Kundgebung auf dem Penzberger Stadtplatz„Wir müssen hier und jetzt laut werden“

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Penzberg bleibt bunt: Dafür wurde eine Demonstration und Kundgebung auf dem Stadtplatz veranstaltet.
Penzberg bleibt bunt: Dafür wurde eine Demonstration und Kundgebung auf dem Stadtplatz veranstaltet. (Foto: Manfred Neubauer)

Aktionsbündnis „Penzberg bleibt bunt“ ruft zu Demonstration auf. An die 1000 Bürgerinnen und Bürger bekennen sich in Penzberg zu kultureller Vielfalt, Demokratie und einem friedlichen Miteinander.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Kurz vor 14 Uhr am Samstag im Penzberger Zentrum. Einige Polizeibeamte besprechen sich auf dem Stadtplatz, ehe sie sich in Zweiergruppen aufteilen. Die Bühne ist aufgebaut. Nun fehlen nur noch die Menschen, die dem Ruf des Aktionsbündnisses „Penzberg bleibt bunt“ folgen. Kurz vor der Bundestagswahl möchte das Bündnis zu einem „deutlichen Bekenntnis für Demokratie und Freiheit“ aufrufen. Lange muss das Organisationsteam nicht warten: An die 1000 kommen auf den Stadtplatz, um für ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben zu demonstrieren.

Die Kundgebung war überschattet von dem Anschlag auf einen Verdi-Demonstrationszug wenige Tage zuvor in München. Die Stadt Penzberg hatte ihr Sicherheitskonzept überarbeitet und den Platz am Rathaus mit Betonpollern abgesperrt. Auch wurden die Organisatoren gebeten, auf den Demonstrationszug durch die Innenstadt zu verzichten. Dieser Bitte zu entsprechen, sei schwergefallen, sagte Bärbel Scholz vom Aktionsbündnis zu Beginn der Kundgebung. Schließlich wolle man sich nicht „kleinkriegen“ lassen. „Wir ziehen dieses Mal nicht laut durch die Straßen“, betonte Regina Klostermann als zweite Rednerin. Dieses Anpassen fühle sich nicht gut an, aber sie könne das Bedürfnis nach Sicherheit nachvollziehen. Wichtig sei letztlich nur eines: „Ich bin froh um jeden, der hier ist.“

Bärbel Scholz (links) und Regina Klostermann vom Aktionsbündnis bedauerten es, dass der geplante Demonstrationszug durch die Innenstadt abgesagt werden musste.
Bärbel Scholz (links) und Regina Klostermann vom Aktionsbündnis bedauerten es, dass der geplante Demonstrationszug durch die Innenstadt abgesagt werden musste. (Foto: Manfred Neubauer)

„Wenn die AfD die Antwort ist, wie dumm war dann die Frage“, ist auf einem der zahlreichen Schilder zu lesen, die die Demonstrierenden mitgebracht hatten. Wie stets in Penzberg gab es nicht nur Reden. Begleitet wurde die Kundgebung mit Musik und Gesang. Der Penzberger Liedermacher Thomas Kopf hatte eigens das Lied „Bunt“ geschrieben, da es „in diesen Zeiten schwierig ist, nicht politisch zu sein“. Die Band Wuh brachte den Stadtplatz zum Mittanzen, ebenso wie die Samba-Trommelgruppe.

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Europa, Deutschland und insbesondere Penzberg seien stets ein buntes Mosaik der Kulturen, Ethnien und Religionen gewesen, sagte Klostermann weiter. Vielfalt sei in einer globalisierten Welt kein Hindernis, sondern eine ihrer größten Stärken. Auch wenn Vielfalt zu leben, nicht immer leicht sei. Sie brauche den Diskurs und vor allem das gegenseitige Zuhören. Im Übrigen sei Demokratie keine Selbstverständlichkeit. Sie sei eine Errungenschaft, für die viele Menschen gekämpft und große Opfer gebracht hätten. „Und Demokratie ist sehr zerbrechlich“, so Klostermann. Was man am Erstarken rechtsradikaler Strömungen beobachten könne. „Extremismus in jeder Form droht unsere Gesellschaft zu spalten.“ Globale Krisen und ähnliches verunsicherten die Menschen. Populisten hätten „scheinbar einfache Antworten“ auf diese Ängste. „Aber es gibt keine einfachen Antworten. Aber Angst kann sehr gefährlich sein.“ Klostermann bedauerte, dass die Toleranz gegenüber Andersdenkenden schwinde. Dem könne man nur Mut entgegensetzen: Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen sowie Akzeptanz und Toleranz zu leben.

„Wir müssen hier und jetzt laut werden“, rief Klostermann in die Menge, „gegen Extremismus und Hass, für Menschlichkeit und Toleranz.“

„Sie wollen unseren Frieden stören“

Auch in Penzberg habe es in jüngster Vergangenheit einen Vorfall gegeben, sagte Clemens Meikis. Damit spielte er auf eine Flugblatt-Aktion der als rechtsextrem eingestuften Organisation „Der III. Weg“ an, die gezielt gegen die Islamische Gemeinde in Penzberg gerichtet war. „Sie wollen unseren Frieden stören“, erklärte Meikis. Das bereite ihm Sorgen und stimme ihn traurig. Mit Terror, Hass und Hetze wollten Rechtsextremisten die Gesellschaft spalten. Er erinnerte an den Moschee-Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2019. Steinmeier hatte damals erklärt, dass Penzberg ein Vorbild sei und die Bundesrepublik mehr von dieser Art des harmonischen Miteinanders bräuchte, um der wachsenden Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Die Mitglieder der Islamischen Gemeinde „gehören zu uns wie alle anderen, rechtschaffenden Bürger der Stadt“, so Meikis.

Clemens Meikis und Gianna Lisci vom Aktionsbündnis.
Clemens Meikis und Gianna Lisci vom Aktionsbündnis. (Foto: Manfred Neubauer)

Penzbergs Vorbild als Stadt der 100 Nationen sei nicht nur ein Symbol, sondern ein Versprechen. „Dieses Vorbild ist stärker als jede Ideologie des Hasses“, sagte Meikis. Etwas anderes „lassen wir nicht zu“. Meikis erinnerte zudem daran, dass das Aktionsbündnis am 4. Februar 2024 auch auf den Stadtplatz zu einer Kundgebung eingeladen hatte. Damals ging es um das geheime AfD-Treffen in Potsdam, wo der Begriff Remigration durchsickerte und allerorten Empörung hervorrief. Nun, ein Jahr später, sei das Wort salonfähig geworden und das, wofür es stehe, kein Tabu mehr. Das Asylrecht, so Meikis, sei im Grundgesetz verankert und letztlich der christlichen Wertvorstellung der Nächstenliebe entsprungen. Seit 2015, fuhr er weiter fort, seien eine Million Kinder als Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Kinder, denen man eine Perspektive habe geben können und die vielleicht eines Tages die Geschichte erzählten, dass sie als Fremde in ein Land kamen, die Menschen ihnen dort geholfen hätten und zu Freunden wurden. „Wir können doch stolz sein, dass solche Geschichten erzählt werden.“

Meikis sah als Ursache für die missliche Lage, in der sich das Land befinde, dass „wir alle uns zu wenig in die Politik eingebracht haben; dass besonnene, kluge Menschen Politik zu passiv geschehen haben lassen“. Sein Fazit: „Bringen wir uns künftig mehr ein.“

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