Wohnbebauung kommt nicht in Frage:Zweifel an Kurviertel-Plänen

Badeteil Jodquellen AG Wandelhalle Höfter Bad Tölz

Die Wandelhalle soll bleiben, was sie immer war, sagt Bürgermeister Ingo Mehner: eine Halle. Wohnungen könne er sich darin nicht vorstellen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner reagiert mit großer Skepsis auf das Gesamtkonzept der Jodquellen AG für die Flächen des Alpamare, des Jodquellenhofs und der Wandelhalle.

Von Klaus Schieder

Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) reagiert mit großer Zurückhaltung auf das Gesamtkonzept, das Anton Hoefter für die Areale der Jodquellen AG im Tölzer Kurviertel vorgelegt hat. Unter dem Motto "Leben und Arbeiten im Badeteil" hatte der Vorstandsvorsitzende eine Mischung aus einem Hotel, bezahlbaren Wohnungen, Gastronomie, Räumen für Veranstaltungen und Kultur, Satellitenbüros und Co-Working-Areas präsentiert. Diese Pläne für das Gelände des Jodquellenhofs, des Alpamare, der Wandelhalle und des Herderhauses nehme er durchaus wahr, bekundet Mehner. Allerdings fehlt ihm der rechte Glaube, dass Hoefter all dies einmal so umsetzt: "Ich stelle fest, dass das faktische Handeln regelmäßig ein anderes war."

Damit rekurriert der Rathauschef unter anderem auf den Vorbescheidsantrag, den die Jod AG für den Jodquellenhof und das Alpamare-Areal gestellt hat. Der sehe "nahezu ausschließlich Wohnbebauung vor", sagte Mehner. Wenn Hoefter das Kurviertel gerne jünger und aktiver sähe, dann hätte er bislang schon genügend Möglichkeiten gehabt, dies zu realisieren. Als Beispiele nennt er das ehemalige Kursanatorium Otto, das einst neben dem Spaßbad mit seinen Rutschen stand, den Minigolfplatz und die Fontavia-Villen. Dort sehe man ja, in welche Richtung die Wohnbebauung der Jod AG ziele, so Mehner. Dass nun im Jodquellenhof wieder ein Hotel geplant ist, sei bisher jedenfalls "nicht beantragt".

Ingo Mehner CSU Bürgermeister Stadt Bad Tölz

"Ich stelle fest, dass das faktische Handeln regelmäßig ein anderes war", sagt Bürgermeister Mehner über Hoefters Ankündigungen.

(Foto: Manfred Neubauer)

In ihrem Bebauungsplan schreibt die Stadt eine touristische Nutzung für das gesamte Gelände des Jodquellenhofs und des Alpamare vor. Eine Wohnnutzung, beharrt der Bürgermeister, "kommt für uns nicht in Frage". Er höre zwar, dass Hoefter nun gerne vernommene Schlagwörter wie Erbpacht und Mietwohnungen aufgegriffen habe, aber dafür gebe es "einzelne Flächen in Bad Tölz, wo diese Dinge funktionieren". Dagegen habe man im gesamten Stadtgebiet kein solch zentrales und großes Areal für eine touristische Nutzung wie eben jenes mit dem ehemaligen Hotel und das ehemaligen Erlebnisbad.

1928 hatte Anton Hoefter, der Großvater des heutigen Vorstandsvorsitzenden, mit dem Erlös aus dem Verkauf seiner Brauerei die Aktienmehrheit der Jodquellen AG übernommen, die damals vor allem den Hauptaktionären Michael und Eduard Steigenberger gehörte. 1930 ließ er die Wandelhalle errichten, 1970 wurde unter seinem Sohn Max Hoefter das Spaßbad "Alpamare" gebaut. All dies ist seit Jahren passé: Ende 2014 wurde der Jodquellenhof geschlossen, 2015 das Bad. Auch die Wandelhalle steht meist leer. Hoefters Konzept sieht vor, aus dem Jodquellenhof wieder ein Hotel zu machen, mit einer Co-Working-, Bar- und Eventzone im gesamten Parterre. Auf dem Alpamare-Grundstück sollen Wohnhäuser auch für Familien entstehen, zur Miete oder als Eigentum in Erbpacht. Die Wandelhalle soll ein Restaurant in der Rotunde vorne zur Ludwigspromenade, dahinter einen Veranstaltungs- und Tagungssaal bekommen. In der Halle selbst sind bis zu 15 Wohnungen geplant, die sich schmal und jeweils mit Erd- und Obergeschoss aneinander reihen. Der Raum am Ende ist für Kultur reserviert. Im Herderhaus sieht der Plan Satellitenbüros vor, im Park davor eine Zone für jungen Leute. All dies begründet Hoefter mit der sich wandelnden Arbeitswelt in Zeiten von Corona und Klimawandel, der demografischen Struktur des Badeteils und der schwindenden Bedeutung des Tourismus für Bad Tölz.

Mit dem Restaurant und dem Veranstaltungssaal in der Wandelhalle kann sich Mehner anfreunden: "Da können wir zusammenkommen". Mit dem Rest hingegen nicht. Er verweist auf den Beschluss des Stadtrats vom Juni. Darin sei nochmals festgehalten, dass die Wandelhalle "für Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge, Tagungen, Ausstellungen und private Feiern" zu nutzen sei. Wohnungen sind nicht erwähnt. Die kann sich Mehner dort auch nicht vorstellen: "Die Wandelhalle lebt von dem, was sie immer war: eine Halle." Ob das Landesamt für Denkmalpflege dem Vorhaben Hoefters wirklich zustimme, bleibe abzuwarten. "Dort legt man sich nicht fest, ehe eine konkrete Planung vorgelegt wird."

Das Gesamtkonzept der Jod AG kennt der Bürgermeister seit vorigem Jahr. Mit Hoefter habe er sich 2020 zwei Mal getroffen, mehrmals habe man telefoniert und gemailt, sagt er. Geändert hat dies nichts. Die Normenkontrollklage der Jod AG gegen den Bebauungsplan der Stadt dürfte bald vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof verhandelt werden. Hoefter zeigte sich zuversichtlich, dass das Urteil "zu unseren Gunsten" fallen werde. Der Bürgermeister betont, dass die Stadt ihren Bebauungsplan "intensiv abgewogen" und sich "intensiv mit den Interessen aller Beteiligten, darunter Hoefters", beschäftigt habe. "Ich bin sicher, dass er inhaltlich in Ordnung ist." Ein Prognose über den Ausgang des Verfahrens mag Mehner, selbst Jurist, aber nicht abgeben. "Bei Bebauungsplänen hat man nie eine Garantie."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB