bedeckt München 17°
vgwortpixel

Landkreisweiter Service:Weniger Arbeit, weniger Risiko

Kommunen können Vergabeverfahren künftig dem Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum übergeben

Das Kommunale Dienstleistungszentrum Oberland, das seinen Sitz auf der Tölzer Flinthöhe hat, ist schon lange nicht mehr bloß für die Jagd nach Parksündern und Rasern zuständig. Der Zweckverband treibt für die 129 Mitgliedskommunen aus elf Landkreisen im südlichen Bayern auch die Bußgelder ein, übernimmt also das sogenannte Forderungsmanagement. Nun kommt noch eine weitere Aufgabe hinzu: Die Städte und Gemeinde können die Dienste des Verbands künftig auch in Anspruch nehmen, wenn sie Waren einkaufen, Dienstleistungen oder Bauarbeiten öffentlich ausschreiben wollen. Dazu wird ein neues Vergabezentrum Oberland in Bad Tölz gegründet.

Die entsprechende Satzungsänderung billigten die Mitglieder in der Sitzung am Freitag im Landratsamt bei zwei Gegenstimmen. Die Idee: Vor allem für kleinere Gemeinden ist die Vergabe von Aufträgen, etwa für Gewerke oder Planungsleistungen, oftmals aufwendig und kostspielig. Außerdem bedarf es eines gut geschulten Personals, weil die Rechtslage nicht selten komplex ist und sich immer wieder ändert. Wenn im Vergabeverfahren etwas schief läuft, kann dies für die Kommune teuer werden. Auf der Flinthöhe wird deshalb bis Juli eine zentrale Beschaffungsstelle aufgebaut, die solche Arbeiten ab einem Auftragswert von 25 000 Euro übernimmt. Unterhalb dieser Summe ist sie beratend tätig.

Die Mitgliedsgemeinden können dieses Angebot nutzen, müssen es aber nicht. "Dieses Wahlrecht ist das Elementare", sagte Michael Braun, Geschäftsführer des Zweckverbands. Wenn sie den Zweckverband mit Vergabeverfahren beauftragen, zahlen sie einen Sockelbetrag von 33 Cent pro Einwohner im Jahr. Hinzu kommen je nach Auftrag noch weitere Kosten. Das Vergabezentrum übernimmt dafür vielfältige Aufgaben, die von der Wahl der Vergabeart über die Überwachung des Verfahrens und die Prüfung der Anbieter bis hin zur Dokumentation reichen. "Das ist ganz wichtig, denken Sie an den Prüfungsverband", sagte Braun. Die Auftragsvergabe selbst bleibt bei den Kommunen.

Das Team für die zentrale Beschaffungsstelle wird gerade aufgebaut. Leiterin wird Christin Hensel sein, die ein solches Zentrum schon in Holzkirchen geführt hat. Allerdings eines im SM-Format, wie sie sagte. Das Vergabezentrum des Zweckverbands sei hingegen XXL. In den nächsten vier Monaten stünden die Schulung des Personals, ein Vergabemanagement-System und die Kommunikation mit den Kommunen im Vordergrund, sagte Hensel. Von der Zeit her sei das Korsett eng geschnürt. "Wir werden aber ein gutes Team aufbauen, da bin ich sehr zuversichtlich." Mit dem neuen Zentrum ändern sich auch die Stimmrechte der Mitgliedskommunen im Zweckverband. Bislang hat jede Gemeinde je eine Stimme - für die Überwachung des ruhenden Verkehrs, des fließenden Verkehrs und für das Forderungsmanagement. Jetzt können es vier Stimmen sein. Bislang nehmen 47 Städte und Gemeinden am Vergabezentrum teil. Aus dem Landkreis gehören dazu Dietramszell, Kochel und Schlehdorf.

© SZ vom 07.03.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite