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Kürzung der Förderung:Ende des Booms beim Sonnenstrom

Zu kurzfristig, zu schnell, zu unerwartet: Was Kommunalpolitiker und Stadtwerke-Chef von der Kürzung Solarförderung halten.

Mindestens 30 Millionen Euro sind allein im Jahr 2010 im Landkreis in die Solarenergie investiert worden. Mit dem Boom wird es vermutlich schon bald vorbei sein. Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland befürchtet nach dem 1. April einen massiven Einbruch des Photovoltaikmarkts. Der Grund ist die von der Bundesregierung angekündigte Kürzung der Solarförderung mit der Einspeisevergütung um insgesamt etwa 30 Prozent.

Icking, Gymnasium / auf den Dächern des Gymnasiums wird eine Photovoltaik- Anlage gebaut / Alexander Hoffmann (re.) von der gleichnamigen Bauelemente Firma mit Roland Kriegler / Foto: = Hartmut Pöstges =

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zwar wurde die ursprüngliche Planung Ende vergangener Woche entschärft, doch für die Stiftung Energiewende Oberland ist sie nach wie vor ein rotes Tuch. "Der Gesetzesentwurf widerspricht den Zielen der Energiewende und des Klimaschutzes", sagt Thomas Martin von der Fachgruppe Solarenergie. Zu geringe Förderung, mangelnde Planungssicherheit: Weitere Bürger-Solarparks, so wie die voriges Jahr auf den Gymnasien in Icking und Geretsried, werden so nicht nur gebremst, befürchtet Martin. "Es wird sie vorerst gar nicht mehr geben."

Auswirkungen hat die Kürzung auf lokale Produzenten und Handwerker. "Für uns kann es dramatisch werden", sagt Manfred Zäh der Solarfirma Brenner und Zäh in Königsdorf. Derzeit habe er Anfragen für Anlagen, die nur dann realisiert würden, falls die Kunden noch in den Genuss der vollen Erstattung kommen. Zäh findet das Zurückfahren der dauernden Solarförderung an sich richtig, er hofft, dass dadurch neue Konzepte und Innovationen beschleunigt werden. Doch er kritisiert die Härte und Plötzlichkeit der Maßnahmen. Sie könnten viele Firmen aus der Bahn werfen. "Das wirkt wie eine Keule."

Die Zuwächse aus den vergangenen Jahren klingen gewaltig. 2007 stieg die Maximalleistung der Anlagen im Landkreis um 30 Prozent; 2008 wurden erneut Anlagen installiert, die die Maximalleitung um weitere 40 Prozent steigerten und auch 2010 kamen 60 Prozent hinzu. Thomas Martin schätzt, dass auch für das vergangene Jahr mit einem Leistungsplus von etwa 50 Prozent zu rechnen ist. 30,2 Megawatt Solarstrom hätten 2010 im Landkreis 2010 erzeugt werden können. Gemessen am Bundesdurchschnittswert ist das viel.

Vergleicht man die Zahlen mit denen in Gesamtbayern, sieht man, dass noch viel mehr möglich wäre: In Bayern liegt die durch Solarstrom gewonnene Leistung pro Einwohner mehr als doppelt so hoch wie im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Nicht nur Privatleute, auch Gemeinden halten sich nun nach der Ankündigung der Bundesregierung zurück.

Wenn die Rückvergütung geringer ausfalle, sei es möglich, dass sich etwa Bichl die Ausstattung der ehemaligen Mülldeponie mit Sonnenzellen nicht mehr leisten könne, sagt Benedikt Pössenbacher, Bürgermeister in der Gemeinde. Auch in Bad Tölz, wo die alte Deponie im Farchet in eine Solarfläche umgewandelt werden soll, wartet man ab. "Das Projekt steht auf der Kippe", sagt Michael Hofmann, Leiter der Tölzer Stadtwerke.

Diese haben ihr Geschäftsmodell zur Energiegewinnung durch Photovoltaik bereits umgestellt: Während bisher installierte Anlagen im städtischen Eigentum sind, sollen neue von Vertragspartnern aufgestellt werden. Mit neuen Geschäftsmodellen und neuen Technologien sieht Hofmann nach wie vor eine gute Zukunft der Solarwirtschaft. "Die Photovoltaik wird auch mit reduzierter Förderung gut dastehen", sagt er. Sehr kritisch sieht auch er das Tempo, welches die Bundesregierung mit ihrer Initiative vorlegt: "Das kommt alles zu kurzfristig, zu schnell, zu unerwartet."