Kunstakademie Eigenart:Aquasketching und schnelle Porträts

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Die Künstlerin Angela Sommerhoff zeigt einer Besucherin eines ihrer Werke in der Kunstakademie Eigenart. (Foto: Manfred Neubauer)

Beim Tag der offenen Tür in Bad Heilbrunn lassen sich vier Künstlerinnen und Künstler bei der Arbeit beobachten. Zugleich erfährt das Publikum viel über das breite Spektrum an Kursangeboten.

Von Arnold Zimprich, Bad Heilbrunn

"Das haben Sie schnell gelernt", antwortet Sophie Schmid auf die Frage, wie kompliziert es denn sei, sich die von ihr gezeigten Drucktechniken anzueignen. Schmid hat ihren Werktisch auf der Kiesfläche vor dem Haupteingang der Park-Villa in Bad Heilbrunn aufgebaut, wo sich im ersten Stock die Räumlichkeiten der Kunstakademie Eigenart befinden. Ihre zum Trocknen aufgehängten, farbenfrohen Drucke in sattem Orange und Blau bewegen sich beim Tag der offenen Tür der Akademie sanft im Wind - am liebsten würde man gleich selbst Hand anlegen.

Schnelles Malen mit Aquarellfarben und Graphitstift führte Monika Reiter vor. (Foto: Manfred Neubauer)

Gleich neben Schmids Tisch sitzt Monika Reiter beim Aquasketching, einer schnellen Maltechnik mit Aquarellfarben und Graphitstift. Mit flinker Hand skizziert sie Motive wie den Brunnen vor der Park-Villa. Und ehe es die Zuschauer bemerken, hat Reiter diese selbst auf Skizzenpapier gebannt. Reiter hat Skizzenbücher zum Durchblättern ausgelegt. Die Wirkmacht der kleinen, farbprächtigen Gemälde verblüfft. Reiter bedient sich der unterschiedlichsten Sujets, von Urlaubsszenen über Tierbilder bis hin zu Stillleben.

Georg Pfreimer beobachtet das Schaffen der beiden Open-Air-Künstlerinnen genau. "Ich habe hier selbst schon einen Malkurs gemacht", berichtet Pfreimer. Die Begeisterung darüber ist ihm noch anzumerken. Zuhause in Murnau hat er seine Werke aufgehängt und kann die Dozentinnen nur empfehlen. "Es ist schön, die eigene Kunst um sich herum zu haben", sagt Pfreimer, der mit seiner Frau zum Tag der offenen Tür nach Bad Heilbrunn gekommen ist und noch nach Bad Tölz radeln will.

Die Kunstakademie existiert seit mehr als zehn Jahren. Schwer vorstellbar, dass es ein Ambiente gibt, das noch mehr inspiriert als jenes der Park-Villa: Der Blick aus den Fenstern des Obergeschosses schweift von den bayerischen Voralpen über das Loisachtal bis in die Moorniederungen direkt nördlich der Villa. Leiterin Katrin Hoerner berichtet stolz, dass an der Akademie von Beginn an namhafte Dozentinnen und Dozenten mitwirkten. Darunter auch Manfred Schlindwein. Er arbeitet in Gengenbach bei Offenburg und stellt zum Tag der offenen Tür einige seiner Holzdrucke aus. "Ich habe Drucker gelernt", berichtet Schlindwein: "Und bin dabei geblieben." Dieses Jahr bietet er zweimal jeweils viertägige Kurse in Bad Heilbrunn an.

"Unser Kursangebot spricht sich eben herum", sagt Katrin Hoerner, Leiterin der Kunstakademie. (Foto: Manfred Neubauer)

Die Kursteilnehmer kämen aus ganz Deutschland, berichtet Katrin Hoerner, sogar aus Kensington in Pennsylvania habe sich kürzlich jemand angemeldet. "Unser Kursangebot spricht sich eben herum", sagt sie. Doch die Akademie-Leiterin macht auch selbst Werbung, zum Beispiel auf Instagram. Unter dem Titel "Von der Seele schreiben" bietet sie seit Kurzem auch Kurse in kreativem Schreiben an der Akademie an. "Ich habe gemerkt, dass dafür wachsender Bedarf besteht." Dafür hat sie selbst eigens eine Fachausbildung für kreatives und therapeutisches Schreiben absolviert.

Die Kunstakademie will nicht nur zur künstlerischen Fortbildung, sondern auch zur Selbstfindung beitragen. Ein Beispiel dafür sind auch die Kurse von Brigitte Schneider. "Durch meditatives Zeichnen zu Gelassenheit", so beschreibt die ausgebildete Schmuckdesignerin und leidenschaftliche Zeichnerin ihre Arbeit. Bevor sie sich mit den Teilnehmenden ans künstlerische Schaffen macht, führt sie Entspannungsübungen mit Klangschale durch.

Schnelle Porträts zeichnete Elina Deberdeeva auf ihrer Staffelei vor dem Eingang der Park-Villa. (Foto: Manfred Neubauer)

Gegen 15 Uhr haben sich die Räumlichkeiten der Akademie mit Besuchern gefüllt, es herrscht Betrieb wie bei einer Vernissage. Elina Deberdeeva hat ihre Staffelei direkt vor dem Eingang der Akademie aufgebaut. Neben Sophie Schmid und Monika Reiter ist sie die dritte Dozentin, die sich von den Besuchern beim Tag der offenen Tür bei der Arbeit beobachten lässt. Deberdeeva stammt aus dem ukrainischen Charkiw, hat in München in den Neunzigerjahren Malerei und Grafik studiert und im Jahr 2000 ihr Diplom als Meisterschülerin gemacht. Seit 2018 ist sie Dozentin an der Kunstakademie Eigenart und malt heute "schnelle Porträts" - wobei die Porträts dann doch nicht so schnell sind, dass man sich mit Deberdeeva nicht über ihre Arbeit unterhalten könnte. Konzentration ist essenziell. Die porträtierte Dame, so bekommt man beim Abschied gerade noch mit, ist von Deberdeevas Werk jedenfalls begeistert: "Spasibo bol'shoye" ruft sie der Künstlerin noch zu - "vielen Dank". Kunst verbindet eben. Dafür war der Tag der offenen Tür an der Kunstakademie Eigenart ein beeindruckendes Beispiel.

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