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Kurzkritik:Samba und Sonnenuntergang

Mit seinem Gitarrenspiel verzauberte Wolfgang Mayer die Zuhörer im Freiraum in Münsing.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wolfgang Mayer begeistert als Gitarrist - und Conférencier

Der Meister persönlich steht an der Tür. Er begrüßt das Publikum, ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen, freundlich und zurückhaltend. Wolfgang Mayer trägt schwarz, einen Blazer über einem Rollkragenpullover, geschmackvolle Lederschuhe, ganz als ob er in einem großen Orchester auftreten würde. Das Publikum sitzt derweil in kleinen Grüppchen bei Suppen und anderen kleinen Speisen zu Tisch, als die Münsinger Kirche deutlich hörbar halb acht Uhr schlägt und Mayer das erste Mal in die Saiten greift. Greifen hört sich nach Arbeit an, und das ist es auch - es fällt dem Auge schwer, Mayers Händen zu folgen, so schnell bearbeiten die Finger die Saiten.

Der Gitarrist stimmt ein Stück das Brasilianers Heitor Villa-Lobos an, der "möglichst schnell berühmt werden wollte, er zog nach Paris, ging in die Salons und erzählte den Leuten von Urwaldbestien, am Ende ist aus Lobos auch was geworden, er wurde Politiker", wie Mayer erzählt. Das Publikum goutiert diese Aussage mit Lachen. Überhaupt, diese Intermezzi: Meyer weiß, ganz Conférencier, zwischen den Stücken auch zu unterhalten.

Walter Menzer ist mit seiner Frau eigens von Bad Tölz nach Münsing gefahren. "Wir haben in der Zeitung davon gelesen", sagt Menzer, "uns aber etwas ganz anderes darunter vorgestellt." Dennoch gefalle es ihnen sehr gut. "Mich erinnert Wolfang Mayer an einen Urlaubstag in Teneriffa, an dem wir uns kaum von einem Gitarrenspieler losreißen konnten."

Der Gitarrist fragt unterdessen in die Runde, was der Unterschied zwischen Münsinger und Moskauer Sonnenuntergängen sei. "Nun, über Moskauer Sonnenuntergänge wurden Gedichte und Lieder geschrieben" - so auch das nächste des russischen Gitarrenvirtuosen Sergei Orekhov.

Einmal nur mahnt Mayer zur Ruhe. Claude Debussys von Paul Verlaine inspiriertes "Clair de Lune" steht auf dem Programm, das Spiel so zart, die Töne mitunter zu leise, dass es ganz still wird im Freiraum. Durch Mayers Saitenspiel verzaubert, scheint dieser Ort einem Klang-Raumschiff gleich durch die Münsinger Nacht zu schweben.

Man ist entzückt. "Bravo!" ruft ein älterer Herr. Nun wäre es an der Zeit, auch dem kleinen Dorf im Alpenvorland ein musikalisches Denkmal zu setzen.