid wünscht sich für die Zukunft eine stärker vernetzte Zusammenarbeit. Das hat seinen Grund. Themen wie Wohnen, Arbeit und Mobilität könnten nicht isoliert voneinander betrachtet werden, hebt Schmid hervor. Unterschiedliche Zuständigkeiten dürften kein Hemmschuh sein, um bestmögliche Lösungen zu finden. „Mir ist schon klar, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht geben wird.“ Dass es im Kreistag zu Beginn eventuell „ruppigere Diskussionen“ geben könnte, hält Schmid für möglich. „Das gehört zur Demokratie dazu. Es muss nur anständig ablaufen. Wenn nicht, werde ich von meinem Recht als Sitzungsleiter Gebrauch machen.“
Eine Rivalität zwischen Nord- und Südlandkreis sieht der neue Landrat nicht.
Eines macht Schmid deutlich: Eine Rivalität zwischen dem Nord- und dem Südlandkreis sehe er nicht und werde sie auch nicht zulassen. „In der Jobbeschreibung steht: Landrat für den gesamten Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.“ Natürlich gebe es regionale Besonderheiten zwischen Icking und der Jachenau. „Diese Pluralität hat ihre Berechtigung.“ Bei der Diskussion um angebliche Probleme zwischen Nord und Süd spielten Emotionen eine große Rolle. „Ich bin überzeugt, dass Entscheidungen den Bürgerinnen und Bürgern besser erklärt werden müssen.“ Verbesserungen in der Öffentlichkeitsarbeit hat Schmid im Sinn.
Im Rampenlicht zu stehen, mache ihm keine Angst, sagt Schmid. Öffentlichkeit sei er durch seine Auftritte als Fastenprediger Bruder Barnabas gewohnt. Obwohl er zugibt, dass es ein Wechselbad der Gefühle gewesen sei, als der Wahlsieg endgültig feststand. Die vielen Glückwünsche, die ihn erreicht hätten, seien etwas Besonderes gewesen. Auch wenn ihn der ein oder andere durchaus überrascht habe, wie auch die Wünsche des einen oder anderen Gratulanten, dass „man bald mal miteinander sprechen“ müsse. „Da kann ich drüber schmunzeln.“
Alles andere werde sich zeigen, ist er sich sicher. Spätestens dann, wenn der Kreistag am 18. Mai zur konstituierenden Sitzung zusammentritt.

