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Kreisklinik Wolfratshausen:Kommunal ist besser

Für den Kreistag stellt sich die Frage: privatisieren oder nicht? Dabei liegt die wünchenswerte Variante auf der Hand

Kommentar von Florian Zick

Nun geht es also um die Kernfrage: privatisieren oder nicht? Der Tölzer Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) will sich am 20. Mai im Kreistag die Erlaubnis für die Suche nach einem strategischen Partner einholen. Dieser Partner soll die Kreisklinik künftig nicht nur betreiben, im besten Fall bringt er gleich auch noch Geld für die geplante Umstrukturierung mit.

Als Investor infrage kommen das Klinikum Starnberg, das Krankenhaus Agatharied, das Klinikum Garmisch-Partenkirchen und der Klinikkonzern Asklepios, der auch in Bad Tölz die Stadtklinik betreibt. All diese Häuser sind auf bestimmte Behandlungen besonders spezialisiert. Das Klinikum Starnberg zum Beispiel ist mit seinem Hypertoniezentrum gut auf Patienten mit Schlaganfall eingerichtet, nach Bad Tölz geht man vor allem, wenn man einen Gefäßchirurgen braucht. Aber wer auch immer am Ende den Zuschlag für die Kreisklinik Wolfratshausen bekommen sollte, keiner der potenziellen Betreiber wird dem eigenen Stammhaus Konkurrenz machen wollen. Es wird in Wolfratshausen also auf jeden Fall etwas wegkommen.

Diese Entwicklung kann man nur aufhalten, wenn man die Kreisklinik in kommunaler Hand behält - und da gehört ein solches Haus eigentlich auch hin. Die Gesundheitsversorgung sollte nicht unter dem Druck stehen, Profit abwerfen zu müssen. Wenn ein Krankenhaus privatwirtschaftlich betrieben wird, sind Effizienz und Rentabilität aber natürlich die wesentlichen Betriebskriterien. Das Wohl das Patienten ist dann zwangsläufig dem Ziel einer wohlgefüllten Kasse untergeordnet.

Gut also, dass nun endlich auch die öffentliche Debatte begonnen hat. Über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist zu lange nur im stillen Kämmerlein diskutiert worden. Nicht ausgeschlossen, dass sich am Kreisklinikum etwas ändern muss. Aber es geht hier um keine Lappalie. Es geht um die Frage, ob man sich im Raum Wolfratshausen auch in Zukunft darauf verlassen kann, bei einem medizinischen Notfall verlässliche Hilfe zu bekommen. Da sollte wirklich jeder mitreden können.

© SZ vom 07.05.2021
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