bedeckt München 16°
vgwortpixel

Künstliche Welle:Nicht nur an der Loisach soll eine Welle entstehen

Der Professor für Wasserbau an der Universität Innsbruck fertigte eine Machbarkeitsstudie für die Wolfratshauser Surfwelle an und entwickelte die technischen Pläne: Mit einer Stahlkonstruktion soll eine bis zu acht Meter breite Welle erzeugt werden, die steuerbar und damit für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet ist. Die Kosten: insgesamt 320 000 Euro. Die Hälfte davon soll aus EU-Fördermitteln kommen, der Stadtrat hat einen Zuschuss von 100 000 Euro zugesichert. 60 000 Euro müssen die Initiatoren selbst an Spenden aufbringen.

Ende Mai haben die Kastners einen Verein gegründet, wie es die Statuten des EU-Förderprogramms Leader vorschreiben: Ein "harter Kern" aus zwölf Leuten kümmert sich nun vor allem darum, Spenden aufzutreiben. Zunächst wollen sie sich an alle Firmen in Wolfratshausen und Umgebung wenden. "Wir wollen das regional aufziehen", sagt Marcus Kastner. "Und verhindern, dass es im schlimmsten Fall eine Red-Bull-Welle wird." Allerdings sei Sponsoring nach den Förderrichtlinien auch verboten. Vor kurzem hat der Verein in Wolfratshausen eine "Surf's Up"-Party gefeiert, deren Eintrittsgelder in die Welle fließen. Marcus Kastner ist optimistisch. "Wir haben schon viel geschafft", sagt er. "Aber wir haben auch noch viel zu tun."

Englischer Garten

Typologie der Eisbach-Surfer

Die größte Hürde war lange das Wasser. Die meiste Zeit des Jahres ist der Kanal nur ein kleines Rinnsal, der Kraftwerkbetreiber braucht das Wasser zur Stromerzeugung an einem anderen Wehr. Nach mehreren Gesprächen mit der Stadt hat er aber Kooperationsbereitschaft gezeigt: Pro Betriebsstunde der Welle sollen zehn Euro Ausgleich gezahlt werden. Weil die an vier Tagen pro Woche von April bis Oktober laufen soll, wären also 13 400 Euro im Jahr fällig - nicht gerade wenig. Das Geld, sagen die Kastners, bringe der Verein auf. "Wer surfen will, muss Mitglied sein." Aber es soll auch Tages-Mitgliedschaften geben, die die Surfer dann vom Handy aus per Paypal bezahlen können. "Eine Kasse wird es hier nicht geben", sagt Marcus Kastner.

Die Stadt wird als Bauherr noch zahlreiche Gespräche führen müssen, nicht nur mit dem Kraftwerksbetreiber, sondern auch mit den vielen Behörden, die am Genehmigungsverfahren beteiligt sind. Dabei geht es nicht nur ums Wasserrecht, sondern auch um Parkplätze, Lärm und ähnliche Dinge. Ein juristisches Gutachten, das die Haftungsfragen klären soll, sei kurz vor der Fertigstellung, sagt Stefanie Kastner. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres, hoffen sie und ihr Mann, können sie den Spendenanteil einsammeln, später auch von Bürgern durch Crowdfunding. Dabei setzen sie auf die positive Kraft der Welle, die schon den Stadtrat überzeugt hat. "Riversurfing ist cool, jung, dynamisch und lässt sich gut vermarkten", sagt Stefanie Kastner.

Das sieht man auch in anderen Städten, in denen gerade fleißig daran gearbeitet wird, München den Rang als Surfspot Nummer eins abzulaufen. In Nürnberg etwa soll auf der Pegnitz die "Dauerwelle" entstehen, die der Freistaat mit 250 000 Euro fördern will, das Genehmigungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Und in Bad Reichenhall soll auf der Saalach die größte künstliche Surfwelle der Welt geschaffen werden.

Die ersten Spenden sind schon da

Auch in Passau und Gräfelfing kämpfen Initiativen für ähnliche Projekte. Weil die Trendsportart boomt, gibt es auch schon die ersten Warnungen vor einer Kommerzialisierung des Fluss-Surfens. In Wolfratshausen sieht Marcus Kastner die Gefahr jedenfalls nicht. "Wir wollen uns an der Welle nicht bereichern", sagt Kastner. Er könne sich aber gut vorstellen, dass etwa Sportgeschäfte aus der Stadt einen Surfbrettverleih anbieten.

Die erste Spendenzusage hat das Ehepaar Kastner schon bekommen: 5000 Euro von einem Wolfratshauser Familienunternehmen. Beim Pressetermin im Rathaus hatten sie wieder ihr Surfbrett dabei. "Die Welle wird Wolfratshausen voranbringen", sind sie sich sicher. Und dass sie nicht nur Surfer aus dem ganzen Oberland anzieht, sondern auch viele Wolfratshauser dazu bringen wird, aufs Brett zu steigen. "Riversurfing ist schon lange keine Freak-Sportart mehr, die von ein paar Leuten ausgeübt wird, die es geheim halten wollen", sagt Marcus Kastner. "Es werden immer mehr. Und es braucht mehr Wellen."

Alle Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter surfing-wolfratshausen.de.

© SZ vom 04.07.2017/vewo
Surfen Nürnberg will münchnerischer werden

Freizeit

Nürnberg will münchnerischer werden

Wie am Eisbach: Für 500 000 Euro soll eine künstliche Welle in der Pegnitz entstehen. Die City-Surfer können es kaum erwarten.   Von Claudia Henzler

Zur SZ-Startseite