Kultur"Bis in die Träume"

Lesezeit: 3 Min.

Hanns Meilhammer und Claudia Schlenger nehmen ihre Bühnenarbeit mental mit in den Schlaf. Am Freitag treten sie als Herbert und Schnipsi in Dietramszell auf.

Thekla Krausseneck

"Wir sind nicht ganz so naiv, wie es die beiden Figuren sind, sonst könnten wir das gar nicht schreiben": Claudia Schlenger und Hanns Meilhammer alias Schnipsi und Herbert.
"Wir sind nicht ganz so naiv, wie es die beiden Figuren sind, sonst könnten wir das gar nicht schreiben": Claudia Schlenger und Hanns Meilhammer alias Schnipsi und Herbert. (Foto: WOR)

"Herbert und Schnipsi" führen eine Ehe, die man durchaus als chaotisch bezeichnen könnte. Sie ist oft ein bisschen zu schnell; er oft ein bisschen zu langsam. Auf ihrem Weg durch die Ehe werden die zwei von ihren Schöpfern Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer verkörpert, die seit mehr als 30 Jahren mit "Herbert und Schnipsi" auf bayerischen Bühnen auftreten. In ihrem neuen Programm "Juhu, gleich schmeißt's uns wieder" zählt das Duo auf den Einsatz des Publikums, das zur Vorstellung eine Plastiktüte mitbringen soll, "die schön raschelt".

SZ: Sind Herbert und Schnipsi ein Chaos-Ehepaar?

Claudia Schlenger: Wir kommen immer sehr schnell in chaotische Situationen. Das kommt schon allein daher, dass der Herbert ein bisschen langsamer ist als die Schnipsi. Und die Schnipsi jagt ihn immer in Situationen, die eskalieren und ständig turbulenter werden.

Wie viel steckt von Ihnen in Herbert und Schnipsi?

Schlenger: Wir sind jetzt nicht ganz so naiv, wie es die beiden Figuren sind, sonst könnten wir das gar nicht schreiben. Da braucht man eine gewisse Distanz. Aber vom Rhythmus, vom Tempo, vom Temperament her liegen wir schon ganz schön nah dran. Es ist oft so, dass ich etwas initiiere und begeistert bin und losrenne, und der Hanns muss es wieder richten.

Und wie viel steckt von Herbert und Schnipsi in Ihrem Alltag?

Schlenger: Das ist momentan sehr viel. Da wir alles selber schreiben - wir haben ja keine Mitautoren - und dadurch, dass wir zurzeit auch ununterbrochen zusammen sind, ist das Programm sehr präsent bei uns. Bis in die Träume. Wirklich.

Bis in die Träume?

Schlenger: Wir träumen abwechselnd dasselbe, nämlich dass wir auf der Bühne stehen und uns fällt kein Text mehr ein, und die Leute sitzen da und schauen uns an, und dann versucht man da locker - also eher verkrampft - zu improvisieren, und die Zuschauer stehen allmählich auf und gehen. Das träumen viele, viele Künstler. Nur ein Kollege hat gesagt - und das ist viel schlimmer -, die Zuschauer bleiben sitzen und starren ihn an.

Hanns Meilhamer: Im neuen Programm gibt es eine Geschichte, in der so ein Traum in die Wirklichkeit hineinbricht und einer sich ganz schwer tut, seiner Chefin gegenüber darzustellen, dass er Traum und Wirklichkeit nicht auseinanderhalten konnte.

Warum nennen Sie sich Herbert und Schnipsi?

Schlenger: Die sind zu unseren Anfangszeiten entstanden. Und zwar haben wir damals einen Sketch improvisiert und drauflosgespielt, und irgendwann haben wir uns gefragt: Wie heißen wir eigentlich? Da hat mein Mann zu mir gesagt, du könntest Schnipsi heißen, und ich hab gesagt, na gut, dann bist du der Herbert. Das kam ganz intuitiv. Wir spielen auch mal andere Figuren, aber diese typischen Ehepaare, das sind immer Herbert und Schnipsi.

Wie unterscheidet sich Ihr Bühnenprogramm von Ihren TV-Sketchen?

Schlenger: Es ist sehr musikalisch. Aber der größte Unterschied ist für uns, dass wir die Leute direkt vor uns haben, dass wir nicht in die Kamera spielen, sondern im Dialog mit dem Publikum sind. Die Zuschauer sagen uns auch oft, dass es ihnen so besser gefällt.

Was mögen Sie lieber - Bühne oder Fernsehen?

Meilhamer: Auch die Bühne, eben weil die Reaktionen so direkt sind.

Schlenger: Was ich beim Fernsehen so schwierig finde: Man kann's einfach nicht ausprobieren. Man schreibt eine Nummer, die muss dann auch sehr schnell gedreht werden. Auf der Bühne führt das Publikum Regie. Deshalb machen wir auch die Einspielvorstellungen, bei denen wir schauen, wie eine Nummer kommt. Das ist für mich schon sehr befriedigend, dass man an den Dingen arbeiten kann.

Und wenn nach der Pointe keiner lacht?

Schlenger: Die probieren wir noch mal aus, denn vielleicht war es ja eine Timing-Geschichte, aber wenn es beim zweiten, dritten Mal wieder nicht klappt, tun wir die Stellen raus. Aber wir haben jetzt auch eine Nummer drin, einen klassischen Ehe-Sketch - als wir den geprobt haben, habe ich mich gefragt: Ob da einer lacht? Und die Leute lachen so viel bei dieser Nummer, ich bin direkt erschrocken. Man kann es vorher nicht wissen.

"Herbert und Schnipsi", Gasthaus Peiß, Dietramszell, Freitag, 5. April, Einlass: 18 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Tickets unter Telefon 08027/229.

© SZ vom 04.04.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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