„Die strategischen Maßnahmen greifen“, lautete die Botschaft Ingo Kühns, Geschäftsführer der Kreisklinik Wolfratshausen. Er legte vor der Sommerpause einen Situationsbericht im Kreistag Bad Tölz-Wolfratshausen vor. Dieser fiel durchaus positiv aus: Das Krankenhaus am Moosbauerweg sei „relevanter“ geworden und stehe wirtschaftlich solide da.
Die Kreisklinik spezialisiert sich auf vier Versorgungszentren. Dies sei eine strategische Neuausrichtung, so Kühn. Das Zentrum für Geriatrie und Alterstraumatologie soll auf 50 Betten aufgestockt werden. Dabei seien noch bauliche Hindernisse zu überwinden, berichtete Kühn. Die Dreibettzimmer müssten zu Zweibett- oder Einzelzimmern umgestaltet werden, um den Vorgaben zu entsprechen. Zertifizierungen für Akutgeriatrie und Alterstraumatologie lägen vor. Weitere Fachkräfte sollen gewonnen werden.
Das Zentrum für Pneumologie und Weaning (Lungenheilkunde und Entwöhnung von der maschinellen Beatmung) konnte von sechs auf zwölf Betten ausgebaut werden. Ambulante Pneumologie wie Privatsprechstunden sollen das Angebot optimieren. Beim Zentrum für Gastroenterologie (neu seit Juli 2024) und Viszeralchirurgie (Magen, Darm, Leber) kooperiert die Kreisklinik mit der Klinik der LMU in München.
So könne man alle Krankheitsbilder in diesem Bereich versorgen, sagte Kühn. Sollte eine Behandlung in Wolfratshausen nicht möglich sein, würde diese in München erfolgen. Danach würden die Patientinnen und Patienten stationär, wohnortnah in der Kreisklinik betreut.
Drei Millionen Euro Defizit im vergangenen Jahr
Im OP-Zentrum und den weiteren Bereichen werde durch eine Prozessoptimierung und Auslastungssteigerung angestrebt, die Grund- und Regelversorgung weiterhin zu gewährleisten, berichtete der Geschäftsführer weiter. Dazu sollen neuer Ärzte gewonnen werden, die in der Kreisklinik operieren.
Die Vision sei, die beiden letzteren Bereiche als medizinische Versorgungszentren zu etablieren, so Kühn. Bei diesen Zentren handelt es sich um Einrichtungen zur ambulanten medizinischen Versorgung, in der mehrere Ärzte unter einem Dach zusammenarbeiten und die Patienten gemeinsam versorgen.
Trotz all der positiven Nachrichten wollte Kühn nicht verschweigen, dass die Kreisklinik allein im vergangenen Jahr gut drei Millionen Euro Defizit machte. Mit dem Kreispflegeheim Lenggries, das noch zur gGmbH gehört beläuft sich das Defizit auf fast fünf Millionen. In diesem Jahr werden es voraussichtlich an die sechs Millionen Euro sein. Das Pflegeheim wird vom 1. August an geräumt und fällt zurück an die Gemeinde Lenggries – somit sinkt künftig auch die finanzielle Belastung.
Die Liquidität der Kreisklinik sei „knapp“, aber gesichert, erklärte der Geschäftsführer. Monatlich braucht die Kreisklinik etwa vier Millionen Euro. Dank Rücklagen und anderen Finanzierungsmaßnahmen würden die vorhandenen Barmittel für 2,7 Wochen ausreichen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Jede vierte Klinik habe Geld, um weniger als eine Woche durchzuhalten. „Wir stehen deutlich stabiler da“, sagte Kühn.

