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Landkreis Bad Tölz:Südgemeinden misstrauen Olympia-Planern

Nach dem Aufstand der Garmischer Bauern droht den Münchner Olympia-Planern Ärger aus Bad Tölz: Mehrere Gemeinden fühlen sich übergangen.

Es ist schon öfter von mangelnder Kommunikation bei der Planung der Olympischen Spiele 2018 in München und Garmisch-Partenkirchen die Rede gewesen. Es sind nicht nur die Grundbesitzer in Garmisch-Partenkirchen, bei denen die Olympia-Bewerbungsgesellschaft den falschen Ton angeschlagen hat.

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München will wieder Olympia-Stadt werden - doch inzwischen sind es nicht nur die Grundbesitzer in Garmisch-Partenkirchen, bei denen die Bewerbungsgesellschaft offenbar nicht den Ton getroffen hat.

(Foto: ddp)

Jetzt fühlen sich auch einige Bürgermeister aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen übergangen. Der Grund: Die Betreibergesellschaft hat offenbar ein ökologisches Konzept vorgelegt, wonach in einigen Gemeinden aus dem südwestlichen Landkreis Bad Tölz neue Schutzgebiete ausgewiesen werden - falls Garmisch für die Winterspiele ausgebaut wird. Doch darüber sind weder die Gemeinden noch die betroffenen Grundeigentümer informiert. "So geht das nicht. Wir wollen wissen, was hier los ist", sagt dazu Werner Weindl, Bürgermeister in Lenggries. "Wir haben uns jetzt offiziell beschwert."

Bei Weindl hat die Bewerbungsgesellschaft zwar angefragt, welche Unterkünfte Lenggries denn den Funktionären des Internationalen Olympischen Komitees anbieten kann. Doch von den Plänen für das "grüne Schmuckstück", das Belastungen durch die Olympischen Spiele ausgleichen soll, erfuhren er und seine Kollegen eher zufällig. Weindl und die Bürgermeister aus Kochel am See, Schlehdorf und der Jachenau bekamen eine Einladung zur Bürgermeister-Dienstbesprechung nach Garmisch-Partenkirchen vom Bayerischen Gemeindetag.

Dort ging es um Ablauf und Planung der Spiele, um Parkplätze und Straßensperrungen - und um ein vierseitiges Papier zum "ökologischen Konzept". Von neuen Schutzgebieten sei bereits im ersten Satz die Rede gewesen, erklärten die vier Bürgermeister anschließend. Auch der südwestliche Landkreis Bad Tölz solle einbezogen werden.

"Mich hat massiv gestört, dass hier über uns hinweg verhandelt wird", kommentierte Thomas Holz, Bürgermeister von Kochel am See. Spricht Holz vom "grünen Schmuckstück", ist in seiner Stimme eine Mischung aus Hohn, Ironie und ein bisschen Verzweiflung. Früher sei ein Biosphären-Reservat, ein großes Naturschutzgebiet im Landkreis Garmisch und angrenzenden Gemeinden im Gespräch gewesen, dann war die Biosphäre vom Tisch. Und jetzt das.

Über Korridore und "Trittsteine" sollen nun vorhandene Schutzgebiete verbunden werden, so haben die Bürgermeister gehört. Was das bedeutet? "Noch stochern wir im Nebel", sagt Weindl. Schließlich wüssten sie noch nicht, wo überhaupt geschützt werden solle. Doch seien bereits jetzt mehr als zwei Drittel des Gemeindegebietes von Lenggries unter Schutz gestellt. Zu viel, um Entwicklung zuzulassen, meint Weindl. Am Karwendel habe gerade ein Almbauer vom Almweg zur Hütte 200 Meter Schlepperweg anlegen wollen. Die Gemeinde habe wegen des Landschaftsschutzes ablehnen müssen.

Stefan Jocher, Bürgermeister in Schlehdorf, vermutet nicht bösen Willen, sondern interne Missverständnisse zwischen dem Verfasser des ökologischen Konzepts und der Bewerbungsgesellschaft, die dazu geführt haben, dass zwar der Landesbund für Vogelschutz und der Alpenverein, aber nicht die Gemeinden und auch nicht das Landratsamt in Tölz informiert wurden.

Doch auch er ist misstrauisch. "Es muss eine Karte geben", vermutet er. "Doch die wird uns nicht gezeigt, obwohl wir sie gefordert haben." Jocher hofft, dass die Bewerbungsgesellschaft gerade nach den Erfahrungen mit den Garmischer Grundbesitzern auf konstruktive Zusammenarbeit setzt. Kämpferischer klingen Werner Weindl und Thomas Holz.

"Wir sind jetzt hellhörig", sagt Weindl. Und Holz lässt keinen Zweifel: "Wir werden uns wehren, wenn über die Köpfe der Gemeinden geplant wird."